Nach langem Ringen hat sich die Union nun doch entschieden, den früheren DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt zu unterstützen. Damit sind sich CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne darüber einig, wer Christian Wulff im Amt des Bundesprädident nachfolgen soll.

Nun ist Joachim Gauck auch der Kandiat der Union. Nachdem sich die Bundeskanzlerin bis zum Sonntagnachmittag nicht für den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler einsetzen wollte , hat sie doch umgeschwenkt und unterstützt seinen Weg ins oberste Staatsamt Deutschlands. Zuvor gab es jeoch heftige Auseinandersetzungen mit dem Koalitionspartner FDP. Die Union hatte andere Vorschläge für das Bundespräsidentenamt, doch die potenziellen Kandidaten lehnten ab.
In den Herzen der Bundesbürger
Schon in den Blitzumfragen nach dem Wulff-Rücktritt hatte Gauck im Bürgervotum die Nase vorn. Am Freitagabend bei einem Auftritt in Koblenz hatte er sich jedoch noch bedeckt gehalten und wollte weder den Rücktritt Wulffs noch eigene Ambitionen kommentieren. "Mein Terminkalender ist gut gefüllt und ich bin ein beschäftigter, glücklicher Mann", sagte der 72-Jährige. Am Sonntag war er gerade aus dem Flieger in ein Taxi gestiegen, als ihn der Anruf Merkels ereilte.
Vor anderthalb Jahren hatte seine Nominierung bei den Bürgern und im Internet Begeisterungsstürme ausgelöst. Dem Freiheitsprediger Joachim Gauck flogen die Herzen der Bundesbürger zu und auch im Regierungslager wurden Sympathien für ihn deutlich.
Damals war Gauck auf dem Ticket von SPD und Grünen gefahren und hätte seine Außenseiterchance fast nutzen können. Wirklich gute Argumente gegen Gauck hatten auch die schwarz-gelben Truppen nicht.
Zum zweiten Mal "Favorit"
Erst im dritten Wahlgang konnten Union und FDP ihren Kandidaten, den vormaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff durchsetzen. Der "Wahlkampf" war weitgehend fair verlaufen, was Wulff nach der Wahl ausdrücklich anerkannte. Nachdem Wulff am Freitag das Handtuch geworfen hatte, schoben die Sozialdemokraten Gauck erneut ins Rampenlicht. Als ihren "Favoriten" bezeichneten sie den 72-Jährigen zugleich, ohne aber auf seiner Kandidatur zu beharren.
Grüne und FDP folgten diesem Vorschlag, doch die Union wollte sich nicht festlegen. Stattdessen kamen unter anderem der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer, der Vorsitzende der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, ins Gespräch. Doch Fehlanzeige: Sie waren entweder zu SPD-nah oder lehnten ab. Nach langen Gesprächen erkannte die Bundeskanzlerin dann jedoch, die Vorteile von Joachim Gauck und entschied sich, ihn zu unterstützen.
Der Perfekte Kandidat
Gauck entspricht dem Anforderungsprofil an den neuen Bundespräsidenten mehr als jeder andere der gehandelten Kandidaten. Er gilt als integer und redlich, ist bei den Bürgern beliebt, steht über den Parteien, hat aber stets den Respekt einer breiten politischen Mehrheit erhalten. Nun schickt sich der Theologe und frühere Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde an, als erster Ostdeutscher das höchste Staatsamt der Bundesrepublik zu erklimmen.
Der im Kriegsjahr 1940 als Kapitänssohn in Rostock geborene Gauck wollte in der DDR eigentlich Journalist werden, erhielt aber keinen Studienplatz für Germanistik. Kein Wunder, hatte er sich doch der Pionierorganisation ebenso verweigert wie der Jugendorganisation "Freie Deutsche Jugend". Also studierte er nach dem Abitur evangelische Theologie und wurde Pfarrer.
Im Wendejahr 1989 engagierte sich Gauck im Neuen Forum. Dort kümmerte er sich um die Aufdeckung des Überwachungsapparates der DDR. Dieses Aufgabenfeld sollte Gauck in den folgenden elf Jahren nicht mehr loslassen. Das Amt des "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR" übte er überaus streitbar aus.
Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) etwa, dessen Kontakte zur Stasi jahrelang die deutsche Politik beschäftigten, fühlte sich von Gauck ungerecht behandelt. Konflikten geht der streitbare Intellektuelle also nicht aus dem Weg und der Kampf für die Freiheit ist sein Lebensmotto. Über das höchste Staatsamt hat der redegewandte Gauck zudem präzise Vorstellungen: "Als Repräsentant des ganzen Volkes kann der Bundespräsident zwischen den Regierten und den Regierenden vermitteln und zu einer besseren Verständigung zwischen ihnen beitragen." dapd/dhz