Viele prominente Gäste beim deutsch-französischen Kammertreffen in Dresden: Außenminister Guido Westerwelle und andere Politiker hoben den Stellenwert des Handwerks hervor. Entscheidend für die Zukunft: eine vernünftige Bildungs- und Familienpolitik.
Fünfzig Jahre Partnerschaft der Handwerkskammern in Frankreich und Deutschland: Das haben 350 Spitzenvertreter des Handwerks der beiden Nachbarstaaten in Dresden gefeiert. Und es gab viel Gesprächsstoff. Es wurde diskutiert über die Zukunft des Handwerks in Europa, über die aktuelle Handwerkspolitik, die Qualität der dualen Ausbildung und die moderne Selbstverwaltung.
Westerwelle schwärmt von dualer Ausbildung
Einer der prominenten Gastredner: Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP). Er würdigte in einer sehr persönlichen Rede die Leistungen des Handwerks für Europa und ging dabei insbesondere auf die duale Ausbildung ein: „Die Menschwerdung beginnt nicht mit dem Studium. In Wirklichkeit ist das duale System der Exportschlager, ihn würde es ohne das Handwerk nicht geben.“ Er warnte zudem davor, die Europäische Union zu zerreden. „Wir wollen kein deutsches Europa, sondern ein europäisches Deutschland.“
Alain Griset, Präsident des französischen Handwerkskammertags APCMA, reagierte darauf spontan mit einem Umarmungsversuch: „Wenn ich es könnte, würde ich Sie zum Ehrenpräsidenten des französischen Handwerks machen.“ Griset sprach sich dafür aus, den Lehrlingsaustausch zwischen den beiden Ländern zu verstärken. An Brüssel gerichtet sagte Griset: „Wir erwarten von Europa, dass es uns die Instrumente lässt, die wir brauchen, um unsere Handwerksbetriebe zu beraten, zu unterstützen und zu begleiten.“
Kentzler: Mehr Betreuungsplätze
Handwerkspräsident Otto Kentzler nannte die erfolgreichen Anstrengungen Deutschlands in den vergangenen zehn Jahren beim Namen. Doch er ergänzte: „Es gibt noch einige unbestellte Felder, insbesondere, wenn es um die Bewältigung des demografischen Wandels geht.“ Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf schauten die Deutschen auf Frankreich mit seiner vorbildlichen Kinderbetreuung. „Wir brauchen mehr und bessere Betreuungsplätze, damit junge Familien beides unter einen Hut bringen können – Karriere und Familie.“
Das deutsche Handwerk gehe neue Wege der Nachwuchsgewinnung. Auszubildende seien zwar ein „nachwachsender Rohstoff“, wie es in der Imagekampagne des Handwerks heiße. „Aber dieser Rohstoff wird knapp. 2012 blieben rund 15.000 Lehrstellen allein in Handwerksbetrieben unbesetzt.“ Der Kampf um Schulabsolventen zwischen den Wirtschaftsbereichen ist daher gewachsen. Hier spiele das Handwerk neue Karten aus.
Jugendkampagne des Handwerks
Seit vergangener Woche läuft eine neue Jugendkampagne, die junge Menschen an die aufregendsten Orte der Welt führt. Das Motto: „Handwerk bringt dich überall hin.“
Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, sagte: „Wir dürfen die in den beiden Ländern vorhandenen Bildungsstandards auf keinen Fall aufweichen. Wenn wir heute feststellen, dass unsere beiden Länder wirtschaftlich stabiler dastehen als andere Länder in Europa, dann hat das etwas mit dem engmaschigen Netz kleiner und mittelständischer Betriebe und der Qualität der dualen Ausbildung zu tun.“
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte, dass 95 Prozent in Sachsen kleine und mittelständische Betriebe seien. Unter den prominenten Gästen waren neben dem Bundesaußenminister und dem Ministerpräsidenten auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger und Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok. rak/bur