Nach dem Spitzengespräch ist vor dem Spitzengespräch. In München traf sich Angela Merkel mit den Spitzen der Deutschen Wirtschaft. Man habe einen intensiven Dialog geführt, sagte die Bundeskanzlerin. Bei vielen Themen müssten aber weitere Gespräche folgen.
Daniela Lorenz

"Es war ein konstruktives Gespräch. Wir haben die Themen angesprochen, die uns Sorgen machen", fasste Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, das anderthalbstündige Gespräch zusammen. Man hoffe, bei einigen Themen noch ein Korrektiv einziehen zu können. Dies betreffe die Themen Rente mit 63, Mindestlohn und Energiepolitik.
In einer Erklärung fordern die Spitzenverbände ZDH, DIHK, BDI und BDA einen europäischen Energiebinnenmarkt mit einer gemeinsamen Energieinfrastruktur, die Überschüsse und Defizite in der Stromproduktion grenzüberschreitend ausgleiche. Auch die abschlagsfreie Rente mit 63 setze ein falsches Signal. Vielmehr müssten flexible Übergänge in die Rente geschaffen werden, etwa durch bessere Bedingungen für die Teilrente.
Energiepolitik europaweit abstimmen
"Die Energiepolitik ist zentral für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft", betonte die Kanzlerin beim Treffen in München. In der nächsten Woche werde sie sich mit anderen europäischen Staats- und Regierungschefs über die Zukunft der Industrie in Europa beraten. Sie werde sich sehr dafür einsetzen, dass Deutschland in der Energiepolitik die richtigen Rahmenbedingungen setzen könne - wie die Befreiung der energieintensiven Unternehmen von der EEG-Umlage.
"Wir arbeiten an verlässlichen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, weil wir wissen, nur durch die Wirtschaft ist die große Zahl an Arbeitsplätzen entstanden", sagte die Bundeskanzlerin.
Beim Thema Mindestlohn verweist Merkel auf Bundesarbeitsministerin Nahles, die hier den Branchendialog führe. "Wir haben uns dazu verpflichte, um Fehlanreize zu vermeiden", sagt die Kanzlerin und fügte dann hinzu, dass es für grundsätzliche Aussagen dazu noch zu früh sei.
Auch über die Stärkung der dualen Ausbildung wurde gesprochen. Bestimmte Standards müssten gewährleistet sein, wenn sich die duale Ausbildung auch als Zukunftsprojekt für Europa durchsetzen soll. "Wir müssen die Qualitätsstandards in der Ausbildung halten. Wir brauchen noch mehr Qualität und nicht weniger Qualität", sagte Wollseifer.
Spitzengespräch: feste Tradition zur IHM
Die Position des Handwerks gegenüber der Kanzlerin vertrat ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, in dieser Position erstmals Gastgeber in München. Auch die restliche Teilnehmerrunde am Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft anlässlich der Internationalen Handwerksmesse war fast komplett neu.
Einzig Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, hatte seine Premiere bereits im vergangenen Jahr. Zum ersten Mal saßen hingegen Erich Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, und Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, mit am Tisch.
"Das Spitzengespräch ist nicht nur feste Tradition, es ist auch von großer Bedeutung, dass die vier Spitzenverbände sich mit der Bundeskanzlerin austauschen und den Blick der Wirtschaft an die Kanzlerin herantragen können", unterstreicht Heinrich Traublinger, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, die Bedeutung des Dialogs.
Im Anschluss an das Spitzengespräch besuchte Angela Merkel die Messehallen der Internationalen Handwerksmesse und informierte sich am Stand der Firma Lex Werkzeug- und Vorrichtungsbau, Präzisionsmechanik aus Miesbach.