Messe Intersolar in München eröffnet Solarstrom boomt weiter

Die Stromgewinnung aus der Sonne boomt weiter. Nach Angaben der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) wurden im vergangenen Jahr mehr als 40 Gigawatt PV-Leistung neu installiert. Größte Märkte sind China, Japan und die USA. Aber auch Deutschland glänzt mit einem neuen Rekord.

Frank Muck

Deutschland ist zwar nicht mehr Weltmeister bei den Zuwachsraten beim Solarstrom, bei der Technik gerade bei Solarstromspeichern jedoch führend. - © Foto: BSW-Solar/Bormann

Die Stromgewinnung aus der Sonne boomt weiter. Nach Angaben der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) wurden im vergangenen Jahr mehr als 40 Gigawatt PV-Leistung neu installiert. Größte Märkte sind China, Japan und die USA. Aber auch Deutschland glänzt mit einem neuen Rekord.

Die weltweite Gesamtkapazität habe damit rund 177 Gigawatt erreicht. Die EPIA rechnet mit einer Verdreifachung der Gesamtkapazität auf 550 GW in fünf Jahren. Trotz der boomenden Märkte in Ostasien bleibe aber auch Europa enorm wichtig für die Solarbranche. Die Expertise, die hier in den vergangenen Jahrzehnten erworben wurde, werde für den weltweiten Ausbau genutzt. Der Zubau in Europa fällt jedoch – auch wegen der gedrosselten Förderung – inzwischen deutlich geringer aus. Spitzenreiter in 2014 war Großbritannien mit 2,3 GW, gefolgt von Deutschland (1 ,9 GW) und Frankreich (0,9GW).

Deutschland ist Rekordhalter bei Netzeinspeisung

Weltweit Erstplatzierter ist Deutschland immer noch bei der installierten Gesamtleistung mit 38,2 Gigawatt vor China mit 28,1 GW und Japan mit 23,3 GW. Die Wachstumsraten in Deutschland werden nach Auskunft von Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar), in den kommenden Jahren deutlich geringer ausfallen als in den anderen Boommärkten –allein wegen der Größe des Marktes.

Rekorde erzielt Deutschland dagegen bei der Einspeisung des Solarstroms ins Netz. Am 15. April lag die hierzulande ins Netz eingespeiste Leistung bei mehr als 25 GW. Mit der Senkung der Einspeisevergütung wird jedoch für viele Solarstromproduzenten der Eigenverbrauch immer wichtiger. Infolgedessen wachsen natürlich auch die Investitionen in Energiemanagement und Speichertechnik, denn Verbrauch und Produktion halten sich nicht immer die Waage. "Der Eigenverbrauch ist inzwischen Rendite- und Techniktreiber", sagt Körnig.

Solarbranche setzt große Erwartungen in die Speichertechnik

Dass sich die Speichertechnik ebenfalls langsam am Markt etabliert, lasse sich, so Körnig, an den in den vergangenen Jahren installierten Speichern ablesen. Waren es 2012 noch weniger als 2.500 Speicher, lag die Menge 2014 bei 10.000. Für 2015 rechnet der BSW-Solar mit 20.000 Speichern. Den weltweiten jährlichen Zubau schätzen Marktforschungsinstitute auf 10 GWh im Jahr 2020. Zum Vergleich: In Deutschland waren im vergangenen Jahr 0,1 GWh installiert.

Die Speichertechnik bildet deswegen mit der EES Europe (Electrical Energy Storage) auch einen Messeschwerpunkt. Stellten im vergangenen Jahr noch 48 von 258 Ausstellern Energiespeichertechnik aus, ist es in diesem Jahr mit 158 von 326 Ausstellern knapp die Hälfte. Die Ausstellungsfläche wurde verfünffacht. Der größte Teil der EES-Aussteller kommt aus Deutschland, das in diesem Bereich derzeit technologischer Vorreiter ist. Vor allem auch von Seiten der Autoindustrie erwartet die Solarbranche hier weitere Investitionen.

Dresdner Hersteller strebt Marktführerschaft an

Maßstäbe will in diesem Bereich der Dresdner Systemhersteller Solarwatt setzen. Der Komplettanbieter im Solarstrombereich bietet einen Stromspeicher mit 4,4 kWh Kapazität zum Preis von 5.499 Euro an. Das System "MyReserve“"sei ein Meilenstein, kündigten die Firmenchefs am ersten Messetag vollmundig an. Nicht nur der Preis sei unschlagbar, auch die anderen Kennzahlen seien bei anderen Systemen am Markt so noch nicht verfügbar, etwa in Sachen Kompatibilität. Anders als vergleichbare Systeme sei "MyReserve" mit allen gängigen PV-Wechselrichtern zu kombinieren. Immerhin erhielt das System von Solarwatt einen der EES-Awards am Eröffnungstag der Intersolar.

Der Gesamtwirkungsgrad liege außerdem bei 93 Prozent. Lege man eine 15-jährige Nutzungsdauer für die Speichermodule zugrunde, ergebe sich ein Preis von 0,24 Euro pro kWh – inklusive aller Installations- und Investitionskosten, der damit unter dem Preis aus dem öffentlichen Stromnetz liege. Solarwatt strebt mit dem neuen Produkt die Marktführerschaft an, mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent bis Ende 2017.

Bei der Jury des jährlich auf der Intersolar vergebenen EES-Award konnte Solarwatt jedenfalls schon mal punkten. "MyReserve" erhielt einen der drei begehrten Preise. Das Fazit der Jury: "Das System besticht mit seiner hohen Energieeffizienz und einem bemerkenswerten Sicherheits- und Integrationskonzept."