Immer mehr Abiturienten interessieren sich für einen Ausbildungsberuf im Handwerk. Das hat Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), kürzlich in einem Gastbeitrag geschrieben. Diese High Potentials würden im Handwerk auch dringend benötigt. Um die zukünftigen Herausforderungen zu meistern setzt Kentzler aber auf eine Doppelstrategie.
Das Handwerk präge mit seinen hochwertigen Produkten und Dienstleistungen die Wertschöpfungskette der deutschen Wirtschaft und nimmt eine wichtige Rolle im nationalen Innovationssystem wahr, so Kentzler kürzlich in einem Gastbeitrag für das Magazin Academia.
Kentzler weiter: "Doch es gibt große Herausforderungen für die Handwerksunternehmen. Nennen möchte ich den raschen technologischen Wandel, die älter werdende Gesellschaft und den sich verschärfenden nationalen wie auch internationalen Wettbewerb. Bei den Betrieben sind daher kreative Köpfe und Persönlichkeiten als Fach- und Führungskräfte gefragt." Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setze das Handwerk auf eine Doppelstrategie.
Einerseits würden schulschwache Jugendliche unterstützt, um brachliegendes Potential zu aktivieren. "Zunehmend sprechen wir aber auch die leistungsstarken Schul- und Hochschulabsolventen an. Das Handwerk ist attraktiv für Abiturienten – diese Botschaft wird gehört." Das zeige, so Kentzler, der Anstieg der Ausbildungsanfänger mit Hochschulreife von 4,9 Prozent im Jahr 2005 auf 8,1 Prozent im vergangenen Jahr.
Erst Klempner, dann Maschinenbauer
Er selbst habe nach dem Abitur erst Klempner und Gas-Wasser-Installateur gelernt, dann Maschinenbau studiert und als Diplom-Ingenieur schließlich den Familienbetrieb übernommen. Kentzler: "120 duale Studiengänge verbinden inzwischen den Erwerb eines Gesellenbriefes mit einem akademischen Abschluss. Inhaltliche Schwerpunkte liegen hier neben dem Maschinenbau in den Bereichen Elektrotechnik, Informatik und Wirtschaftswissenschaften. Elf duale Studiengänge werden ausschließlich für Auszubildende des Handwerks angeboten, zum Beispiel in den Bereichen Augenoptik, Bauingenieurwesen, Energie- und Gebäudetechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen im Handwerk."
Wer handwerklich begabt ist und Großes vorhat, dem empfiehlt der ZDH-Präsident ein triales Studium - an dessen Ende hält man neben dem Bachelor-Abschluss den Meisterbrief in der Hand.
Ein Beispiel für diese Kombination akademischer mit handwerklicher Ausbildung sei der triale Studiengang Handwerksmanagement (B.A.) der Fachhochschule des Mittelstandes aus Bielefeld (FHM) und der Handwerkskammer zu Köln.
Mit der richtigen Qualifikation öffne sich der Weg bis hin zur Führungsposition in einem mittelständischen Unternehmen. "Der anstehende Generationenwechsel in vielen Handwerksbetrieben bietet qualifizierten Fachkräften dabei zusätzliche attraktive Optionen", schreibt Kentzler in dem Gastbeitrag.
Der ZDH-Präsident hält aber auch den Schritt in die Selbstständigkeit für eine attraktive Perspektive. "Dieser Weg steht übrigens auch Hochschulabsolventen offen, die keine einschlägige Berufsausbildung absolviert haben: Ingenieure und Techniker können sich in einem zulassungspflichtigen Handwerk selbständig machen, dem der Studienschwerpunkt ihrer Prüfung entspricht. Dieser Schritt ist wie in jeder Branche natürlich auch mit Herausforderungen verbunden. Daher rate ich Akademikern, die sich für diesen Weg entscheiden, sich durch Weiterbildungsangebote zur Vermittlung von Grundkenntnissen in Betriebswirtschaftslehre und Recht gezielt auf eine Unternehmensführung vorzubereiten." dhz
