Streit um Herkunftsschutz der Fleischer-Spezialität ist Thema im Landtag Wie die Pfälzer Leberwurst zum Politikum wurde

Eines hat die Pfälzer Leberwurst schon geschafft: Sie ist als vermutlich erste Streichwurst Thema in einem Landtag geworden. Doch geschah das eher unbeabsichtigt.

Eines hat die Pfälzer Leberwurst schon geschafft: Sie ist als vermutlich erste Streichwurst Thema in einem Landtag geworden. Foto: ddp

Wie die Pfälzer Leberwurst zum Politikum wurde

Denn eigentlich sollte die pfälzische Traditionsspeise, ähnlich wie etwa die Thüringer Rostbratwurst oder der Schwarzwälder Schinken, in die Liste geschützter Spezialitäten eingereiht werden. Damit wäre sie das erste Produkt mit Herkunftsschutz in Rheinland-Pfalz. Weitere landestypische Spezialitäten könnten folgen: Etwa der Idar-Obersteiner Spießbraten oder der Pfälzer Saumagen.

Doch seit Jahren stockt das Vorhaben – zu unterschiedlich und unvereinbar sind die Interessen der verschiedenen Beteiligten. Im Agrarausschuss soll die verfahrene Lage nun geklärt werden. Seit fast drei Jahren hapert es bei der Pfälzer Leberwurst schon im ersten Schritt des langwierigen Verfahrens um den Herkunftsschutz, der sogenannten Spezifikation. Darin werden hauptsächlich Produkteigenschaften und Herstellungsgebiet festgelegt – und die Frage nach der Herkunft ist genau der Knackpunkt.

Denn pfälzische Leberwurst wird seit Jahrhunderten auf beiden Seiten des Oberrheins hergestellt. Bis Napoleon vor gut 200 Jahren anrückte, bildete das ganze Gebiet die Kurpfalz und unterstand der Herrschaft der Kurfürsten. Heute bezeichnet man als Pfalz nur die südliche Region in Rheinland-Pfalz, zur Kurpfalz gehört auch die rechtsrheinische Rhein-Neckar-Region in Baden-Württemberg.

Für Horst Trautmann von der Fleischerinnung Mannheim-Heidelberg ein Grund, die Pfälzer Leberwurst nicht nur dem heutigen Territorium der Pfalz zuzuschreiben. Die Leberwurstgrenze gehe vielmehr über die Landesgrenze hinaus. "Pfalz und Kurpfalz sind schließlich immer noch eine zusammengehörige Region", betont Trautmann.

Sein linksrheinischer Kollege, Heinz-Werner Süß vom Fleischerverband Pfalz, sieht das anders. "Die Pfalz ist halt die Pfalz. Die Kurpfalz gehört nicht dazu", sagt der Ludwigshafener und lehnt eine Zusammenarbeit mit seinen rechtsrheinischen Kollegen ab. Er zeigt sich überrascht, dass "die plötzlich Pfälzer sein wollen".

Die Pfälzer Fleischer sind damit wieder zu ihrer ursprünglichen Haltung von vor drei Jahren zurückgekehrt. Zwischenzeitlich waren sie nämlich mit einer Einbindung der Kurpfälzer im Herkunftsschutz einverstanden, nachdem der Förderverein Pfalz Marketing vermittelt hatte. Auch das rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerium hatte beratend zur Seite gestanden. Damals schien der Leberwurststreit begraben.

Nun ist der Pfälzer Fleischerverband wieder umgeschwenkt. Nach den Gründen dafür gefragt, gibt sich Süß wortkarg. Nur so viel ist ihm zu entlocken: "Als guter Pfälzer lass ich mir das nicht bieten!" Von einem Herkunftsschutz profitiere im Übrigen sowieso hauptsächlich die Fleischerindustrie, nicht das Fleischerhandwerk, fügt er hinzu. Auch deshalb wolle sich der Fleischerverband vorerst nicht an einem Verfahren beteiligen.

Doch die pfälzische Fleischerindustrie alleine kann den Herkunftsschutz auch nicht durchsetzen. Zwar ist Uwe Poppik, Betriebsleiter der Wurstfabrik Kalnik in Billigheim-Ingenheim (Kreis Südliche Weinstraße) für eine herkunftgeschützte Leberwurst, aber auch er lehnt es ab, dass Pfälzer Wurst auf der rechten Seite des Rheins hergestellt wird. Und damit stößt er bei kurpfälzischen Wurstfabrikanten wie der Cornelius GmbH in Hockenheim auf wenig Gegenliebe. "Die Situation ist unheimlich schwierig", sagt deren Geschäftsführer Peter Cornelius.

Inzwischen beschäftigt das Thema auch den Mainzer Landtag. Der pfälzische Landtagsabgeordnete Günter Eymael (FDP) hat die Leberwurst auf die Tagesordnung des Landwirtschaftsausschusses gebracht. "Sonst kommen die schließlich nicht zu Potte", sagt er. Der Ausschuss soll nun über das weitere Vorgehen beraten.

Der Konflikt zwischen Pfälzern und Kurpfälzern scheint jedenfalls festgefahren. Ein Schutzverfahren benötigt aber die Zustimmung möglichst vieler Beteiligter, da sonst juristische Einsprüche zu erwarten sind. Solange einer der vielen Beteiligten die "beleidigte Leberwurst" spielt, wird die essbare Variante also wohl nicht geschützt werden.

Marius Johnen/ddp