Deutsche Frauen verdienen im Durchschnitt noch immer rund 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Im europäischen Vergleich ist Deutschland damit Schlusslicht, hier liegt der Durchschnitt bei nur rund 16 Prozent. Den besten Wert der untersuchten Länder erreichte Norwegen.

Deutschland ist wieder einmal Spitze. In keinem anderen europäischen Land ist der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern so groß wie in der Bundesrepublik. Eine weibliche Vollzeitkraft verdient statisch gesehen knapp 22 Prozent weniger als ein Mann in gleicher Position.
Nur vier Prozent weibliche Führungskräfte
Die Berechnungen stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Verfügung. Der OECD-Geschlechternavigator stützt sich auf Daten aus dem Jahr 2009 und bezieht neben den Lohnunterschieden auch Informationen zu den Bildungsabschlüsse, der Arbeitsmarktbeteiligung und zur Lebenserwartung von Männern und Frauen mit ein.

Deutsche Frauen verdienen nicht nur im Schnitt weniger als Männer, sie schaffen es auch selten bis in die Führungsebene. Nur knapp vier Prozent der Vorstandsposten besetzten Frauen. Der Durchschnitt der OECD-Staaten liegt bei rund zehn Prozent.
Den Spitzenplatz in Europa erreicht Norwegen, dass bereits im Jahr 2006 eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt hat. Auch in Schweden, Frankreich, Finnland und der Slowakei ist der Anteil von Frauen im Management mit 15 bis 20 Prozent vergleichsweise hoch. Viele europäische Staaten setzten wie Norwegen und Frankreich mittlerweile auf verschiedene Formen von Frauenquoten. Doch in Deutschland ist die Quote noch immer umstritten.
Ministerin weiter gegen die Quote

Plänen von Unions-Politikerinnen zur Einführung einer solchen gesetzlichen Verpflichtung erteilte die FDP erst kürzlich eine klare Absage. Und auch die zuständige Familienministerin, Kristina Schröder (CDU), sieht die deutsche Wirtschaft auch ohne festgeschriebene Quote auf einem guten Weg. "Immer mehr Unternehmen begreifen, dass sie mit mehr Frauen in Führungspositionen besser vorankommen und dafür eigene Fahrpläne brauchen", sagte Schröder am Sonntag in Berlin. Sie ist trotzdem weiterhin für eine freiwillige, flexible Regelung.
Damit das Thema auf europäischer Ebene vorkommt, hat sich nun die Europäische Kommission eingemischt und möchte Maßnahmen für eine Frauenquote in Angriff nehmen. Kürzlich forderte EU-Kommissarin Viviane Reding börsennotierte Unternehmen auf, das Dokument "Women on the Board Pledge for Europe" zu unterzeichnen. Damit verpflichten sich die Unternehmen eine Frauenquote für leitende Stellungen bis 2015 von 30 Prozent und bis 2020 von 40 Prozent zu erreichten. dhz