Perfekt ist die Arbeit erst, wenn man sie nicht mehr sieht – und genau das macht die Gebäudereinigung zur anspruchsvollen Disziplin. Beim Bundesfinale der Deutschen Meisterschaft im Gebäudereiniger-Handwerk am DFB-Campus in Frankfurt traten zwölf Nachwuchskräfte aus ganz Deutschland gegeneinander an, um zu zeigen, wer das am besten beherrscht.

Ein Reinigungsroboter fährt surrend über den Boden, während daneben eine junge Frau konzentriert eine Glasvitrine poliert. In der Vitrine hängt ein Nationaltrikot, kein Fingerabdruck darf bleiben. Willkommen bei der Deutschen Meisterschaft im Gebäudereiniger-Handwerk – dem Wettbewerb, bei dem zwölf Gesellinnen und Gesellen zeigen, dass hinter ihrem Beruf weit mehr steckt als Wischen und Putzen. Die Deutsche Meisterschaft im Handwerk ist Europas größter Berufswettbewerb, mehr als 100 Gewerke treten jedes Jahr gegeneinander an. In diesem Jahr feiert der Wettbewerb sein 75-jähriges Bestehen – und das Bundesfinale der Gebäudereinigung, des beschäftigungsstärksten Handwerks Deutschlands, fand an einem besonderen Ort statt: dem DFB-Campus, der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt am Main.
3 Stationen, 2 Stunden, 0 Toleranz für Schlieren
An drei Stationen mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Können beweisen, jeweils zwei Stunden pro Aufgabe. In einer Umkleidekabine des DFB-Campus war eine desinfizierende Reinigung gefordert. An einer weiteren Station mussten Glasvitrinen von Hand gereinigt werden, während gleichzeitig ein Reinigungsroboter für die Bodenreinigung programmiert und eingesetzt wurde. Jury-Mitglied Björn Ruthemeyer erklärte: "Wir müssen eine komplette Arbeitskarte erstellen, wonach der Roboter fahren kann. Er nimmt uns die Arbeiten im ebenen Bereich ab, und wir kümmern uns um die Sonderreinigung, zum Beispiel die Vitrinen." Die dritte Prüfung führte die Teilnehmenden nach draußen, wo sie an einer großen Fensterfront den Sonnenschutz und dessen Lamellen mit Reinwasser und Spezialgerät säuberten.

Wer bei diesem Wettbewerb antreten durfte, hatte sich zuvor in den Landeswettbewerben qualifiziert, die Gesellenprüfung mindestens mit der Note "gut" bestanden und zum Zeitpunkt der Prüfung das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet.
Was die Jury wirklich sehen will
Doch was genau überzeugt eine Jury, die professionelle Sauberkeit bewertet? "Es sind nachher kleine Nuancen, die zum Erfolg führen", sagte Ruthemeyer. Zeitmanagement, Arbeitsschutz, Sauberkeit und die Frage, ob alle Reinigungsschritte vollständig abgearbeitet wurden – alles fließt in die Bewertung ein. Jury-Mitglied Nina Eppers-Arens ergänzte: "Wir schauen uns auch die Herangehensweise an. Wie organisiert und strukturiert ist jemand? Und wie wurde der Arbeitsplatz hinterlassen?" Wer eigenverantwortlich noch einmal nachwischte, sammelte Pluspunkte.
Bei der desinfizierenden Reinigung war besonders wichtig, dass die komplette Fläche ausreichend mit Desinfektionsreiniger benetzt wurde. Die Qualitätskontrolle lief teilweise mit Schwarzlicht, um unsichtbare Rückstände aufzuspüren. An der Robotik-Station verließ sich die Jury auf das "gute, geschulte Auge", wie Ruthemeyer es nannte. Ob fest angetretener oder lose aufliegender Schmutz – erfahrene Prüfer erkennen solche Unterschiede sofort.

Genauso aufmerksam registrierte die Jury typische Fehler. "Viel hilft nicht immer viel", erklärte Eppers-Arens. Zu stark dosiertes Reinigungsmittel belastet Material und Umwelt und hinterlässt Schlieren. Zu schwach dosiert wirkt es nicht ausreichend. Ein weiterer klassischer Fehler: den Grobschmutz vorher nicht entfernen. Daran verbraucht sich das Desinfektionsmittel, bevor es seine Wirkung entfalten kann.
Teamarbeit wie auf der echten Baustelle
Neben fachlichem Können prüfte die Jury auch eine Eigenschaft, die im Arbeitsalltag mindestens genauso wichtig ist: Teamfähigkeit. An einer Station arbeiteten die Teilnehmenden nicht allein, sondern in der Gruppe. "Die haben sich gestern alle das erste Mal getroffen", erklärte Eppers-Arens. Die Jury beobachtete bewusst, wie die Nachwuchskräfte miteinander harmonieren. Gibt es Teamplayer? Übernimmt jemand Verantwortung? Ordnet sich jemand unter, wenn es dem Gesamtergebnis dient?
Der Hintergrund ist praxisnah: Auf einer Bauendreinigung arbeiten Gebäudereiniger häufig mit Kolleginnen und Kollegen zusammen, die sie vorher nicht kennen. Sich schnell arrangieren und gemeinsam ein sauberes Ergebnis abliefern – das gehört zum Berufsalltag. Bei allen Gruppen habe die Zusammenarbeit hervorragend funktioniert, so Eppers-Arens.
Vom Schrubber zur Robotik – ein Beruf im Wandel
Dass beim Wettbewerb ein Reinigungsroboter zum Einsatz kam, ist kein Zufall. Es zeigt, wie stark sich das Handwerk verändert hat. "Vor 50 Jahren war das noch der klassische Schrubber, und die Arbeit war viel körperlicher", erzählte Eppers-Arens. Heute gehören Robotik, moderne Textilien und weiterentwickelte Reinigungschemie zum Standard.
Auch die Vielfalt des Berufs reicht weit über das hinaus, was viele vermuten. "Es fängt im Kreißsaal an und es endet, so makaber das klingt, in der Leichenhalle", sagte Eppers-Arens. Spätestens seit der Corona-Pandemie sei die Systemrelevanz des Handwerks ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Gebäudereiniger sorgen nicht nur für Sauberkeit, sondern auch für Werterhaltung von Gebäuden und Materialien. Und die Karrierewege sind vielfältig: Nach der Gesellenprüfung stehen der Meister, der Betriebswirt oder Spezialisierungen wie Tatortreiniger und Desinfektor offen.
Die Siegerin und die Platzierten
Am Ende überzeugte Elea Rauh aus Hof in Bayern an allen drei Stationen. Die 20-Jährige hatte ihre Ausbildung beim Innungsunternehmen Moritz Fürst in Nürnberg absolviert und arbeitet mittlerweile in ihrer Heimatstadt beim Innungsunternehmen SF Gebäudereinigung als technische Leiterin. Den zweiten Platz belegte Jamie Lion Ungermann (20) aus Nordrhein-Westfalen, Dritte wurde Laura Reinholdtz (23) aus Sachsen. Die drei Wettbewerbsbesten erhalten den mit insgesamt 4.500 Euro dotierten Carl-Gegenbauer-Preis des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks.

