Wohlstandsstudie der EZB Zyprioten reicher als Deutsche

Deutschland ist arm. So heißt es zumindest in einer von der EZB veröffentlichten Studie. Laut deren Ergebnis ist das Nettovermögen der Masse niedriger als in jedem anderen Euroland.

Deutschland ist das ärmste Land der Euro-Lander. Im Vergleich haben Zypern und Portugal mehr Nettovermögen. - © Foto: fotolia

Die Menschen in europäischen Krisenländern wie Zypern oder Spanien sind nach einer Studie der Europäischen Zentralbank deutlich reicher als Bürger in Deutschland. Das mittlere Nettovermögen deutscher Haushalte beläuft sich demnach auf rund 51.400 Euro  und liegt damit weit unter dem in Griechenland (101.900 Euro), Spanien (182.700) oder Zypern (266.900 Euro).

Die Werte der Studie geben allerdings nicht den Durchschnitt, sondern den Median (Mittelwert, Anm. d. Red.) an. Das liegt daran, dass die Reichtümer hierzulande sehr ungleich verteilt sind.  Werden Haushalte nach ihrem Vermögen aufgereiht, liegt der Median genau in der Mitte. Es gibt ebenso viele reichere wie ärmere Haushalte.

Politischer Sprengstoff

Ob nun Durchschnitt oder Median: Politische Brisanz hat die Studie allemal. Denn angesichts der Milliarden-Hilfspakete für Zypern, Portugal und Griechenland hat die EZB die Veröffentlichung der Studie lange hinausgezögert, bis das Stabilisierungsprogramm  für Zypern beschlossen wurde. So zumindest die Aussage der Notenbank.

Seite 2: Die Relativierung der Fachleute führt zu Verzerrungen>>>

Mit der Veröffentlichung versuchen die Fachleute der Bank die Aussagen zu relativieren und begründen die Ergebnisse mit den Immobilienpreisen der anderen Länder im Euro-Raum. Die Vermögensunterschiede werden damit erklärt, dass in den südlichen Ländern mehr Menschen im Eigenheim wohnen und im Schnitt mehr Menschen in einem Haushalt leben als hierzulande. Die jüngsten Daten für die Studie stammen zudem von 2010, einige auch von 2008.

Verzerrter Vergleich

Im Zuge der Krise im Euroraum sind seither jedoch vielerorts Immobilienpreise gesunken, während die Arbeitslosigkeit zunahm. "Besonders für Spanien ist es kritisch, das Erhebungsjahr 2008 zu wählen. Denn die Immobilienpreisblase ist dort erst später geplatzt", sagt Christoph Schröder vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln: "Das Durchschnittsvermögen ist in Spanien daher heute geringer als im Jahr 2008", betont Schröder.

Auch die Gegner der veröffentlichten Studie halten mit ihrer Kritik nicht hinterm Berg. So kritisieren Experten, dass etwa Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Betriebsrenten oder die kostenlose Bildung in der Studie nicht berücksichtigt wurden. «Wir haben eine recht gute soziale Absicherung", betont  Schröder. Deshalb werde weniger für die Altersvorsorge oder die Arbeitslosigkeit gespart.

Verzerrt wird der Vergleich der Nettovermögen auch dadurch, dass nirgendwo in Europa so wenige Menschen in einem Haushalt leben wie in Deutschland. Hierzulande teilen sich im Schnitt zwei Menschen ein Haushaltseinkommen. dhz