41 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle im Zuständigkeitsbereich der BG BAU gehen auf Abstürze zurück. Im Herbst verschärft sich das Risiko: Laub und Schmutz können ungesicherte Lichtplatten und Dachoberlichter so vollständig verdecken, dass Beschäftigte die Gefahrenstelle nicht mehr erkennen. Was zu tun ist.

Herbstlaub kann auf Dächern zur tödlichen Gefahr werden. Verdeckt es ungesicherte Lichtplatten oder Lichtbänder, sind diese Gefahrenstellen kaum noch zu erkennen. Wer eine solche Fläche betritt, kann in die Tiefe stürzen. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) appellieren deshalb an Unternehmen und Beschäftigte, Dachflächen und Verkehrswege gerade in der dunklen Jahreszeit sorgfältig zu prüfen und Gefahrenstellen wirksam zu sichern.
Wie ernst das Absturzrisiko ist, zeigen die Unfallzahlen der BG BAU: In ihrem Zuständigkeitsbereich ereigneten sich 2025 insgesamt 74 tödliche Arbeitsunfälle. Bei 41 Prozent davon war ein Absturz die Ursache. Arbeiten auf Dächern sind besonders riskant. Die Gefahr besteht nicht nur an Dachkanten: Beschäftigte können auch durch ungesicherte Lichtplatten, Lichtbänder und andere nicht tragfähige Bauteile stürzen.
Laub verdeckt Gefahrenstellen auf dem Dach
Im Herbst kommen weitere Risiken hinzu. Regen, Laub und Raureif können Dachflächen rutschig machen; Nebel, Dämmerung und Niederschlag verschlechtern die Sicht. Besonders tückisch sind Ansammlungen von Laub und Schmutz: Sie können ungesicherte Dachoberlichter und andere nicht durchsturzsichere Bauteile verdecken. Dann ist für Beschäftigte unter Umständen nicht mehr erkennbar, wo die tragfähige Dachfläche endet und die Gefahrenstelle beginnt.
Björn Kass, Präventionsleiter der BG BAU, warnt davor, sich auf dem Dach darauf zu verlassen, Gefahrenstellen rechtzeitig zu sehen. Dachoberlichter wie Lichtkuppeln und Lichtbänder müssten grundsätzlich gegen Durchsturz gesichert sein. Da Laub und Schmutz sie im Herbst nahezu unsichtbar machen könnten, seien Dachflächen und Verkehrswege vor Arbeitsbeginn zu kontrollieren. Gefahrenstellen müssten beseitigt oder wirksam gesichert werden.
Dabei haben laut BG BAU technische Schutzmaßnahmen Vorrang. Beispiele sind durchsturzsichere Bauteile, Abdeckungen, Seitenschutz und mobile Schutznetze. Sind technische Maßnahmen nicht möglich, kann persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz erforderlich sein – vorausgesetzt, geeignete Anschlageinrichtungen sind vorhanden oder können geschaffen werden.
Herbstbedingungen schon bei der Arbeitsvorbereitung beachten
BG BAU und ZVDH empfehlen, die besonderen Bedingungen im Herbst bereits bei der Arbeitsvorbereitung einzuplanen. Arbeits- und Verkehrswege sollten regelmäßig auf Laub, Schmutz, Nässe und andere Gefahren kontrolliert werden. Verschmutzungen sind zu entfernen – allerdings nur unter sicheren Bedingungen. Auch ausreichende Beleuchtung und Sicherheitsschuhe mit stark profilierter Sohle tragen dazu bei, Unfälle zu vermeiden.
Felix Schneider, Vizepräsident des ZVDH, verweist darauf, dass Dachdeckerinnen und Dachdecker ihr Arbeitsumfeld kennen und wissen, wie schnell sich die Bedingungen auf einem Dach ändern können. Deshalb müssten Witterung, Sichtverhältnisse sowie der Zustand der Arbeits- und Verkehrswege gerade im Herbst von Anfang an berücksichtigt werden. Unternehmen seien gefordert, ihre Beschäftigten regelmäßig für die Risiken zu sensibilisieren und für sichere Arbeitswege sowie geeignete Schutzmaßnahmen zu sorgen. avs
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