Schüler mit Migrationshintergrund schaffen immer öfter ihren Schulabschluss. Jedoch gelingt immer noch zu wenigen jungen Migranten anschließend auch der Sprung in eine Ausbildung. Der Anteil an Auszubildenden mit Migrationshintergrund liegt im Handwerk immer noch sehr niedrig. Das geht aus dem 9. Bericht über die "Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland" hervor.

Vor allem bei der Bildung hätten Jugendliche aus Zuwandererfamilien aufgeholt, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU). Dem Bericht zufolge stieg der Anteil der ausländischen Schulabgänger mit Hochschulreife zwischen 2005 und 2010 um insgesamt 36 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil der Migranten ohne Schulabschluss um 39 Prozent zurück.
Die Sachverständigen sehen aber vor allem beim Übergang von Schule in den Beruf immer noch zu viele Hürden. Zum einen würden junge Migranten immer noch zu wenig informiert und gefördert, zum anderen gebe es nach wie vor gewisse Vorbehalte auf Seiten der Arbeitgeber.
Obwohl das Handwerk sogar mit dem Slogan "Für uns zählt nicht wo Du herkommst, sondern nur wo Du hin willst" werbe, wurden 2010 bei den Auszubildenden lediglich ein Ausländeranteil von 5,9 Prozent erreicht, steht in dem Bericht. Obwohl die meisten ausländischen Schüler die Haupt- oder Realschule besuchen.
Die Experten sehen deshalb nicht nur staatliche Organisationen, sondern auch Verbände wie den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in der Pflicht für weitere Bemühungen, mehr Migranten ins Handwerk zu bringen. Experten des Bundesinstituts für Berufsbildung schlugen in ihrem BIBB-Expertenmonitor 2010 deshalb vor, neue Zugangsregeln zu schaffen, z. B. einem Rechtsanspruch auf einen vollqualifizierenden Ausbildungsplatz, anonyme Bewerbungen oder eine Quote für Auszubildende mit Migrationshintergrund.
Erfolgreiche Einstiegsqualifizierung
Ein besonders erfolgreiches Instrument am Übergang in Ausbildung ist laut dem Bericht die im Ausbildungspakt entwickelte und mittlerweile gesetzlich verankerte Einstiegsqualifizierung (EQ). Für zwei von drei Jugendlichen führt ein solches sechs- bis zwölfmonatiges Betriebspraktikum zu einem Ausbildungsvertrag.
Der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei den EQ liegt bei mehr als 30 Prozent. Ihnen gelingt es gegenüber Jugendlichen ohne Migrationshintergrund sogar etwas häufiger, von hier aus in eine betriebliche Ausbildung einzumünden. Über EQ lernen Betriebe Jugendliche kennen.
Das neue Anerkennungsgesetz wurde ebenfalls positiv bewertet: Das verabschiedete Gesetz erleichtert es zugewanderten Akademikern und Fachkräften, sich umfassend mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten im deutschen Arbeitsmarkt einzubringen.
Zugleich können die Unternehmen verstärkt die Potenziale der Zuwanderer nutzen und dadurch auch dem zunehmenden Fachkräftemangel begegnen. Vor allem im Baugewerbe nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigter Ausländerinnen und Ausländer überproportional zu. Die Experten weißen jedoch darauf hin, dass der Bedarf an Fachkräften nur gedeckt werden kann, wenn es auch zukünftig genügend qualifizierte Arbeitnehmer gibt und das gelinge nur mit Aus- und Weiterbildungen.
Deutschland bei der Beschäftigung von Ausländern vorne
Unterdessen sind in den vergangenen beiden Jahren entgegen dem internationalen Trend deutlich mehr Menschen nach Deutschland eingewandert. Dem aktuellen Migrationsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge haben sich zehn Prozent mehr Ausländer in Deutschland niedergelassen. Innerhalb der 34 Mitgliedsstaaten der OECD insgesamt waren es 2,5 Prozent weniger.
Der Trend hat den vorläufigen Zahlen zufolge auch 2011 angehalten. Der überwiegende Teil der Zuwanderer stammt dabei aus dem osteuropäischen Raum, Menschen außerhalb der EU kommen seltener nach Deutschland.
Aus der OECD-Studie geht zudem eine verbesserte Lage für Migranten auf dem Arbeitsmarkt hervor. Demnach stieg seit 2008 ihre Beschäftigungsquote um vier Prozentpunkte auf 66,5 Prozent - im OECD-Raum ein Spitzenwert.
Um diese Entwicklung weiter voranzutreiben, forderte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz anonymisierte Bewerbungsverfahren. Es könne nicht sein, dass Bewerber mit fremd klingenden Namen nachweislich schneller aussortiert würden, sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". Zudem müssten ausländische Bildungsabschlüsse hierzulande besser anerkannt werden. dapd/rh