Energetische Sanierung Energieberatung: Einheitliche Standards gefordert

Die Bundesregierung hat ambitionierte Ziele beim Energiesparen. Doch die energetische Gebäudesanierung kommt nur schleppend voran. Laut einer neuen Studie braucht es vor allem einheitliche Standards bei der Ausbildung der Energieberater - etwa nach dem Vorbild im Handwerk.

Laut IW Köln könnten einheitliche Standards für die Energieberatung die Bereitschaft zur energetischen Gebäudesanierung erhöhen. - © Foto: Ingo Bartussek/Fotolia

In Deut schland gibt es noch viel Potenzial Energie zu sparen – vor allem im Immobilienbereich. Doch Eigentümer sanieren ihre Gebäude selten, die Zahl scheint in den vergangenen Jahren sogar rückläufig zu sein. Ein Hauptgrund dafür: Viele sind durch die sich ändernden Gesetze und Förderangebote verunsichert – das hält sie davon ab zu investieren.

Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten des Institutes der deut schen Wirt schaft Köln (IW), das im Auftrag der Schwäbi sch-Hall-Stiftung "bauen-wohnen-leben" in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des Deut schen Handwerks und dem Volkswirt schaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk entstanden ist. Vor allem Energieberater könnten dabei helfen, die klimapoliti schen Zielsetzungen der Bundesregierung noch zu erreichen.

Gebäudebesitzer schlecht informiert

Die schwarz-rote Regierung hatte sich im Koalitionsvertrag zu den Zielen des Energiekonzeptes 2010 bekannt. Das sieht für den Gebäudesektor vor, den Energiebedarf um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 und bis 2050 um 80 Prozent zu senken (im Vergleich zu 2008). Bis September 2014 – also zur Halbzeit - hatte sich der Energieverbrauch lediglich um rund vier Prozent vermindert (Stand 2014), wie das IW in einer früheren Studie herausfand.

Das Problem: Gebäudebesitzer wissen zu wenig über die wirt schaftlichen Vorteile einer Sanierung und die Förderungen, die der Staat unter anderem über die KfW und das Bundesamt für Wirt schaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) dafür bereitstellt, betonen die Wissen schaftler nun. Dabei sind gerade KfW-Förderkredite äußerst günstig, um in die energeti sche Gebäudesanierung zu investieren, wie die Zeit schrift Finanztest kürzlich herausfand. Doch Gebäudeeigentümer sind laut IW nur begrenzt dazu bereit, Geld für Energieberater auszugeben, die auch über die Fördermöglichkeiten informieren.

Praxisrelevante Vorqualifikation erforderlich

Das könnte unter anderem daran liegen, dass es auf dem Markt sehr unter schiedlich qualifizierte Energieberater gibt. Der Begriff ist nicht ge schützt. So sind bei den meisten Handwerkskammern beispielsweise 240 Unterrichtseinheiten sowie eine Ab schlussprüfung erforderlich. Jemand, der keinerlei Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen durchlaufen hat, kann sich aber ebenfalls Energieberater nennen.

Einen ersten Ansatz zur Standardisierung gibt es durch die Förderprogramme des Bundes. So können sich beispielsweise nur diejenigen Energieberater in die Liste des Bundesamtes für Wirt schaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eintragen lassen, die eine qualifizierte Weiterbildungsmaßnahme abge schlossen haben. "Damit die Energieberatung auch in der Bevölkerung eine breitere Zustimmung erfährt, ist eine größtmögliche Standardisierung der Qualifizierung des Energieberaters anzuraten", erläutern die Wissen schaftler dennoch. Zudem sollte man über eine praxisrelevante Vorqualifikation verfügen, um sich als Energieberater ausbilden zu lassen, so die Forderung.

Stärkung der Energieberatung

Auch die fehlenden Standards bei der Beratung bemängeln die Studienautoren. Um den Kunden die Qualität der Arbeit zu signalisieren, seien etwa Ausbildungsnachweise sowie ein standardisiertes Kontrollsystem denkbar. Denn ein wesentliches Problem sei, dass sich die Energieberatung präsentiere heute noch nicht aus einem Guss präsentiere genauso wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Ein wesentliches Hemmnis für die energeti sche Gebäudesanierung sei vor allem auch der Streit um deren steuerliche Förderung.

Den Schlüssel, um die Bereit schaft in der Bevölkerung zu wecken, Gebäude und Heizungen zu sanieren, sehen die Experten jedoch vor allem bei den Energieberatern: "Eine national erfolgreiche Klimapolitik im Gebäudesektor erfordert daher eine Stärkung der Energieberatung auf breiter Basis", schlussfolgern die Wissen schaftler. sch

Fördermöglichkeiten für Energieberatung und Sanierung

KfW: Effizienzhausförderung und "Energieeffizient sanieren"

BAFA

Bundeswirt schaftsministerium (auch für Unternehmen)

Verbraucherzentralen