Die Integration der rund 16 Millionen Bundesbürger ausländischer Herkunft schreitet weiter voran, aber immer noch gibt es viele Hürden. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, sieht vor allem auf dem Arbeitsmarkt eine positive Tendenz. In Bereichen wie dem öffentlichen Dienst gibt es jedoch noch große Lücken.

"Die Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sind noch immer zu groß", sagte Böhmer bei der Vorstellung des Berichts. Sie erwähnt zwar "maßgebliche Fortschritte" etwa bei Kinderbetreuung, Ausbildung und Arbeitslosigkeit. Insgesamt musste sie jedoch eine gemischte Bilanz ziehen.
Vergleichsweise positiv urteilt der Bericht über die Entwicklung an den Schulen. So ist der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die die Schule ohne Abschluss verlassen, im Untersuchungszeitraum zwischen 2005 und 2010 um 15 Prozent gesunken. In der zweiten Einwanderergeneration fällt der Unterschied zu deutschen Altersgenossen in diesem Punkt sogar nur noch minimal aus. Nichtsdestotrotz sei der Zugang zu gehobenen Schulzweigen für ausländische Kinder nach wie vor erschwert, heißt es weiter.
Weniger Erwerbslose mit Migrationshintergrund
Ähnlich das Bild in den Kindergärten: Dort ist die Betreuungsquote von Kindern aus Migrantenfamilien zwischen 2008 und 2010 um ein Drittel gestiegen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen besuchen inzwischen 85,7 Prozent der Kinder eine Kita. Im deutschstämmigen Teil der Bevölkerung sind es sogar 94,9 Prozent.
Positiv ist die Tendenz auf dem Arbeitsmarkt. Dort sank die Quote der Erwerbslosen mit Migrationshintergrund binnen fünf Jahren überproportional stark von 25,1 auf 15,8 Prozent, während sie in der Gesamtbevölkerung von 11,7 auf 7,7 Prozent zurückging. Allerdings wird zugleich vor einem überproportional höheren Armutsrisiko von Menschen mit Migrationshintergrund gewarnt, das mit 26,2 Prozent deutlich über dem der Gesamtbevölkerung mit 14,5 Prozent liege.
Problematisch ist nach wie vor die Situation im öffentlichen Dienst, wo lediglich jeder zehnte Beschäftigte ausländische Wurzeln hat. Dort habe es in den vergangenen Jahren "kaum Entwicklungen" gegeben, konstatiert die Studie. Nur im pädagogischen Bereich sowie an Schulen und Hochschulen seien verstärkt Menschen nicht-deutscher Herkunft eingestellt worden.
Lebensverhältnisse haben sich stärker angeglichen
Auch beim freiwilligen gesellschaftlichen Engagement fällt die Bilanz eher ernüchternd aus: Während Zuwanderer und ihre Nachkommen sich im Untersuchungszeitraum tendenziell aus dem Vereinsleben zurückzogen, engagierten sich Menschen ohne Migrationshintergrund etwas häufiger als zuvor - hier geht die Entwicklung also auseinander.
Auffallend ist zudem, dass Einwanderer aus EU-Mitgliedstaaten in nahezu allen Statistiken weit besser abschneiden als jene aus Drittstaaten. Als Grund hierfür führen die Autoren vor allem den besseren Rechtsstatus von Zuwandern aus den Staaten der Europäischen Union an. Zum Teil - etwa bei der Erwerbsquote und beim durchschnittlichen Stundenlohn - überflügeln sie sogar jene Bundesbürger ohne Migrationshintergrund.
Als Fortschritt von Integration definierten die Autoren in ihrer Studie "die Angleichung der Lebensverhältnisse der Personen mit Migrationshintergrund an die der Gesamtbevölkerung". Ihr zweiter Integrationsbericht führt die Erhebung aus dem Untersuchungszeitraum 2005 bis 2007 fort, wodurch langfristige Entwicklungen besser erkannt und in politische Zielsetzungen umformuliert werden sollen. dapd