Die Bundesrepublik braucht Zuwanderung – auch aus Rumänien und Bulgarien. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft zahlt sich der Zuzug von Menschen aus den beiden Ländern bereits aus. Auch Arbeitgeberverband und Deutscher Gewerkschaftsbund warnen davor, mit der Debatte um Armutszuwanderung Ausländer abzuschrecken.

Deutschland profitiert unter dem Strich von der Zuwanderung – auch aus Rumänien und Bulgarien. Das unterstreicht eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Begriffe wie "Armutszuwanderung", die in der von der CSU angestoßenen Debatte um die Arbeitnehmerfreizügigkeit für die beiden Länder verwendet werden, seien daher unsachlich, so das IW.
Denn Deutschland sei auf die Zuwanderung angewiesen: Bis 2030 wird sich die Zahl der Fachkräfte hierzulande demografiebedingt ? umgerechnet in Vollzeitstellen ? um 2,4 Millionen verringern. Dabei ist eine Zahl von netto 100.000 Zuwanderern pro Jahr bereits eingerechnet.
IW: Zuwanderung stabilisiert Rentenkasse
Nach der Studie wirkt sich der Zuzug von Ausländern auch aus armen Ländern wie Rumänen und Bulgarien positiv auf den Arbeitsmarkt aus: So mildere die Zuwanderung die negativen Effekte des demografischen Wandels, wirke also dem Fachkräftemangel entgegen und stärke damit die Wirtschaftskraft Deutschlands.
Denn entgegen dem Bild, das durch die Debatte um Armutszuwanderung entsteht, kamen in den vergangenen Jahren laut der Untersuchung überdurchschnittlich viele Akademiker aus Rumänien und Bulgarien nach Deutschland. Rund 25 Prozent der Zuwanderer aus den beiden Ländern hatten einen Hochschulabschluss - unter Einheimischen sind es nur 19 Prozent.
Die Zuwanderung stabilisiere daher die Renten,- Kranken,- und Pflegeversicherung: Denn 42 Prozent der zugewanderten Menschen seien sozialversicherungspflichtig beschäftigt, während ihr Anteil unter den in Deutschland geborenen nur 35,5 Prozent beträgt. Da vor allem Jüngere zuziehen und nur vier Prozent bereits im Rentenalter seien, profitierten davon sowohl die Rentenkasse als auch die Krankenversicherungen.
Debatte der Realität angemessen führen
Um die Debatte um die Zuwanderung zu entschärfen meldeten sich nun auch Arbeitgeberverband und der Deutsche Gewerkschaftsbund in einer gemeinsamen Erklärung zu Wort. In dem Appell an die neue Bundesregierung, aus dem die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitiert, warnen Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer und der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, dass die bisher geführte Debatte die antieuropäische Stimmung verschärft und dringend benötigte Zuwanderer abschrecke.
Die Diskussion müsse stattdessen verantwortungsbewusst geführt werden und der Realität angemessen sein. Mit "übertriebenen Befürchtungen über massenhafte Zuwanderung in die Sozialsysteme" verpasse man die Chance, ausländischen Fachkräften zu zeigen, "dass sie in Deutschland willkommen sind und dringend benötigt werden", heißt es in dem von Kramer und Sommer unterzeichnetem Papier.
Nach aktuellen Schätzungen ist die Nettozuwanderung 2013, nach der Rekordeinwanderung im Jahr 2012, nochmals auf mehr als 400.000 Personen gestiegen. Deutschland habe aber beim Wettbewerb um ausländische Fachkräfte noch Nachholbedarf, so das IW. Da auch in anderen Staaten der demografische Wandel voll im Gange sei und es zu Fachkräfteengpässen komme, müsse die Bundesrepublik künftig mehr um Zuwanderer werben und eine Willkommenskultur etablieren. sch