Handwerkskammern fordern Politik zum Handeln auf Viele Betriebe sind Opfer von Diebstählen

In den Grenzregionen zu Polen und Tschechien haben viele Handwerksbetriebe mit einer zunehmenden Kriminalität zu kämpfen. Problematisch ist die steigende Anzahl von Diebstählen und so schätzen die Unternehmen die aktuelle Sicherheitslage laut einer Umfrage der Handwerkskammern Dresden und Cottbus zunehmend als kritisch ein. Die Kammern stellen nun Forderungen an die Politik.

Der Diebstahl auf Baustellen nimmt im Kammerbezierk Dresden und Cottbus weiter zu. Nun soll dier Politik handeln. - © Foto: lifeline/Fotolia

Handwerksbetriebe werden immer öfter Opfer von Dieben, die es auf teure Maschinen und Baumaterialien abgesehen haben. Schon vor einiger Zeit berichtete die Deutsche Handwerks Zeitung von Fällen aus dem Dreiländereck bei Zittau und aus Wittenberg, bei denen die Betriebe direkt auf der Baustelle bestohlen wurden. Nun scheint sich die Lage noch zu verschlimmern und die Handwerkskammern in den Grenzregionen zu Polen und Tschechien fordern die Politik auf, gegen die zunehmende Kriminalität aktiv zu werden.

"Polizeipräsenz muss verstärkt werden"

"Die Sicherheitslage in den Grenzregionen zu Polen und Tschechien bleibt aus Sicht des Handwerks weiter kritisch", schreibt die Handwerkskammer Dresden in einer Mitteilung.  Mehr als ein Viertel der ostsächsischen und südbrandenburgischen Unternehmen hätten im Vergleich zum Vorjahr mit einer zunehmenden Kriminalität zu kämpfen. 41 Prozent der Firmen aus dem Cottbuser sowie 31 Prozent aus dem Dresdner Kammerbezirk schätzen die Lage vor Ort schlechter als ein im Vorjahr, ergab eine gemeinsame Umfrage der Handwerkskammern Dresden und Cottbus .

Mit der steigenden Anzahl der Diebstähle steigt auch die Höhe der wirtschaftlichen Schäden. Im Kammerbezirk Dresden ergab sich so eine Gesamtschadenssumme von 1,35 Millionen Euro, im Bereich der Handwerkskammer Cottbus waren es sogar 1,43 Millionen Euro. Mehr als jeder dritte Befragte im Kammerbezirk Dresden war in den letzten zwölf Monaten (36,3 Prozent) von Kriminalität betroffen. Betroffen sind nach Angaben der Kammern vor allem Unternehmen aus dem Bau- und Kraftfahrzeuggewerbe sowie dem gewerblichen Bedarf und dem Gesundheitsgewerbe im grenznahen Raum - wie den Landkreisen Görlitz Spree-Neiße und aus der Stadt Cottbus.

"Wenn jeder Dritte Betrieb innerhalb eines Jahres von Kriminalität betroffen war und sich die gefühlte Sicherheitslage offenbar weiter verschlechtert, muss etwas geschehen", fordert deshalb Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Er drängt nun auf konkrete Schritte, um die Sicherheit insbesondere in der Grenzregion zu erhöhen. "Die Polizeipräsenz darf hier nicht noch weiter abgebaut werden", mahnt er.

Betriebe wie Hochsicherheitstrakte ausgestattet

An diese Forderung schließt sich auch sein Kollege Peter Dreißig, Präsident der Handwerkskammer Cottbus an. Da neben den steigenden Fallzahlen auch die geringe Aufklärungsquote zum Problem werde, fordert er ein verstärktes Eingreifen der verantwortlichen Behörden, um den wirtschaftlichen Schaden im Handwerk zu minimieren. "Die Zielvorgaben sind dabei eindeutig: Deutlich weniger Delikte bei deutlich höheren Aufklärungsquoten", so Dreißig.

Gemeinsam haben beide vier Kernforderungen formuliert, mit denen sie sich an die Politik wenden:

  1. Grenzüberschreitende Bekämpfung der Grenzkriminalität durch eine neue Qualität der Zusammenarbeit von deutscher, polnischer und tschechischer Polizei.
  2. Unterstützung der Bundespolizei bei der Bewältigung der Lage unter anderem durch Prioritätsverlagerung in Teilen zurück zur Grenze, kein Abzug von Beamten zu Sondereinsätzen an Bahnhöfen und Flughäfen.
  3. Setzung eines klaren Schwerpunktes an die Grenze, Stärkung der operativen Kapazitäten in der Grenzregion, Erhöhung von Kontroll- und Verfolgungs-druck, Erhöhung der Wahrnehmung der Polizeipräsenz.
  4. Verbesserung der technischen und personellen Ausstattung der Polizei zur Erhöhung der Aufklärungsquoten, einer schnelleren Strafverfolgung und sichtbarer Abschreckung potenzieller Straftäter.

Nach den Ergebnissen der Umfrage hat aber auch bereits mehr als die Hälfte der Unternehmer beider Kammerbezirke eigene Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Hierzu zählen die Anschaffung einer Alarmanlage, von Videoüberwachung oder Sicherheitstüren oder Sicherheitsglas. Firmen wie die Oberlausitzer Straßen-, Tief- und Erdbau GmbH aus Zittau haben ihren Firmensitz, der nur 50 Meter von der polnischen Grenze entfernt ist, mit Nato-Zaun deshalb wie Hochsicherheitstrakt ausgestattet. dhz