Seit Sommer 2014 müssen Banken Strafzinsen auf ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank zahlen - nun zeigt sich: Die ersten Kreditinstitute geben sie an ihre Kunden weiter. Die Commerzbank ist die erste große Bank in Deutschland, die diesen Schritt ankündigt. Was Betriebsinhaber jetzt tun sollten.

Als erste Großbank in der Euro-Zone plant die Commerzbank, die Einlagen großer Firmenkunden mit Strafzinsen zu belegen. Davon hatte das Wall Street Journal erfahren, ein Sprecher bestätigte nun die Gerüchte. Demnach will die Commerzbank die Gebühr bereits im Dezember einführen.
"Betroffen davon sind kurzfristige Anlagen, in denen Großkonzerne große Mengen an Geld parken", sagte Martin Halusa, Sprecher der Commerzbank, gegenüber der Deut schen Handwerks Zeitung. Los gehe es bei Großkonzernen mit einem Jahresumsatz von 250 Millionen Euro. Die Höhe der Gebühr soll individuell festgelegt werden. Ge schäfts- und mittelständi sche Firmenkunden seien von den Negativzinsen nicht betroffen, heißt es.
Reaktion auf Zinspolitik der EZB
Bei der Erhebung der Guthabengebühren will die Commerzbank jedoch Rücksicht auf Liquiditätsbestände der Kunden nehmen, die für den laufenden operativen Ge schäftsbetrieb notwendig sind. "Gebühren erheben wir nur, wenn wir die Kunden nicht dazu bewegen können, sich beispielsweise für Festgeldanlagen oder Investitionen zu ent scheiden", so Halusa weiter. "Im Falle kurzfristiger Einlagen zeigen wir unseren Kunden geeignete alternative Anlagemöglichkeiten für ihre über schüssige Liquidität auf."
Damit reagiert die Commerzbank auf die Zinspolitik der Europäi schen Zentralbank (EZB), die seit dem Sommer 2014 Negativzinsen auf Einlagen von Banken verlangt. "Wir geben die Negativzinsen nun an unsere Kunden weiter", begründete der Sprecher die Ent scheidung.
Negativzinsen könnten ausgeweitet werden
Zwar sind kleine und mittelständi sche Betriebe derzeit noch nicht von solchen Strafzinsen betroffen. "Doch Banken müssen einen sicheren Gewinn machen. Bei der derzeitigen Finanzpolitik der EZB könnten Negativzinsen in Zukunft auch auf kleine Ge schäfts- und Privatkunden zukommen", meint Marco Richter, unabhängiger Finanzberater. Das, was man bei der Commerzbank nun sehe, sei nur die Spitze des Eisbergs.
Seit 1. November 2014 erhebt bereits die Deut sche Skatbank Negativzinsen von 0,25 Prozent für Guthaben auf Tagesgeldkonten die größer sind als 500.000 Euro und Guthaben auf Girokonten von mehr als zwei Millionen Euro. Und wie der Fernsehsender n.tv nun erfahren haben will, bereitet auch die Deut sche Bank einen entsprechenden Schritt vor. Ein Sprecher der Bank dementierte das jedoch und ließ verlauten, dass die Bank derzeit nicht plane im breiten Kundenge schäft Gebühren auf Einlagen zu erheben.
Fonds als Alternative
Verlassen sollte man sich auf solche Aussagen nicht. "Betriebsinhaber müssen sich jetzt strukturiert an schauen, welchen Teil ihres Geldes sie für das laufende Ge schäft brauchen. Den Rest sollten sie anderweitig anlegen", rät Richter. Geeignet seien dafür vor allem Fonds mit Laufzeiten von drei bis vier Jahren .
"Es gibt in Deut schland etwa 12.000 Fonds, davon etwa 1.000 qualitativ gute", sagt der Finanzberater. "Handwerker sollten sich an unabhängige Vermögensverwalter wenden und sich umfangreich beraten lassen."
Mit einzelnen Aktien zu arbeiten sei hingegen sehr kompliziert. "Damit tun sich sogar die Vermögensverwalter schwer", so Richter. Doch auch für Fonds gelte: "Ohne Risiko kein Ertrag." sch