Erster OECD-Integrationsbericht Mehr Zuwanderer finden einen Job

Die Arbeitsmarktchancen von Zuwandern werden in Deutschland immer besser. Das geht aus dem OECD-Integrationsbericht hervor. Fast ein Drittel kommen aus anderen europäischen Staaten. Angesichts des akuten Fachkräftemangels müsste auch das Handwerk dieses Potential nutzen, sagte kürzlich Dirk Palige, Vorstandsvorsitzender der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZVH) und ZDH-Geschäftsführer.

Trotz niedriger Bildung ist die Arbeitsmarktsituation von Zuwandererkindern in Deutschland besser als in vielen anderen OECD-Ländern. In der Gruppe der 15 bis 34-Jährigen waren 2008 in Deutschland 13 Prozent der Kinder von Einwanderern weder in Ausbildung noch in Beschäftigung, im OECD-Schnitt waren es über 16 Prozent.

Ohne Migrationshintergrund lag die Quote der Beschäftigungslosen in diesem Alter in Deutschland bei etwas mehr als neun Prozent und in der OECD bei zwölf Prozent.

In vielen Bereichen gelingt es OECD-Ländern heute aber besser als noch vor zehn Jahren, Zuwanderer zu integrieren. Zu diesem Schluss kommt die erste international vergleichende Studie der OECD zum Thema "Integration von Zuwanderern". Der Bericht wurde in Paris vorgestellt.

Mehr Hochqualifizierte unter den Zuwanderern

Ein Ergebnis des Berichtes ist zum Beispiel, dass sich mehr Hochqualifizierte im Ausland eine Arbeitsstelle suchen. Besonders stark manifestiert sich dieser Trend in Deutschland, Dänemark, Luxemburg und den Niederlanden.

In Deutschland haben heute zwölf Prozent mehr Neuzuwanderer einen Hochschulabschluss als noch vor zehn Jahren. Aufgrund der geringen Neuzuwanderung gehört Deutschland allerdings nach wie vor zu jenen Ländern, in denen der Anteil der wenig qualifizierten Migranten besonders hoch ist. 38 Prozent aller im Ausland geborenen und in Deutschland lebenden Menschen zwischen 15 und 64 Jahren haben maximal den Pflichtschulabschluss.

Im OECD-Schnitt sind es 30 Prozent. Zugleich erzielen jedoch vor allem die männlichen Nachkommen von Zuwanderern einen deutlichen Bildungsfortschritt gegenüber den Zuwanderern selbst.

Häufig ist der Erfolg der Zuwanderer auf dem Arbeitsmarkt eng mit der Bildung verbunden. Die Beschäftigungsraten für Migranten sind im vergangenen Jahrzehnt aber in fast allen OECD-Ländern gestiegen.

64 Prozent der Zuwanderer haben einen Arbeitsplatz

In Deutschland, wo der Anstieg besonders ausgeprägt war, gehen mittlerweile 64 Prozent der Zuwanderer im Erwerbsalter einer Beschäftigung nach, im Vergleich zu 57 Prozent im Jahr 2000.

Auffällig ist jedoch der verhältnismäßig kleine Platz, den im Inland geborene Nachkommen von Zuwanderern im deutschen öffentlichen Sektor einnehmen. 2008 arbeiteten in Deutschland etwa 26 Prozent der Gesamtbeschäftigten in der Altersklasse 15-34 in der öffentlichen Verwaltung, in Bildungseinrichtungen, bei Gesundheitsanbietern oder Sozialdienstleistern.

Kinder von Zuwanderern waren allerdings nur halb so oft in diesem Feld tätig. Eine ähnlich große Diskrepanz in den Beschäftigungsstrukturen des öffentlichen Sektors gab es sonst nur in Luxemburg und in Dänemark.

Auch auf der 14. Bildungskonferenz, die kürzlich in Berlin stattfand, wurden auch die Chancen von Migranten diskutiert. Dirk Palige sagte, dass nicht nur der Anteil an Frauen im Handwerk erhöht werden müsse, sondern auch der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund.  

Bis zum Jahr 2020 trockne gerade die Ebene der Gesellen regelrecht aus, warnte auch der Präsident des Bundesinstitutes der Beruflichen Bildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser. 

Den ausführlichen DHZ-Bericht zur 14. Bildungskonferenz "Handwerk muss alle Potenziale ausschöpfen" finden Sie hier. rh