Ein Jahr nach dem Start hat das Bundesbauministerium erstmals Kommunen befragt, wie sie die befristeten Sonderregeln im Baugesetzbuch nutzen. Wer die Anträge stellt, welche Vorhaben durchkommen und wo das Interesse besonders groß ist.

Der vor einem Jahr gestartete Bau-Turbo zeigt nach Ansicht von Bundesbauministerin Verena Hubertz erste Erfolge: "Der Bau-Turbo kommt in den Kommunen an", sagte die SPD-Politikerin. Eine erste freiwillige und nicht repräsentative Umfrage, an der sich knapp 400 Kommunen beteiligt hätten, habe ergeben, dass in fast drei Viertel der teilnehmenden Gemeinden schon entsprechende Anträge behandelt worden seien. Mehr als die Hälfte dieser Anträge (57 Prozent) habe die Zustimmung der jeweiligen Gemeinde erhalten. Wahrscheinlich werde man die ersten mit dem Bau-Turbo gebauten Wohnungen nächstes Jahr sehen, fügte sie hinzu.
Baugewerbe: Potenzial noch nicht ausgeschöpft
Für den Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) war die Einführung des Bau-Turbos die richtige Entscheidung. "Wo Städte das Instrument nutzen, entsteht Baurecht in Monaten statt in Jahren", sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa und verwies etwa auf München, wo bisher 2.100 Wohnungen vom Bau-Turbo profitiert haben. Allerdings brauche es jetzt noch einen zweiten Turbo für günstigeres Bauen. Dafür müsse die Regierung den Gebäudetyp E zügig ins Kabinett bringen und die KfW-Fördermittel deutlich aufstocken. Eindringlich warnte er davor, den Neubauetat um mehr als 40 Prozent zu kürzen, wie es die Bundesregierung für 2027 vorsehe.
Bau-Turbo bis Ende 2030 befristet
Der Bau-Turbo beruht auf befristeten Änderungen des Baugesetzbuches, die bis zum 31. Dezember 2030 gelten. Demnach können Kommunen unter bestimmten Voraussetzungen von Vorgaben des Bauplanungsrechtes abweichen, ohne einen Bebauungsplan aufstellen oder ändern zu müssen. So lassen sich etwa Häuser leichter aufstocken oder Neubauten in zweiter Reihe errichten.
Umfrage liefert erste Erkenntnisse
Um herauszufinden, wie und wo der Bau-Turbo bisher genutzt wird, hat das Ministerium von Januar bis Juni 2026 erste Städte und Gemeinden befragt. Die Teilnahme war freiwillig. Von insgesamt rund 11.000 Kommunen haben sich 393 zurückgemeldet. Die Umfrage sei deshalb nicht repräsentativ, teilte das Ministerium mit. Gleichwohl bildeten die Zahlen das tatsächliche Geschehen vor Ort in diesen Kommunen ab.
Anträge meist von Privatpersonen – vor allem für Neubauten
So zeigt die Umfrage, dass es sich bei 88 Prozent der Bau-Turbo-Projekte mit Zustimmung der Gemeinde um Bauvorhaben auf bereits genutzten Flächen handelt. Außerdem geht aus ihr hervor, dass vor allem Privatpersonen die Anträge stellen. Ihnen geht es in den meisten Fällen (73 Prozent) um einen Neubau, weit weniger um Aufstockungen oder Umnutzungen. Zustimmung haben dabei vor allem Anträge für Mehrfamilienhäuser erhalten.
Reges Interesse in Klein- und Mittelstädten
Insgesamt wurde in den teilnehmenden Kommunen Bauprojekten mit knapp 7.900 Wohnungen zugestimmt. Die meisten davon entfallen auf Landgemeinden und Kleinstädte (30 Prozent) sowie auf Mittelstädte (30 Prozent). Tatsächlich dürften es noch mehr sein, denn nach den Worten der Bauministerin hat nicht jede Stadt, die den Bau-Turbo nutzt, an der Umfrage teilgenommen. Als Beispiel nannte Hubertz Hamburg.
