Die Betriebe melden deutlich weniger Ausbildungsstellen, die Zahl der Bewerber steigt leicht. Die Arbeitsagentur sieht die schwache Konjunktur als Grund, allein im Handwerk sind 16.500 Plätze unbesetzt. Wo der ZDH den Hebel ansetzen will.

Auf dem Ausbildungsmarkt finden Angebot und Nachfrage nach wie vor schwer zueinander. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilt, gab es Ende September noch 48.000 (Vorjahr: 56.000) unbesetzte Ausbildungsstellen. Gleichzeitig suchten noch rund 46.000 (40.000) junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig verwies BA-Chefin Andrea Nahles auf die Chancen der Nachvermittlung. Es gebe noch Möglichkeiten. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke betonte, man finde aktuell 16.500 offene Ausbildungsplätze im Handwerk.
Nahles: Wirtschaftliche Lage hinterlässt Spuren
Als Grund für die Entwicklung nennt Nahles die Konjunktur. Im Zuge der wirtschaftlichen Schwäche seien die Meldungen von Ausbildungsstellen weiter deutlich zurückgegangen. Die Bewerberzahl habe dagegen nochmals leicht zugenommen. "In der Folge haben sich die Chancen für Ausbildungssuchende weiter verschlechtert", fügte sie hinzu.
Insgesamt weniger Ausbildungsstellen gemeldet
Konkret sind den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern von Oktober 2025 bis September 2026 insgesamt 469.000 Ausbildungsstellen gemeldet worden, davon 453.000 betriebliche. Das waren nach Angaben der BA insgesamt 31.000 weniger als vor Jahresfrist. Gleichzeitig haben 447.000 Interessenten die Ausbildungsvermittlung in Anspruch genommen. Ein Plus von 3.000 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Den neuen Arbeitsminister lassen die Zahlen nicht kalt
Die Zahlen zum Ausbildungsmarkt lassen auch den neuen Bundesarbeitsminister nicht kalt. "Für mich als Arbeitsminister ist klar, dass wir gerade in dieser Phase mit aller Kraft dafür sorgen müssen, dass junge Menschen eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt haben", sagte Alexander Schweizer (SPD). "Als Minister will ich dafür sorgen, dass junge Menschen die volle Unterstützung erfahren, ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt zu finden", sagte er.
Schwannecke: Matching-Problem endlich angehen
Für ZDH-Generalsekretär Schwannecke zeigen die Zahlen einmal mehr, dass sich die Bundesregierung endlich dem "Matching-Problem" am Ausbildungsmarkt stellen muss. "Es darf nicht sein, dass junge Menschen ohne Ausbildungsplatz bleiben, während Betriebe händeringend Nachwuchs suchen", betonte er. Fehlende Grundkompetenzen seien häufig Ursache dafür, dass Bewerberinnen und Bewerber und Ausbildungsbetriebe nicht zueinanderfinden.
Von Pisa-Ergebnissen lernen
Wie dringend bildungspolitisches Handeln im Bund und den Ländern ist, haben nach seinen Worten die aktuellen Pisa-Ergebnisse vor Augen geführt. "Bund und Länder müssen daraus endlich entschlossen Konsequenzen ziehen", meinte er. Erforderlich seien verbindliche Lernstandserhebungen in allen Klassenstufen der allgemeinbildenden Schulen, bedarfsgerechte und verbindliche Fördermaßnahmen bei Lerndefiziten sowie eine Stärkung der Kernfächer Deutsch und Mathematik über alle Jahrgangsstufen hinweg. Ähnliches gelte für die berufliche Ausbildung.
