Mit dem Jahreswechsel ist für das Handwerk ein Rekordjahr zu Ende gegangen. Um sechs Prozent auf rund 481 Milliarden Euro konnten die amtlich erfassten Handwerksbetriebe ihren Gesamtumsatz steigern. Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), ist überzeugt, dass die Branche diesen Trend 2012 fortsetzen kann und sich erneut als Jobmotor der deutschen Wirtschaft präsentieren kann.
Für 2012 erwartet der ZDH-Präsident ein Umsatzwachstum im Handwerk von mindestens 1,5 Prozent. "Der Binnenmarkt ist stabil, die Menschen investieren wieder in Werte, statt in faule Papiere", begründete Kentzler seine Zuversicht in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Die guten wirtschaftlichen Aussichten dürften nach Einschätzung des Verbandsoberen auch die Investitionsfreude der Betriebe in geschulte Mitarbeiter stärken. In vielen Handwerksbranchen seien weiterhin mehr Jobs offen als Arbeitslose gemeldet. Handwerksbetriebe würden daher auch 2012 auf allen Ebenen in die Fachkräftesicherung investieren, prognostiziert Kentzler und ist überzeugt, dass der Generationenwechsel mit vielen aus Alter sgründen ausscheidenden Mitarbeitern gut verkaftet werden kann.
Als Herausforderung für die Betriebe sieht Kentzler die stetige Weiterbildung und Qualifizierung der Mitarbeiter. Ältere Mitarbeiter gezielt fördern, um sie länger im Betrieb halten zu können, familienfreundliche Arbeitsbedingungen für junge Frauen und Männer schaffen und in Nachwuchswerbung investieren, markiert Kenzler als Eckpfeiler für das neue Jahr.
Im Sog der Gesamtwirtschaft
Der ZDH-Obere ist sich jedoch auch bewusst, dass das Handwerk weiterhin von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und im europäischen Raum abhängig sein wird. Eine weiterhin mögliche "Flutung" der Finanzmärkte durch EZB-Kredite oder die Bereitstellung von Kreditmöglichkeiten über den IWF birge die Gefahr einer Inflation im europäischen Währungsraum und würde damit auch Deutschland betreffen. Neben den Privathaushalten würde dies vor allem auch mittelständischen Betrieben, wie sie sich zahlreich im Handwerk finden, schaden.
Kentzler appelliert deshalb an die poltischen Spitzen in den europäischen Staaten, den Weg zurück zu einer soliden Haushaltspolitik zu finden. "Wenn das gelingt, steigt auch wieder das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung".
Auch DIHK optimistisch
Doch nicht nur das Handwerk geht optimistisch ins neue Jahr. So erwartet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag eine bessere wirtschaftliche Perspektive als es die derzeitige Stimmung vermuten lässt. Der Verband hofft auf einen weiteren Rückgang der Arbeitlosigkeit und ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent nach 3,0 Prozent im Vorjahr. Damit zeigen sich die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft deutlich optimistischer als die Analysten des Ifo-Instituts. Diese hatten zum Jahresende 2011 ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum von 0,8 auf 0,4 Prozent gesenkt. sg
