Das zweitgrößte Bauunternehmen Österreichs steht vor dem Aus. Trotz zahlreicher Rettungsversuche musste die Alpine Bau GmbH nun Insolvenz beantragen. Der geschätzte Schaden: 2,6 Milliarden Euro – und damit die größte Pleite in der Geschichte Österreichs. Doch ein Teil der Angestellten kann auf Rettung hoffen.

Alpine Bau ist pleite. Nach monatelangen Rettungsversuchen stellte der österreichi sche Bauriese am Handelsgericht in Wien jetzt einen Antrag auf Insolvenz. Die 6.500 Be schäftigten des Unternehmens müssen nun um ihren Arbeitsplatz bangen.
Schaden von 2,6 Milliarden Euro
Alpine Bau ist das wichtigste Unternehmen der Alpine Holding Gruppe, die insgesamt 15.000 Mitarbeiter hat. Der Baukonzern war unter anderem an Großprojekten wie der Münchner Allianz Arena, ver schiedenen EM-Stadien in Österreich und Polen sowie am Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 beteiligt.
Der Schaden, den die Insolvenz verursacht, beläuft sich nach vorläufigen Schätzungen auf 2,6 Milliarden Euro. Die Summe ergibt sich aus 1,7 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten sowie 850 Millionen Euro Garantien und Haftungen. Allein mit 290 Millionen Euro steht Alpine Bau bei Anleihegläubigern in der Kreide. Das wäre eine der größten Pleiten in der Ge schichte Österreichs.
Ein Teil der Arbeitsplätze soll jedoch mit Hilfe eines Konzepts, das Restrukturierungsberater ausgearbeiteten haben, gerettet werden. Ob die 200 ausländi schen Tochtergesell schaften von Alpine Bau nun ebenfalls Insolvenz anmelden müssen, ist noch nicht klar. Die Alpine Bau Deut schland AG ist weiterhin solvent. Tausende Handwerker in Deut schland arbeiten mit dem Unternehmen zusammen.
Rettungspläne scheiterten
Nur wenige Stunden nach dem Insolvenzantrag meldete der Wettbewerber Porr bereits Interesse an Unternehmensanteilen an – jedoch nur in Österreich. "Wir könnten Aufträge und bis zu 4.500 Mitarbeiter übernehmen", sagte Porr-Chef Karl-Heinz Strauss gegenüber dem Radiosender Ö1. An Auslandstöchtern sei Porr jedoch nicht interessiert.
Alpine Bau ist bereits seit Jahren wegen Verzögerungen bei wichtigen Projekten und der schleppenden Baukonjunktur in finanziellen Schwierigkeiten. Ein Rettungsplan im März 2013 war gefloppt. Die spani sche Mutter FCC hatte 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und Gläubiger hatten auf Forderungen in Höhe von 150 Millionen Euro verzichtet. Doch der geplante Verkauf einiger Tochterfirmen, von dem man sich einen Erlös von mehreren Hundert Millionen Euro erhoffte, lief nicht wie geplant.
Nachdem Gespräche über ein neues Rettungspaket scheiterten, war Alpine Bau nun gezwungen Insolvenz anzumelden. Das Unternehmen hat Kredite bei ver schiedenen Banken, unter anderem bei der Bank Austria und Erste Group. Auch der Staat Österreich haftet mit 150 Millionen Euro für den Baukonzern. Offen ist, in wie weit alle ausstehenden Forderungen bedient werden müssen. sch