Das Aus für die günstige Korridorvignette durch den Pfändertunnel scheint besiegelt. Und nicht nur das: Auch Reisende Richtung Kufstein sollen künftig für fünf Kilometer die teurere 10-Tages-Vignette kaufen. Die Anwohnergemeinden fürchten zudem Verkehrschaos auf ihren Landstraßen. Anlass zum Streit zwischen Österreich, Bayern und Autobahnbetreiber Asfinag.

Bayern, Österreich und die Maut – das ist Anlass zum Konflikt: Zum 4. Juli wird der österreichi sche Autobahnbetreiber Asfinag die Korridorvignette durch den Pfändertunnel ab schaffen. Reisende oder Pendler in Richtung Schweiz, die die rund 23 Kilometer zwi schen Hörbranz und Hohenems auf der A14 Rheintal-Autobahn befahren möchten, müssen sich daher künftig mindestens eine 10-Tages-Vignette kaufen.
Statt bisher zwei Euro für die Korridorvignette zahlen Autofahrer, die auf dem Autobahnstück unterwegs sind, dann 8,30 Euro. Die offizielle Begründung der Autobahnbetreiber: Der Grund für Sonderregelung entfalle durch die Freigabe der zweiten Pfändertunnel-Röhre am 30. Juni.
Politiker kämpfen für Erhalt der Korridorvignette
Doch darüber ist nun ein politi scher Streit entfacht. Denn die Gemeinden im Umkreis rechnen durch die Maut mit einer Überlastung der Landstraßen, wenn Autofahrer sich die Maut sparen. Seit der Ankündigung der Asfinag im Frühjahr kämpfen Regionalpolitiker in Deut schland und Österreich daher für den Erhalt der Korridorvignette.
Der Lindauer Landrat Elmar Stegmann (CSU) bezeichnete die Maut sogar als "staatlich lizensierte Wegelagerei". Dass Autofahrer Richtung Schweiz nun ein 10-Tages-Vignette kaufen müssen, komme ihm vor, "als wenn man ein Glas Milch trinken möchte und statt einem Beutel Milch gleich die ganze Kuh kaufen muss".
Bisher keine Unterstützung aus Österreich
Auch der bayeri sche Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) schaltete sich in den Konflikt ein und bat den österreichi schen Außenminister, Michael Spindelegger, um Unterstützung. Spindelegger sagte zu, dass Begleitmaßnahmen ergriffen werden, um die umliegenden Gemeinden vor einer Verkehrsüberlastung zu schützen. "Wir hatten die Rückmeldung aus Wien, dass man für Gespräche auf uns zukommen wird. Doch noch ist nichts passiert", sagt eine Sprecherin des Landratsamtes Lindau.
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"Das Anbringen von Hinweis schildern, die deutlich machen, dass eine Fahrt durch den Pfändertunnel erheblich schneller ist als am See entlang, ist nicht ausreichend", schimpft Stegmann indessen über eine angedachte Maßnahme der österreichi schen Regierung.
Im Winter Mautkontrollen schon ab Kiefersfelden
Und die Autobahnbetreiber bieten Stoff für weiteren Ärger: Pünktlich zum Beginn der Ski-Saison sollen vom 1. Dezember an auch Urlauber auf dem Weg in die Ski-Gebiete in Kitzbühel oder am Wilden Kaiser für die fünf Autobahnkilometer von Kiefersfelden bis zur Ausfahrt Kufstein-Süd eine Vignette kaufen. Denn dort will das staatliche Unternehmen Mautkontrollen einführen, die es bisher erst ab Kufstein-Süd gab.
Laut dem Autobahnbetreiber sei diese Sonderlösung durch den Wegfall der Korridor-Vignette am Pfändertunnel nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Gutachten über Verkehrsaufkommen geplant
Doch die grenznahen Gemeinden in Tirol und Bayern wehren sich dagegen. In einem offenen Brief wendeten sich der Rosenheimer Landrat Josef Neiderhell (CSU), der Tiroler Bezirkshauptmann Christian Bidner und Euregio-Präsident Walter J. Mayr an die österreichi sche Verkehrsministerin: Die Erhebung der Maut hätte "absehbar negative Folgen für die Verkehrssituation bayeri scher und Tiroler Gemeinden und das gesamte mautfreie, niederrangige Straßennetz", heißt es darin.
Beide Seiten werden nun Gutachten in Auftrag geben, um zu erfahren, wie sich die Maut tatsächlich auf die Verkehrssituation auswirken würde. Der Kiefersfeldener Bürgermeister Erwin Rinner (CSU) kündigte indessen an, alles zu versuchen, die Mautkontrollen auf diesem Ab schnitt auf politi schem Wege abzuwenden. sch