Steigende Sozialversicherungsbeiträge, die Sorge um Personalverluste und mehr Schwarzarbeit: Die Herbst-Konjunkturumfrage des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks zeichnet ein düsteres Bild. 68 Prozent der Betriebe erwarten, dass Minijobber den Arbeitsmarkt ganz verlassen, statt in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu wechseln. 58 Prozent planen bereits, verstärkt Technik und Robotik einzusetzen.

Ob die Minijobs abgeschafft oder höhere Pauschalbeiträge fällig werden, ist noch nicht geklärt. Die Diskussion darum belastet eine Handwerksbranche allerdings besonders: Betriebe aus dem Gebäudereiniger-Handwerk setzen besonders stark auf diese Beschäftigungsform. Fast die Hälfte der Angestellten in der Gebäudereinigung arbeitet im Minijob. 77 Prozent dieser Minijobber sind in einer Nebentätigkeit beschäftigt.
Abschaffung der Minijobs hätte Folgen für das Gebäudereiniger-Handwerk
Entsprechend gravierend sind für die Betriebe auch die Folgen, die sie erwarten, sollte es tatsächlich zu einer Abschaffung kommen. Für die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage hat der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) vom 2. bis 20. September 2026 bundesweit 350 Mitgliedsunternehmen befragt und dabei unter anderem auch deren Meinungen zu den Plänen der Regierungsparteien hinsichtlich einer möglichen Abschaffung der Minijobs eingeholt. Dabei zeigte sich folgendes Meinungsbild bei den Betrieben:
- 92 Prozent erwarten, dass die Schwarzarbeit im Falle einer Abschaffung zunehmen würde.
- 84 Prozent rechnen mit einer deutlichen Verschärfung der Personalknappheit.
- 68 Prozent gehen davon aus, dass sich Minijobber aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen würden.
- Für 40 Prozent wäre die Abschaffung ein derart schwerwiegender Eingriff, dass sie sogar die Weiterführung ihres Betriebs gefährdet sehen.
Zusätzlich zeigte sich, dass die Mehrheit der befragten Betriebe nicht davon ausgeht, dass die derzeitigen Minijobber in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wechseln würden.
Gebäudereiniger-Handwerk warnt vor steigenden Kosten für die Betriebe
Während die Diskussion über die Abschaffung der Minijobs noch läuft, gibt der BIV eine weitere schon konkretere Kostenbelastung der Unternehmen an. "Nach bisherigem Kenntnis- und Entwurfsstand sollen die Sozialversicherungsbeiträge allein für Arbeitgeber im Minijobbereich ab 2027 um 8,1 Prozentpunkte steigen", teilt der Verband zusammen mit den Ergebnissen der Konjunkturumfrage mit. Konkret sollen es 4,5 Prozentpunkte mehr für die Krankenversicherung und 3,6 Prozentpunkte mehr für die Pflegeversicherung sein. Hinzu kämen Pläne für eine kapitalgedeckte Zusatzrente, die jeweils ein Prozent für Unternehmen sowie Beschäftigte ausmachen soll. Diese soll schrittweise ab 2028 eingeführt werden.
All diese Prognosen führen dazu, dass die befragten Betriebe des Gebäudereiniger-Handwerks der Bundesregierung derzeit ein besonders schlechtes Zeugnis ausstellen und damit ihre massive Unzufriedenheit ausdrücken. Laut BIV erreicht die „Große Koalition“ von Bundeskanzler Merz auf der Zufriedenheitsskala von 1 bis 10 lediglich 2,7 Punkte – ein deutliches Minus gegenüber dem Frühjahr (3,7). "Nie zuvor haben die Unternehmen in einer BIV-Konjunkturumfrage eine Bundesregierung insgesamt so schlecht bewertet", heißt es vom Verband.
Nur 17 Prozent der Betriebe blicken positiv auf 2027
Die schlechte Stimmung zeigt sich auch in den aktuellen Wirtschaftsdaten, die im Rahmen der Konjunkturumfrage erhoben wurden. So blicken lediglich 19 Prozent der befragten Betriebe mit einer positiven Prognose auf das laufende Geschäftsjahr. 51 Prozent erwarten gleichbleibende Geschäfte, 30 Prozent rechnen mit einer negativen Entwicklung. Auch der Ausblick auf 2027 zeigt keine Besserung. Nur 17 Prozent der befragten Unternehmen blicken positiv auf 2027. 36 Prozent erwarten gleichbleibende Geschäfte. Gleichzeitig rechnen 47 Prozent mit einer negativen Entwicklung. Darüber hinaus spricht sich eine klare Mehrheit der befragten Unternehmen gegen eine Abschaffung der Minijobs aus: 76 Prozent lehnen diese Pläne ab.
Mit rund einer Million Beschäftigungsverhältnissen stellt die Gebäudereinigung Deutschlands personalintensivste Handwerksbranche dar. Daher warnt Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich angesichts der aktuellen Diskussionen eindringlich: "Mitten in der Krise ein bewährtes Modell für Unternehmen drastisch zu verteuern und für Millionen Menschen aufs Spiel zu setzen, ist wirtschaftspolitischer Irrsinn."
Technik und Robotik statt mehr Beschäftigte
Außerdem zeigt die Umfrage, dass die aktuelle Entwicklung auch dazu führt, dass Betriebe über Alternativen nachdenken – wie den verstärkten Einsatz von Maschinen. So verstärken dem Verband zufolge steigende Lohnnebenkosten und die anhaltende Personalknappheit bei vielen Unternehmen den Trend, stärker auf Technik und Robotik zu setzen. 58 Prozent der in der aktuellen Konjunkturumfrage befragten Unternehmen geben an, in den kommenden fünf bis zehn Jahren verstärkt Menschen durch Technik ersetzen zu wollen. jtw