Kolumne 3 Fragen, um den eigenen Betrieb neu zu bewerten

Welche Abläufe laufen aus Überzeugung – und welche einfach aus Gewohnheit? Wer Mitarbeiter gewinnen und halten will, muss bereit sein, den eigenen Betrieb zu hinterfragen. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg liefert in ihrer DHZ-Kolumne konkrete Denkanstöße.

Wer Ideen aus dem Team wirklich zulässt, bleibt beweglich. - © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Der Fachkräftemangel ist zum festen Bestandteil jeder Diskussion über das Handwerk geworden. Er begegnet einem auf Podien. In politischen Gesprächen. Und in fast jedem Artikel über die Zukunft der Branche. 

Zu wenige Auszubildende. Zu wenige Bewerbungen. Zu wenige Menschen, die einen Betrieb übernehmen wollen. 

All das ist real, und trotzdem lohnt sich eine unbequeme Beobachtung. Es gibt Betriebe, die seit Jahren kaum Personal finden. Und andere, die regelmäßig Bewerbungen bekommen. Der Unterschied liegt selten im Standort und selten im Gewerk. Der Unterschied liegt häufig im Betrieb selbst. Genauer gesagt: in einem Satz. "Das haben wir schon immer so gemacht." 

Warum dieser Satz gefährlicher ist, als er klingt

Dieser Satz fällt oft beiläufig. Bei Gesprächen über Abläufe, wenn jemand eine neue Idee einbringt, oder wenn Mitarbeiter etwas verändern möchten. Der Satz klingt nach Erfahrung. Im Kern ist er etwas anderes: eine Absage an Entwicklung. 

Das Handwerk lebt von Tradition. Von Wissen, das über Generationen weitergegeben wird. 
Von Abläufen, die sich bewährt haben. Doch Tradition war im Handwerk nie gleichbedeutend mit Stillstand. Werkzeuge haben sich verändert. Maschinen haben sich verändert. Techniken haben sich verändert. Warum sollte ausgerechnet die Art, wie Betriebe geführt werden, für immer gleichbleiben? 

Stellenanzeige oder Haltung – was wirklich zieht

Heute entscheiden sich junge Menschen bewusst, wo sie arbeiten möchten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schauen genauer hin, wie Zusammenarbeit funktioniert, und Betriebe stehen längst im Wettbewerb um Menschen, nicht nur um Aufträge. Viele reagieren darauf mit neuen Stellenanzeigen oder einem Auftritt in Social Media. Das kann sinnvoll sein. 

Kathrin Post-Isenberg KPI
Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg führte jahrelang ihren eigenen Handwerksbetrieb. Heute ist sie Speakerin, Host des Podcasts "Nach fest kommt ab" und treibt die Diskussion rund um Arbeitgebermarke, Führung und Fachkräftesicherung im Handwerk voran. - © Markus Zielke

Doch manchmal beginnt die wichtigste Veränderung an einer anderen Stelle: bei der Bereitschaft, den eigenen Betrieb zu hinterfragen. Welche Abläufe funktionieren wirklich gut und welche laufen so, weil sie eben schon immer so gelaufen sind? 

Betriebe, die sich diese Frage stellen, verändern oft weniger, als man vermuten würde, aber sie bleiben beweglich. Und genau diese Beweglichkeit entscheidet am Ende darüber, ob Menschen gerne in einem Betrieb arbeiten oder eben nicht.  

3 Fragen an Ihren Betrieb 

  • Wann haben Sie zuletzt eine Idee aus Ihrem Team ausprobiert, auch wenn sie nicht von Ihnen selbst kam? 
  • Welche Abläufe in Ihrem Betrieb laufen aus Überzeugung und welche aus Gewohnheit? 
  • Und wann haben Sie zuletzt bewusst etwas verändert, obwohl es vorher auch funktioniert hat? 

Fazit 

Der Fachkräftemangel ist eine Herausforderung für viele Betriebe. Doch die Zukunft eines Unternehmens entscheidet sich selten nur auf dem Arbeitsmarkt. 

Oft beginnt sie mit einer viel einfacheren Frage im eigenen Betrieb: Machen wir das so, weil es gut ist oder weil wir es schon immer so gemacht haben? 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.