Der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten stark gefallen. Warum das so ist, welche Auswirkungen das hat und wie es weitergeht, erläutert Energie-Experte Udo Sieverding im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung.
Karin Birk
Deutsche Handwerks Zeitung: Herr Sieverding, nachdem sich der Preis für Rohöl binnen Jahresfrist auf weniger als 50 Dollar pro Barrel halbiert hat, gab es zuletzt wieder einen Anstieg. Warum?
Udo Sieverding: Dafür gibt es meines Erachtens zwei Gründe. Zum einen zeichnet sich in den USA eine Erholung der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Das lässt auch die Nachfrage nach Rohöl steigen. Zum anderen soll es nach einer Initiative von Saudi-Arabien jetzt doch Gespräche unter den großen Erdölförderländern geben, zu denen auch Russland gehört. Ein Grund für den drastischen Verfall der Rohölpreise in der Vergangenheit war ja, dass die erdölexportierenden Länder, die Opec-Staaten, und allen voran Saudi-Arabien bei rückläufigen Preisen anders als bisher ihre Fördermenge nicht mehr drosselten.
DHZ: Was hat neben dem Auseinanderfallen der Opec den Preis weiter gedrückt?
Sieverding: Wir haben ganz einfach ein Überangebot auf dem Weltmarkt. Die USA und Canada haben durch das so genannte Fracking und den Schieferöl-Abbau ihre Produktion stark erhöht. Obwohl dies eine relativ teure Fördermethode ist, der man bei den aktuellen Preisen eigentlich schon längst den Tod vorausgesagt hat, sind noch immer viele Anbieter am Markt. Auf der anderen Seite ist die Nachfrage – nicht zuletzt durch die konjunkturelle Schwäche in China – nicht stark genug, selbst wenn einzelne Nachrichten den Preis auch einmal vorübergehend steigen lassen.
Preissenkungen kommen nicht vollständig an
DHZ: Welche Auswirkung wird das Auslaufen der Sanktionen gegen den Iran haben?
Sieverding: Sollte es nicht wieder zu einer künstlichen Verknappung durch die Opec kommen, wird das Auslaufen der Sanktionen das Überangebot erhöhen. Die Anlagen werden zwar erst langsam wieder hochgefahren, eine Auswirkung auf Angebot und Preise wird es aber haben. Ohne eine Glaskugel auf dem Tisch stehen zu haben, erwarte ich vor allem aus diesem Grund, dass der Ölpreis in absehbarer Zeit nicht stark steigen wird.
DHZ: Rohölpreise sind das eine, die Preise für Treibstoffe und Heizöl das andere. Müssten die Verbraucher nicht stärker von den Preisänderungen beim Rohöl profitieren?
Sieverding: Bei Heizöl und Benzin sind die Preissenkungen der vergangenen Monate offensichtlich. Gleichwohl hat vor einigen Wochen der Bundesverband der Verbraucherzentralen in einer Untersuchung dargestellt, dass die Preissenkungen nicht vollumfänglich beim Verbraucher ankommen. Von den Strom- und Gasmärkten kenne ich ebenfalls das Phänomen, dass steigende Preise relativ schnell, sinkende aber eher langsam weitergegeben werden.
Geld in effiziente Technik investieren
DHZ: Was meinen Sie, sollten die Verbraucher möglichst bald ihren Heizöltank füllen?
Sieverding: Wenn mein Tank leer wäre, dann würde ich ihn jetzt füllen. Bei einem halb vollen Tank würde ich unter Umständen noch etwas abwarten und mir ein Preislimit nach oben und nach unten setzen.
DHZ: Wenn Energie und Heizen billiger wird, verpuffen dann nicht die Appelle zum Energiesparen?
Sieverding: Natürlich schwächt das kurzfristig erst einmal die Motivation. Aber die Verbraucher wissen auch, dass die Preise irgendwann wieder steigen können. Wer dauerhaft weniger zahlen möchte, sollte deshalb das nun gesparte Geld in effiziente Technik investieren.