Bildungsstudie Jeder siebte junge Erwachsene ohne Berufsabschluss

Die Bundesregierung ist in Sachen Bildung noch weit davon entfernt, ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen: Zu viele junge Erwachsene sind ohne abgeschlossene Berufsausbildung, viele Schulabgänger ohne Abschluss, kritisiert ein Bildungsforscher.

Viele Ziele des Bildungsgipfels aus dem Jahr 2008 werden verfehlt, das zeigt eine Studie. - © Foto: Robert Kneschke/Fotolia

Im Jahr 2008, genauer gesagt beim damaligen Bildungsgipfel, hatte sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, die Zahl der jungen Erwachsenen ohne Berufsausbildung und der Schulabgänger ohne Abschluss bis 2015 zu halbieren. Zudem sollte es Fortschritte bei der Weiterbildung geben, bei der Zahl der Studienanfänger und beim Ausbau der Krippenplätze.

Vieles davon sei bis heute noch weit davon entfernt zu werden, kritisiert nun eine neue Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), über die die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Demnach ist aktuell rund jeder siebte junge Erwachsene (20- bis 29-Jährige) in Deutschland ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Exakt waren es nach den jüngsten Zahlen 13,8 Prozent im Jahr 2013. Damit ist laut Klemm die geplante Halbierung auf 8,5 Prozent nicht absehbar.

Neuer Bildungsgipfel gefordert

Auch die Halbierung der Quote der Schulabgänger ohne Abschluss von damals acht auf vier Prozent bis 2015 ist nicht in Sicht. Sie lag zuletzt bei 5,7 Prozent. Die DGB-Vizechefin Elke Hannack fordert deshalb von der Regierung einen neuen Bildungsgipfel.

Nachbesserungsbedarf zeigt die Studie auch beim Ausbau der Krippenplätze für unter Dreijährige. Er lag mit 32,3 Prozent 2013/14 unterhalb der anvisierten 35-Prozent-Marke. Westdeutsche Länder liegen mit 27,4 Prozent deutlich darunter.

Doch es gab auch Fortschritte. Bei der Weiterbildung wurde die anvisierte Quote von 50 Prozent bereits 2012 fast erreicht. Schon damals lag sie bei 49 Prozent. Abgehängt bei der Beteiligung an Weiterbildungen seien aber ausgerechnet Arbeitslose, Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sowie Menschen mit Migrationshintergrund, schleißt hierbei eine Kritik an.

Das Ziel, die Quote der Studienanfänger auf 40 Prozent zu erhöhen, wurde laut der Erhebung mit zuletzt 57,5 Prozent dagegen sogar weit übertroffen. Dem für 2015 gesetzten Ziel der Steigerung der öffentlich und privat getragenen Bildungs- und Forschungsausgaben auf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sei Deutschland im Jahr 2012 auf bis zu 9 Prozent nahe gekommen.

Neue Anstrengungen nötig

Dass die eigentlichen Ziele bislang verfehlt wurden, will die Bundesregierung nicht eingestehen.  In vielen Bildungsbereichen gebe es Fortschritte, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) pocht darauf, dass der Bildungsgipfel 2008 einen enormen Schub gebracht habe, wie ein Sprecher sagte. Er verwies zudem darauf, dass es noch keine Zahlen für 2015 gebe. Auch die Kultusministerkonferenz betonte, dass es in vielen Bereichen deutliche Verbesserungen gegeben habe, auch noch nicht erreichte Ziele seien teils in Reichweite. "Gleichwohl ist zutreffend, dass es weiterer Anstrengungen bedarf", räumte ein Sprecher ein. dpa