Wohnen in Deutschland ist teuer. In den Großstädten ist bezahlbarer Wohnraum kaum noch zu finden. Das stellt auch die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht vor. Von Mietpreisbremsen halten die Banker allerdings wenig.

Die Bundesbank spricht sich in ihrem kürzlich veröffentlichten Monatsbericht gegen eine Mietpreisbremse aus. Vor allem in den großen Ballungszentren fehle es an Mehrfamilienhäusern und Geschosswohnungen. Der Bau solcher Objekte würde aber nur dann ansteigen, wenn Investoren von der Wohnraumvermietung eine ausreichende Rendite erwarten könnten.
Gegenüber der Online-Ausgabe des "Tagessspiegel" betont die Bundesbank: "Die Begrenzung von Mietsteigerungen ist vor diesem Hintergrund kontraproduktiv."
Befürchtungen von Preisboom
Allerdings räumt die Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht ein, dass Wohnungen in den großen Ballungszentren zu teuer sind. Für Immobilien seien in der vergangenen Zeit Preise verlangt und auch gezahlt worden, die nicht von längerfristigen demographischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren gedeckt seien und sich "fundamental nur noch schwer rechtfertigen lassen."
Die Bundesbank hat den Zeitraum von 2010 bis 2013 in einer eigenen Studie untersucht. In dieser Zeit hätten sich die Geschosswohnungen um mehr als ein Viertel verteuert. Die Preissteigerungen lassen Befürchtungen "hinsichtlich eines breit angelegten Immobilienpreisbooms aufkommen", betont die Notenbank.
Deutscher Immobilienmarkt attraktiv für ausländische Inverstoren
Insbesondere Wohnungen in München, Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Stuttgart sind nach Einschätzung der Bundesbank um bis zu zwanzig Prozent überbewertet. Auch für die Immobilienmärkte kleinerer Städte betragen die ungedeckten Abweichungen nach oben zwischen fünf und zehn Prozent. Die Bundesbank spricht von klaren Hinweisen für eine Ausbreitung ins Umland.
Dem Bericht zufolge ist die hohe Immobiliennachfrage Auslöser für den Preisanstieg. Der deutsche Immobilienmarkt sei in den vergangenen Jahren immer interessanter für internationale Investoren geworden. Durch die gesunkenen Erträge von Finanzanlagen hätten Immobilieninvestitionen darüber hinaus an Attraktivität gewonnen.
Keine Blasengefahr
Eine Spekulationsblase sehen die Bundesbanker aber nicht. "Substanzielle Übertreibungen am Immobilienmarkt als Ganzem" seien nicht zu erkennen. Kurzfristig ist mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen. Ausgenommen davon sind Einfamilienhäuser. Laut der Notenbank hätten sie sich in den Großstädten als auch im Umland nicht wahrnehmbar vom gerechtfertigten Niveau entfernt. Auch bestehe kein gesamtwirtschaftliches Risiko, da der Umfang der ausgegebenen Immobilienkredite seit 2010 nur moderat gewachsen sei. Die Vergabestandards seien in dieser Zeit eher verschärft worden.
Damit unterscheidet sich die Lage in Deutschland fundamental vom künstlich mit unsicheren Krediten aufgeblähten US-Immobilienmarkt des Jahres 2008, dessen Zusammenbruch eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst hatte. Das allgemein gestiegene Interesse an Immobilien begründen die Notenbanker mit dem niedrigen Zinsniveau, verstärktem Interesse ausländischer Investoren, neuer Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung und fehlenden Alternativanlagen.
In den vergangenen drei Jahren seien die Immobilienpreise nach Angaben der BulwienGesa AG im Schnitt um 2,75 Prozent angestiegen. Zuvor hatten die Preise anderthalb Jahrzehnte lang stagniert. cle