Am 5. Dezember wurde der neue Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks gewählt. Drei Kammerpräsidenten hatten sich beworben. Im Vorfeld der Wahl haben sie einen Fragebogen der Deutschen Handwerks Zeitung beantwortet.

Franz Prebeck
Franz Prebeck (64) ist Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Er hat Werkzeugmacher gelernt, studierte im Fachbereich Stahlbau und leitet heute die Prebeck GmbH Stahl- und Anlagenbau in Bogen als geschäftsführender Gesellschafter.
Herr Prebeck, warum treten Sie für das höchste Amt im Handwerk an?
Prebeck: Viele Kollegen haben mich aufgefordert zu kandidieren. Ich will das Handwerk zukunftssicher aufstellen. "Handwerk bringt dich überall hin. Entdecke die spannendsten Arbeitsplätze", sagt unsere Imagekampagne treffend. Vom Werkzeugmacher-Lehrling wurde ich zum Unternehmer – eine Karriere, die für mich nur im Handwerk möglich war. Deshalb möchte ich mein Engagement und meine Erfahrung an das Handwerk zurückgeben.
Was sind Ihre drei größten Erfolge fürs Handwerk bisher?
Prebeck: Als persönlichen Erfolg verbuche ich die Tatsache, dass wir in der Prebeck Stahlbau GmbH bis jetzt rund 120 Lehrlinge ausgebildet haben. Für acht meiner Mitarbeiter war ich Vorbild. Denn sie sind selbst Unternehmer geworden. Die EU-Erweiterung haben wir in unserer Kammer aktiv begleitet. Wettbewerbsverzerrungen blieben so für unsere Handwerker aus. Im Gegenteil: Wir haben vage Ängste in konkrete Marktchancen umgewandelt! Und zum Dritten leben wir in unserer Kammer den Verbund mit den Innungen und Verbänden. Zum Wohl unserer Handwerker bieten wir insbesondere viele Bildungsangebote gemeinsam an.
"Wir müssen um alle Talente im Handwerk werben"
Welche drei wichtigsten Themen möchten Sie angehen, wenn Sie gewählt werden?
Prebeck: Erstens Bildung: Wir werben um alle Talente im Handwerk. Auch um die, die bis jetzt ihre Erfüllung an den Hochschulen gesucht haben. Wir brauchen nicht nur gut ausgebildete und talentierte Gesellen, sondern auch hochqualifizierte Nachfolger für unsere Betriebe sowie mutige Unternehmensgründer.
Zweitens Handwerksorganisation: Der ZDH bündelt viele handwerkspolitische Stimmen. Das ist positiv. Mein Credo für die Zukunft des ZDH lautet: "Nach innen differenzieren – aber nach außen mit einer starken Stimme sprechen."
Drittens Europa: Auch hier müssen wir unsere Kräfte bündeln, damit unser "Modell Handwerk" der Maßstab für den europäischen Mittelstand wird. Deshalb setzte ich auf eine intensive Lobbyarbeit des ZDH in Brüssel.
Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf für die nächste Bundesregierung?
Prebeck: Ich fordere, dass die Bundesregierung die Handwerksunternehmer mit persönlicher Haftung in den Mittelpunkt stellt. Dazu gehören eine mittelstandsfreundliche Steuerpolitik sowie die Rücknahme der Vorfälligkeit von Sozialversicherungsbeiträgen. Dringend notwendig ist auch ein realistischer Masterplan für die Energiewende. Die Bundesregierung muss nicht an der Einnahmen-, sondern an der Ausgabenschraube drehen.
Seite 2: Der zweite Kandidat: Rainer Reichhold. >>>
Rainer Reichhold
Rainer Reichhold (55) ist Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart. Er machte seinen Meister zum Elektroinstallateur und einen Abschluss als Betriebswirt des Handwerks. Er ist geschäftsführender Gesellschafter von Elektro Nürk in Nürtingen.
Herr Reichhold, warum treten Sie für das höchste Amt im Handwerk an?
Reichhold: Weil es spannend und herausfordernd ist, das Handwerk als Zentrum der deutschen Wirtschaft zu positionieren. Fürs Elektrohandwerk durfte ich das als Mitglied des wirtschaftspolitischen Ausschusses des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) tun. In den neun Jahren als Kammerpräsident habe ich eine große Leidenschaft dafür entwickelt, das Handwerk in seiner Gesamtheit zu vertreten und voranzubringen. Mit diesem Elan trete ich an.
Was sind Ihre drei größten Erfolge fürs Handwerk bisher?
Reichhold: Ende der 90er Jahre habe ich ein webbasiertes Kommunikationssystem im Elektrohandwerk vom Zentralverband bis hin zu allen Innungen angestoßen. In Innungsversammlungen konnte ich alle mitnehmen und so das Projekt zum Erfolg führen. Damit Handwerksorganisationen effizient arbeiten, haben wir die Vorgabe der Handwerksordnung „ein Landkreis, eine Innung“ durch Fusion von zahlreichen Innungen im Kammerbezirk erfüllt. In der Handwerkskammer wurde ein kontinuierlicher Optimierungsprozess eingeführt. Hierbei entwickelten wir uns von einem ordentlichen Dienstleister zu echter Service-Exzellenz.
"Wir brauchen Entlastung bei Steuern und Bürokratie"
Welche drei wichtigsten Themen möchten Sie angehen, wenn Sie gewählt werden?
Reichhold: Wichtig ist, den Meister als Leitbild und Inbegriff unseres Handwerks herauszustellen. Der Meister-Vorbehalt ist ja nicht Hürde, sondern Katalysator. Er befähigt zur Unternehmensgründung und zu höchster Ausbildungsleistung. Die gesamte Handwerksorganisation, von Berlin bis zur Innung vor Ort, sollte einen Schub zur weiteren Modernisierung mit mehr Transparenz, Offenheit und Attraktivität bekommen. Wir müssen uns dem Wandel stellen und deutlich mit einer Stimme sprechen. Bei der Energiewende müssen wir unsere Konzepte und unsere Gestaltungsmacht einsetzen. Nur mit dem Handwerk lässt sie sich dezentral erfolgreich umsetzen – wir sind näher am Verbraucher dran als die großen Energieversorger.
Wo sehen Sie Handlungsbedarf für die nächste Bundesregierung?
Reichhold: Im Schulterschluss mit dem Handwerk muss den wieder von der EU kommenden Tendenzen zur "Deregulierung", also der weiteren Aufweichung des Meistervorbehalts, entgegengetreten werden. Wichtig sind auskömmliche Rahmenbedingungen für die Selbstständigkeit. Wir brauchen eine Entlastung bei Steuern, Abgaben und Bürokratie und eine pragmatische Politik, die frei von ideologischen Festlegungen ist.
Seite 3: Der dritte Kandidat: Hans Peter Wollseifer . >>>
Hans Peter Wollseifer
Hans Peter Wollseifer (58) ist Präsident der Handwerkskammer zu Köln. Er ist Maler- und Lackierermeister und gründete in seiner Laufbahn mehrere Firmen im Bereich Wohnungswirtschaft und Bau. Mit seinem heutigen Betrieb ist er in der Gebäudesanierung tätig.
Herr Wollseifer, warum treten Sie für das höchste Amt im Handwerk an?
Wollseifer: Ich möchte das deutsche Handwerk in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft kraftvoll positionieren, damit es in Zukunft noch mehr die Wertschätzung erfährt, die ihm aufgrund seiner Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Ausbildungsstärke zusteht. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist meiner Überzeugung nach meine parteipolitische Unabhängigkeit.
Was sind Ihre drei größten Erfolge fürs Handwerk bisher?
Wollseifer: a) Wir haben in den Kommunen unseres Kammerbezirks die Anhebung der Wertgrenzen für beschränkte Ausschreibungen erreicht, das stärkt Handwerksbetriebe bei der Vergabe öffentlicher Aufträge.
b) Die Handwerkskammer zu Köln
fördert die Integration junger Ausländer durch Kooperation mit ausländischen Multiplikatoren – durch eine
eigene Ausbildungsvermittlung sowie durch viersprachige Ausbildungsbörsen.
c) In Köln gibt es das von uns entwickelte triale Studium, das die Berufsausbildung, den Meisterlehrgang und einen Bachelor-Studiengang kombiniert, das ist ein innovatives Angebot für leistungsstarke junge Menschen.
"Wir brauchen eine bezahlbare Energiepolitik"
Welche drei wichtigsten Themen möchten Sie angehen, wenn Sie gewählt werden?
Wollseifer: a) Ich möchte die duale
Organisationsstruktur unserer Wirtschaftsgruppe erhalten und fördern. Gemeinsam sind Kammern auf der einen und Verband, Kreishandwerkerschaft, Innung auf der anderen Seite ein starkes Team. Zudem sind mir der Interessenausgleich von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie die Einbindung von Frauen wichtig.
b) Ich will mich in Brüssel für den Erhalt der dualen Ausbildung und des Meisterbriefs einsetzen und in Berlin als Ratgeber für die demografische Entwicklung und Fachkräftesicherung einbringen.
c) Die ehrenamtlichen Strukturen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks möchte ich modernisieren, Verantwortlichkeiten zuordnen, netzwerkorientiert und integrativ führen.
Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf für die nächste Bundesregierung?
Wollseifer: Steuererhöhungen und neue Abgaben müssen vermieden werden, die kalte Progression ist abzuschaffen. Wir brauchen eine bezahlbare Energiepolitik, die die moderne Energietechnik des Handwerks und private Energieeffizienz-Investitionen fördert. Bei der Finanzierung der Sozialsysteme dürfen lohnintensive Betriebe nicht benachteiligt werden. Die Vorfälligkeit der Sozialbeiträge ist rückgängig zu machen.


