Griechenland droht die Staatspleite. Doch nach Ansicht des EU-Politikers Markus Ferber (CSU) ist das Land so weit isoliert, dass ein Bankrott keine Folgen für die deutsche Wirtschaft und das Handwerk hat. "Wir sollen jetzt versuchen, das duale Ausbildungssystem in Griechenland zu etablieren und so helfen das Land zu reformieren", rät er im DHZ-Interview.
Jana Tashina Wörrle

DHZ: Griechenland droht sehr wahrscheinlich die Staatspleite, viele warnen vor den Folgen. Doch Sie sagen, die Folgen für den Euroraum wären gar nicht so schlimm. Warum?
Ferber: Ich möchte darauf hinweisen, dass Europa in den letzten Monaten viel an Hilfe für Griechenland geleistet hat und sehr geduldig war. Die Tatsache, dass Griechenland ausschließlich über den Rettungsschirm Verpflichtungen erfüllen kann, zeigt, dass das Land faktisch bankrott ist. Die Folgen einer Staatspleite sind nach wie vor nicht absehbar, jedoch ist Griechenland mittlerweile soweit isoliert, dass bei einer Staatspleite keine Ansteckungsgefahr für andere Euro-Länder bestehen würde. Auch eine Panik an den Finanzmärkten, die auch unbeherrschbare Marktreaktionen, wie bei der Lehman-Pleite zur Folge hätte, ist nicht mehr zu befürchten.
Bild ohne Titel - 76613DHZ: Was wird sich dennoch konkret im Euroraum ändern, wenn Griechenland zu seiner alten Währung zurückkehrt? Und was werden wir in Deutschland spüren?
Ferber: Griechenland tritt aus dem Euro aus und führt die griechische Drachme wieder ein. Der Plan klingt einfach. Eine unmittelbare Folge wäre eine dramatische Abwertung der Währung. Wenn ein Land den Euro verlässt, wird es lange Zeit benötigen, um das Vertrauen an den Finanzmärkten zurückzugewinnen. Ein erneuter griechischer Schuldenschnitt wäre unausweichlich. Griechische Produkte und Exporte würden sich verbilligen und könnten somit auf längere Sicht zur Gesundung der Wirtschaft des Landes beitragen. Griechenlands Tourismusbranche würde ebenfalls davon profitieren. Das Urlaubsland Griechenland würde schlicht billiger werden und somit für uns Deutsche auch interessant.
DHZ: Wie wird sich das in der deutschen Wirtschaft und bei den Handwerksbetrieben zeigen?
Ferber: Als Handelspartner würde Griechenland für die deutsche Wirtschaft zunächst uninteressanter werden. Auf Handwerksbetriebe würde ein Euroaustritt Griechenlands keine großen Auswirkungen haben. Vielmehr sollten wir versuchen unser erfolgreiches duales Ausbildungssystem in Griechenland zu etablieren und so helfen das Land zu reformieren, davon kann es auf lange Sicht profitieren. Denn das krisengeschüttelte Land muss jetzt vor allem in seine Zukunft investieren und das ist die Bildung und Ausbildung junger Menschen.
DHZ: Neben Griechenland sind auch andere Euroländer stark von der Schuldenkrise erschüttert. Droht bald die nächste Pleite und was geschieht dann im Euroraum?
Ferber: Ich denke jedem ist klar geworden, dass Griechenland ein besonders großes Sorgenkind in der Krise ist, das mit keinem anderen Fall vergleichbar ist. Der Musterschüler Irland zeigt, dass es auch anders geht. Weder in Irland, Portugal oder Spanien, die ebenfalls unter dem Euro-Rettungsschirm sind, dafür harte Einschnitte erleben und strenge Verpflichtungen gegenüber der EU eingegangen sind, ist eine Staatspleite zu befürchten.
DHZ: Wie lässt sich der Euroraum wieder stabilisieren und was müssen alle Regierungen für Schlüsse aus der Krise ziehen?
Ferber: Alle Mitglieder der Eurozone werden bei einem Austritt Griechenlands eine Lehre ziehen: Wer sich nicht an die Vereinbarungen und seine Verpflichtungen hält, muss auch mit bitteren Konsequenzen rechnen. Die Eurozone wird nur dann stabilisiert werden können, wenn sich alle in Zukunft an die Regeln des neuen Stabilitäts- und Wachstumspakts, an dessen Verschärfung maßgeblich das Europäische Parlament beteiligt war, halten.
