Ob zu viel Papierkram, zu wenige Fachkräfte oder ein zu langsames Internet – Mittelständler stehen vor eine Reihe von Herausforderungen. Eine entsprechende Mittelstandspolitik soll die Hürden senken helfen.
Karin Birk

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will die mittelständische Wirtschaft in ihrer Wettbewerbsfähigkeit unterstützen. So will der Minister noch in dieser Legislaturperiode ein zweites Bürokratieentlastungsgesetz auf den Weg bringen. "Es gibt genug zu tun in diesem Bereich“, sagte er auf einer gemeinsamen Mittelstandskonferenz mit Vertretern der Wirtschaft. So spreche er sich beispielsweise für eine Anhebung der Abschreibungsgrenze für geringfügige Wirtschaftsgüter aus. Wie Gabriel weiter sagte, entlaste das erste Bürokratieentlastungsgesetz die Wirtschaft in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Auch für die Wirtschaft ist ein kontinuierlicher Bürokratieabbau unverzichtbar: "Wir brauchen ein zweites Bürokratieentlastungsgesetz“, betonte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. Auch er weiß allerdings, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble diesem Vorschlag alles andere als offen gegenübersteht.
Handwerk fordert mittelstandsfreundliche Investitionen in Infrastruktur
Wie der Dialog zwischen Politik und Wirtschaft weiter deutlich machte, sind zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit weitere Anstrengungen bei der Digitalisierung, dem Infrastrukturausbau und einer bezahlbaren Energieversorgung wichtig: "Wir brauchen auch über 2018 hinaus Investitionen in die Infrastruktur“, betonte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. Allerdings dürften die notwendigen Investitionen etwa durch ÖPP-Projekte nicht an der mittelständischen Bauwirtschaft vorbeifließen, warnte das Handwerk.
Wirtschaft braucht schnelles Internet
Einig waren sich die Vertreter von Wirtschaft und Politik, dass der Breitbandausbau weiter vorangetrieben werden müsse und Übertragungsraten von 50 Megabit pro Sekunde nur ein Zwischenschritt sein könnten. Vielmehr sei bis zum Jahr 2025 der weitreichende Ausbau von Gigabitnetzen nötig. Damit die mittelständische Wirtschaft die Chancen der Digitalisierung noch stärker nützt, werden entsprechende Kompetenzzentren mit rund 56 Millionen Euro gefördert, betonte Gabriel. Auch solle das Thema Datensicherheit und Ausbildung von entsprechenden Fachkräften vertieft werden.
Fachkräftesicherung bleibt Top-Thema
Dabei fehlt es in der Wirtschaft nicht nur an IT-Fachleuten, auch anderswo tun sich Lücken auf. Das Thema Fachkräftesicherung sei inzwischen für jedes zweite mittelständische Unternehmen ein Risiko für die Geschäftsentwicklung, sagte Schweitzer. Flüchtlinge würden diese Lücke in absehbarer Zeit nicht schließen können. Das intensive Werben für die duale Ausbildung stehe deshalb auf der Tagesordnung der Allianz für Aus- und Weiterbildung. Wie es in der gemeinsamen Erklärung heißt, müsste sich die Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Ausbildung auch in der „guten technischen Ausstattung der Berufsschulen und beruflichen Bildungsstätten widerspiegeln.“ Als Erfolg wertete Gabriel, dass Flüchtlinge künftig während ihrer Ausbildung und zwei Jahre danach nicht abgeschoben werden könnten. Unabhängig von den Flüchtlingen sprach sich Gabriel für eine gezielte Einwanderung von Fachkräften und für ein Einwanderungsgesetz aus.