Strahlende Sieger sehen anders aus. Als am Sonntagabend um 18 Uhr die erste Wahlprognose über die Bildschirme flimmert, kommt bei der CDU zunächst einmal kaum Jubel auf. Nur dank des Koalitionspartners in spe, der FDP, kann Roland Koch an der Macht zu bleiben.

FDP verhilft Koch zum Machterhalt
Nicht einmal ein Prozentpunkt mehr als vor einem Jahr erreichte die CDU: Da bleiben die überall im Saal bereit liegenden Schilder mit der Aufschrift "Koch kanns" erst einmal liegen. Gejubelt wird bei den Christdemokraten erst 20 Minuten später, als ein Stockwerk tiefer SPD-Chefin Andrea Ypsilanti ihren Rücktritt von allen Ämtern verkündete.
Seite an Seite mit ihrem Nachfolger Thorsten Schäfer-Gümbel war Ypsilanti bereits um 18.15 Uhr in den Fraktionssaal der SPD eingezogen. In einer Mischung aus Enttäuschung und Trotz brandet Applaus auf. Es scheint fast, als wollten die Genossen das schlechteste Wahlergebnis ihrer Geschichte in Hessen wegklatschen. Der Applaus in der Niederlage gilt bereits dem neuen starken Mann der Hessen-SPD: "TSG", skandieren die Genossen.
Ypsilanti tritt von allen Ämtern zurück
Doch das Wort hat zunächste die alte Chefin: Ypsilanti hält diesmal ihr Wort und kündigt ihren Rücktritt von allen Ämtern an. Sie werde nun Schäfer-Gümbel als ihren Nachfolger für den Partei- und den Fraktionsvorsitz vorschlagen, sagt sie. Schäfer-Gümbel selbst spricht von einer "Denkzettelwahl". "Ich weiß, dass vielen zum Heulen zumute ist", räumte er ein. "Morgen beginnt die Aufholjagd", versucht er, den Genossen Mut zuzusprechen.
Kurz nach Ypsilantis Rücktritt wird dann endlich auch bei der CDU gefeiert, als der alte und neue Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vor die Partei tritt. "Der Spuk ist vorbei, die hessischen Verhältnisse gibt es nicht mehr", ruft der CDU-Chef in den Saal. Auf das trotz Wahlsiegs eher dürftige Ergebnis seiner Partei geht Koch nicht ein, lobt stattdessen die "stabile politische Mehrheit von CDU und FDP", die ein "Gewinn für ganz Hessen" sei.
FDP schafft bestes Ergebnis seit 1954
"Hessen hat den Neuanfang gewählt", ruft FDP-Spitzenkandidat Jörg-Uwe Hahn stolz seinen Anhängern zu. Die hessischen Liberalen seien bereit, diesen Neuanfang mit der CDU zu wagen. Mit fast 16 Prozent kann die FDP ihr bestes Ergebnis seit 1954 einfahren. Entsprechend frenetisch jubeln die Liberalen, als die ersten Prognosen bekannt werden. Victory-Zeichen und gereckte Daumen bestimmen das Bild auf der Wahlparty im völlig überfüllten FDP-Sitzungssaal.
Koalitionsverhandlungen ab Dienstag
Bereits am Dienstagmittag wollen FDP und CDU mit den Koalitionsverhandlungen beginnen. Das sagte der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn nach Beratungen der Spitzengremien seiner Partei in Berlin. Ziel sei es, die Gespräche erfolgreich abzuschließen, so dass am 5. Februar bei der konstituierenden Sitzung des Landtages auch der Ministerpräsident und das Kabinett gewählt werden können. Man wolle so schnell wie möglich eine bürgerliche Regierung haben, damit die sogenannten hessischen Verhältnisse Geschichte seien.
Hahn betonte, es werde kein "Weiter so" in Hessen geben, sondern einen Neuanfang in der Landespolitik gemeinsam mit der Union. Dazu gehöre ein Kassensturz. Die FDP werde die Verantwortung für Hessen und den Bund "mit Demut" übernehmen. Die Liberalen seien keine "Superkerle". Für die "liberale Familie" bundesweit habe die hessische FDP aber einen guten Auftakt geliefert.
ddp