Schuldenerlass der Banken Führt die Euro-Rettung zu einer Kreditklemme?

Banken und Versicherungen sollen auf viel Geld verzichten, um Griechenland teilweise zu entschulden. Erste Experten befürchten nun wieder eine Kreditklemme, die auch den deutschen Mittelstand träfe. Aber es gibt aber auch Zeichen der Entwarnung.

Bankentürme in Frankfurt in der Abenddämmerung. - © dapd

Privatgläubiger, allen voran die Banken, sollen 50 Prozent ihrer Griechenland-Anleihen abschreiben. Diese Maßnahme, die noch vor wenigen Wochen in der Bundesregierung als ausgeschlossen galt, ist mit den jüngsten Entscheidungen auf dem Brüsseler EU-Gipfel Realität geworden. Für viele Experten kommt ein Schuldenschnitt in dieser Höhe einer Quasi-Insolvenz eines Landes gleich.

In der deutschen Politik ist man sich parteiübergreifend einig, mit einer Beteiligung der Banken am Schuldenschnitt das Richtige zu tun. "Wir Europäer haben heute gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Es ist ein guter Schritt nach vorn", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. "Das war in allerletzter Sekunde eine Wendung um 180 Grad", lobte selbst SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Banken gehen in die Knie

Wen trifft nun der Schuldenschnitt? Griechische Anleihen sind breit über Europas Banken und Versicherungen gestreut. Manche Bankenvertreter sehen daher große Gefahren für den Finanzsektor, weil die Geldinstitute unter Druck gerieten. Zunächst müssen die griechischen Banken große Abstriche machen, bis hin uz Pleiten. Auch Frankreichs Banken sind stark involviert, wesegen sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy lange Zeit vor einer Banken-Beteiligung gesträubt hat.

Aber auch einige deutsche Banken tragen ein Restrisiko. Hierzulande sind etwa Commerzbank, Deutsche Bank und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in griechischen Anleihen engagiert. Bisher hieß es, eine Beteiligung der Banken in dieser Höhe solle vermieden werden, um „kein zweites Lehman“ heraufzubeschwören. Durch die Verunsicherung im Interbankensektor nach der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 war der globale Finanzmarkt zum Erliegen gekommen.

Gleichzeitig hat die EU gestern eine kurzfristige Erhöhung des Eigenkapitals ihrer größten Banken auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent beschlossen. Eine frist bis Ende Juni 2012 ist gesetzt. Für Banken, die nicht in der Lage sind, dies zu stemmen, sollen Liquiditätshilfen ausgegeben werden, um eine Kreditklemme zu verhindern.

Kreditklemme noch nicht in Sicht

Eine Kreditklemme – die Banken geben Unternehmen aus eigener Unsicherheit keinen Kredit mehr oder nur zu deutlich schlechteren Bedingungen – ist das Horrorszenario des deutschen Mittelstands. Aus dem Bankensektor und von Ökonomen gibt es teils vorläufige Entwarnung, teils auch mahnende Stimmen; die Gemengelage ist uneinheitlich. "Da wir in Deutschland ein dreigliedriges Bankensystem haben, sehe ich nicht die Gefahr einer Kreditklemme", sagte Prof. Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim der Deutschen Handwerks Zeitung. Eher würde die Wirtschaft dadurch geschwächt, dass der Staat kein Geld mehr für das reibungslose Funktionieren unserer Infrastruktur zur Verfügung habe. „Die aktuelle Lage am Unternehmenskreditmarkt in Deutschland kann weiterhin als gut bezeichnet werden“, hatte auch der Chefvolkswirt der staatseigenen KfW-Bankengruppe, Norbert Irsch, Anfang Oktober betont. Eine Eintrübung sei aber zu erwarten. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sieht das nicht anders: „Trotz der sehr angespannten Lage im Bankensektor sehe ich keine rote Lampe blinken“, hatte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ Anfang Oktober gesagt.

Der deutsche Mittelstand zeigt sich derzeit robust und hat offenbar auch genug Substanz in den vergangenen zwei Aufschwungsjahren aufgebaut. Die Unternehmen würden ihre Kreditlinien derzeit nur zwischen 40 und 60 Prozent ausschöpfen, sonst seien es oft zehn bis 15 Prozent mehr, erklärte Commerzbank-Vorstand Markus Beumer in einem "Impulse"-Interview.   bur