Starkbieranstich auf dem Nockherberg "Bruder Barnabas" attackiert die CSU

Günther Beckstein war etwas aufgeregt, als er zum ersten Mal als bayerischer Ministerpräsident zum traditionellen Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg kam. "Ich habe schon ein gewisses mulmiges Gefühl in der Magengegend", gestand Beckstein. Falls die Attacken zu "bissig" ausfallen sollten, werde seine Frau dafür sorgen, dass er dennoch gute Miene dazu mache.

Michael Lerchenberg alias "Bruder Baranbas" las auf dem Nockherberg der CSU die Leviten. Foto: ddp

"Bruder Barnabas" attackiert die CSU

Prompt folgte eine recht heftige Rede des Schauspielers Michael Lerchenberg, der erstmals in der Rolle des Fastenpredigers "Bruder Barnabas" auftrat. Er spottete unter anderem, Beckstein habe die Bürger mit seinen ersten Regierungserklärungen "in den Schlaf" gesungen. Auf diese Weise werde sich der Ministerpräsident bei der Landtagswahl im September auf ein Ergebnis von "40 plus X" herunterhangeln.

Bei der "Salvatorprobe" wird alljährlich die Politprominenz aus Bayern und dem Bund veralbert. Dieses sogenannte Derblecken der "Großkopferten" auf dem Nockherberg gibt es bereits seit 1891. Zur Tradition gehört, dass die Verspotteten mit demonstrativem Humor auf die Attacken reagieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war im Gegensatz zu SPD-Chef Kurt Beck erneut nicht zum Starkbieranstich angereist. Dafür kam Unions-Fraktionschef Volker Kauder als prominenter CDU-Politiker. Er stellte klar, dass die Kanzlerin nicht aus Angst vor dem kritischen Redner fernblieb: "Frau Merkel hat vor überhaupt niemandem Schiss."

Angriffe gegen die CSU

Mit Spannung erwartet worden war, wie Lerchenberg auf die Rolle des bayerischen Finanzministers Erwin Huber (CSU) im Zusammenhang mit den Belastungen der Bayerischen Landesbank eingeht. Er rief Huber unter anderem zu: "Sie können mindestens so gut rechnen wie Hochdeutsch." Beckstein könne aber schlecht seinen eigenen Parteivorsitzenden rausschmeißen. Huber rang sich ein leichtes Lächeln ab.

Es kamen allerdings weiter Angriffe auf die CSU. Deren neue Generalsekretärin Christine Haderthauer bezeichnete Lerchenberg als "Barbiepupperl der CSU". Und dem Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sei keine Steuersenkungsidee "zu blödsinnig" gewesen, um in die Schlagzeilen zu kommen.

Westerwelle bläst CDU-Blöckflöte und wartet auf Damenwahl

Attacken gab es auch auf die SPD. So warf Lerchenberg Beck vor, in Berlin ein bisschen "patschert" seine Pirouetten zu drehen. Dabei hoffe der SPD-Chef, dass es Merkel als der "Berliner Primaballerina" beim Spagat von links nach rechts in der Mitte zerreiße. Neben der Tanzfläche sitze derweil FDP-Chef Guido Westerwelle, blase auf der "CDU-Blockflöte" und warte "auf die Damenwahl".

Beck, der zwischen Glos und Westerwelle saß, lachte an dieser Stelle herzhaft. Spontanen Applaus spendete der SPD-Chef sogar, als Lerchenberg in seiner teilweise sehr ernsthaften Rede für einen Mindestlohn eintrat und mahnte: "Wenn die Kniebiesler von Unternehmern es nicht schaffen, dass sie ihren Leuten mindestens sieben Euro in der Stunde zahlen, dann tät' ich halt keine Firma aufmachen, sondern einen Bettelorden!"

Außer Beck klatschte allerdings an dieser Stelle kaum jemand im Saal. Dafür gab es nach der Rede recht ordentlichen Beifall für den neuen Fastenprediger. Der SPD-Chef lobte den Vortrag als "glänzend" und fügte hinzu: "Einige sagen, es war aber sehr hart – da sind wir bei uns in der Fastnacht Härteres gewöhnt." Auch Grünen-Chefin Claudia Roth betonte, sie habe die Rede nicht als zu heftig empfunden.

Beckstein sagte, Lerchenberg sei zwar "zeitweise sehr bissig" und manche Äußerung "etwas zu hart" gewesen. Der Ministerpräsident fügte hinzu: "Aber das muss man bei einer Fastenpredigt hören – vielleicht auch überhören."

Jörg Säuberlich/ddp