Insolventer Gebäudeausrüster Imtech-Pleite schlägt sich vorerst nicht auf das Handwerk nieder

Von der Insolvenz des Gebäudeausrüsters Imtech Deutschland sind zwar 950 Baustellen in der Bundesrepublik betroffen, der Betrieb soll dort aber vorerst regulär weitergehen. Die Prognosen seien dank eines Massekredits und dem Verkauf einer Tochtergesellschaft positiv, vermeldet das Unternehmen.

Von der Imtech-Insolvenz sind rund 950 Baustellen betroffen. Der Betrieb geht aber zunächst normal weiter. - © Daniel Bockwoldt/dpa

Am 6. August stellte der Gebäudezulieferer Imtech Deutschland beim Hamburger Landgericht den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Zunächst musste man dadurch auch für die Betriebe aus dem Handwerk, die für den Gebäudezulieferer auf den rund 950 Baustellen als Subunternehmer tätig sind, Konsequenzen befürchten.

Inzwischen scheint sich die Lage jedoch zumindest kurzfristig zu stabilisieren. Wie das Unternehmen mitteilte, läuft der Betrieb auf einem Großteil der 950 Imtech-Baustellen in Deutschland regulär weiter. Eine der wichtigsten Imtech-Baustellen ist der Großflughafen Berlin-Brandenburg (FBB) in Schönefeld. Nach Aussage des Insolvenzverwalters Peter-Alexander Borchardt entwickel sich die Liquidität von Imtech Deutschland deutlich besser als erwartet.

Massekredit sichert Liquidität

Sichergestellt wurde die Fortführung der Baustellen laut Imtech durch einen Massekredit, den der Insolvenzverwalter gemeinsam mit verschiedenen Kreditgebern ausgehandelt hatte. "Dieser Kredit ist unverzichtbar für die störungsfreie Weiterführung der Geschäfte in den kommenden Monaten", äußerte sich Borchardt. Es handele sich um einen Betrag in signifikanter Millionenhöhe. Der Massekredit gebe wertvollen finanziellen Rückhalt, sollte weiteres Geld zur Fortführung ertragreicher Baustellen benötigt werden.

Bei einem Massekredit handelt es sich um eine spezielle Form des Kredits im Insolvenzverfahren, der bei Gläubigern aufgenommen wird. Mit ihm soll die Zahlungsfähigkeit sichergestellt und der Geschäftsbetrieb aufrechterhalten werden.

Der Betrieb auf den 950 Imtech-Baustellen in Deutschland läuft regulär weiter. Die wichtigste Baustelle: Der Großflughafen Berlin Brandenburg. Er soll 2017 fertiggestellt sein. - © Foto: Günter Wicker/Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Imtech verkauft Tochtergesellschaft

Zusätzlich zum Massekredit hat sich Imtech von der Tochtergesellschaft "Contracting" getrennt. Das Unternehmen sei an die Magdeburger Getec Gruppe verkauft worden. "Der Verkauf stärkt weiter unsere Fähigkeit, das Kerngeschäft von Imtech Deutschland zu sanieren", sagte Imtech-Geschäftsführer Felix Colsman in einer Pressemitteilung.

Mehr als 40 Kaufinteressenten für Imtech Deutschland

Zudem stehe auch das gesamte Unternehmen Imtech Deutschland zum Verkauf. Das Interesse sei enorm. Nach Aussage des Insolvenzverwalters habe man bis jetzt mehr als 40 qualifizierte Kaufinteressenten. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (E&Y) sei mit der Organisation des Unternehmensverkaufs beauftragt. worden  Es sei die wirtschaftlich beste Lösung, Imtech unter neuer Eigentümerschaft fortzuführen.

Bis der Verkauf abgeschlossen ist, habe Borchardt nach Aussage des Unternehmens für einen Großteil der rund 950 bundesweiten Imtech-Baustellen auf Basis der bestehenden Liquidität entsprechende Budgets zur Fortführung der Bauvorhaben bewilligt. Auch die Materialversorgung im wichtigen Servicegeschäft ist laut Imtech gesichert.

Mutterkonzern schuldet 21 Millionen Euro

In finanzielle Schieflage sei Imtech Deutschland geraten, weil der niederländische Mutterkonzern Royal Imtech seiner Tochtergesellschaft rund 21 Millionen Euro schuldet. Dies soll der unmittelbare Anlass für den Insolvenzantrag vom 6. August gewesen sein. dhz