Studie zur Rente Höheres Rentenalter für stabile Versicherung

Wie kann die gesetzliche Rentenversicherung langfristig stabilisiert werden? Laut den Forschern des Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) führt kein Weg an einem höheren Renteneintrittsalter vorbei. Langfristig müsse die Zahl der Erwerbstätigen erhöht werden.

Um langfristig stabile Rentenbeiträge und eine konstantes Niveau zu ermöglichen, ist laut IWH ein höheres Renteneintrittsalter unumgänglich. - © industrieblick/fotolia.com

Die Deutschen werden immer weniger und immer älter – das stellt die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) vor große Herausforderungen. Laut Forschern des Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) stehen drei Stellschrauben zur Verfügung, um diesem demographischen Problem entgegenzuwirken:

  1. das Anheben des Beitragssatzes zur GRV
  2. das Absenken des Rentenniveaus
  3. die Erhöhung des Renteneintrittsalters

Eine Studie des IWH legt nahe, dass die Deutschen langfristig später in Rente gehen sollten. 

Aktuelles Rentenalter führt zu höherer Beitragslast

Wird das aktuelle Renteneintrittsalter beibehalten und bleibt auch das Rentenniveau konstant, werde der Beitragssatz zur GRV künftig deutlich über dem aktuellen Niveau von 18,7 Prozent liegen. Auch aufgrund der ohnehin schon hohen Steuer- und Beitragsbelastung der Arbeitseinkommen hätte ein weiterer Anstieg der Belastung negative ökonomische Konsequenzen, heißt es in der Studie.

Auf der andren Seite hätte auch ein sinkendes Rentenniveau weitreichende Folgen. Wenn es 2030 auf bis zu 43,5 Prozent des Durchschnittslohns der gesamten Lebensarbeitszeit fällt, wären knapp 25 Millionen Menschen von Altersarmut betroffen. Zu diesen Ergebnissen kam eine aktuelle Recherche des WDR. Nur rund 28,6 Millionen Bürger können 2030 auskömmliche Altersbezüge erwarten.

Aber selbst wenn das Rentenniveau geringfügig sinkt, geht laut den Forschern des IWH an einer Erhöhung des Renteneintrittsalters kein Weg vorbei, wenn der Beitragssatz zur GRV nicht allzu stark steigen soll.

Die Berechnungen der Wissenschaftler zeigen, dass das Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2030 auf 69 Jahre steigen müsste, wenn den aktuellen politischen Vorschlägen folgend das Rentenniveau auf 48 Prozent konstant gehalten würde und der Beitragssatz zur GRV nicht steigen soll. Ab dem Jahr 2034 reiche allerdings selbst ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren nicht mehr aus, um den Beitragssatz zur GRV auf heutigem Niveau zu stabilisieren.   

Stabilisierung durch mehr Erwerbstätige

Neben einem höheren Rentenalter könne die Rentenversicherung langfristig auch durch mehr Erwerbstätige stabilisiert werden. Eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung (Beitragszahler in Relation zu den erwerbsfähigen Personen) kann beispielsweise durch eine weitere Zunahme der Erwerbstätigkeit von Frauen, eine höhere Beschäftigungsquote Älterer oder eine niedrigere Arbeitslosenquote erreicht werden. Dieser Effekt trete auch ein, wenn die Zuwanderung von Personen im erwerbsfähigen Alter nach Deutschland höher ausfällt als in den Berechnungen des IWH unterstellt.

Wie die Maßnahmen konkret kombiniert werden, ist eine politische Entscheidung. „Keine Maßnahmen zu ergreifen oder gar die Leistungen der gesetzlichen Renten-versicherung weiter auszuweiten, würde die Finanzierbarkeit der Rentenansprüche langfristig infrage stellen“, so Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und stellvertretender Präsident am IWH. Unterbliebene Stabilisierungsmaßnahmen oder Leistungsausweitungen heute werden durch zukünftige Beiträge finanziert werden müssen. Die Forscher warnen, dass heutige Rentenversprechen die älteren Arbeitnehmer zulasten der jüngeren begünstigen. dhz