Ausbildung im Ausland Erasmus im Handwerk – wenn Azubis ins Ausland gehen

Schweißen unter der Karibik-Sonne oder die Restaurierung eines alten Klosters: Erasmus Plus ermöglicht Auslandspraktika für Azubis im Handwerk. Warum davon auch die Betriebe profitieren.

Handwerken im Ausland: So lernen Azubis neue Arbeitsweisen kennen und sammeln wertvolle Erfahrungen. - © Stella - stock.adobe.com

Griechenland, Malta oder sogar die französische Karibikinsel Martinique: Tausende Auszubildende machen jedes Jahr ein mehrwöchiges Auslandspraktikum in ihrem Handwerk. Gefördert werden viele von ihnen durch das sogenannte Erasmus-Plus-Programm der Handwerkskammern. 

Im vergangenen Jahr absolvierten über 48.000 junge Menschen ihre Ausbildung teilweise im europäischen Ausland – beispielsweise als Fliesenleger, KFZ-Mechanikerin, Lackierer oder Tischlerin. Erasmus Plus fördert über die Handwerkbetriebe unter anderem Praktika für Auszubildende oder auch Aufenthalte für junge Fachkräfte im europäischen Ausland.

Arbeiten an Jachten und Restauration eines italienischen Klosters

"Besonders beliebt sind Spanien und Italien", sagte eine Sprecherin des brandenburgischen Handwerkskammertages. Weitere Auslandsaufenthalte führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem nach Dänemark, Österreich, Schweden, Finnland, Norwegen oder in die Schweiz. Das Programm stehe grundsätzlich allen Handwerksberufen offen. 

Besonders häufig vertreten seien die Bauberufe, darunter Maurer, Fliesenleger und Straßenbauer, außerdem das Kfz-Handwerk, der Metallbau, das Elektrohandwerk sowie Tischler, Maler und Lackierer und Bäcker. Die Praktika finden demnach überwiegend in kleinen und mittleren Handwerksbetrieben sowie in Berufsbildungszentren statt.

Ein außergewöhnliches Beispiel war laut der Sprecherin ein Metallbau-Auszubildender aus Potsdam. Im November 2025 sei er für ein Praktikum auf Martinique gewesen und habe dort Montage- und Schweißarbeiten an hochwertigen Jachten gemacht. "Die Arbeiten mussten trotz der ungewohnten klimatischen Bedingungen besonders präzise ausgeführt werden." Während seines Aufenthalts lebte er demnach auf einem kleinen Segelboot – und besuchte nach seiner Rückkehr die Meisterschule.

Auch die Betriebe profitieren vom Blick in ausländische Abläufe

Für das Handwerk liege der besondere Wert darin, dass das erworbene Wissen unmittelbar in den Betrieben ankomme, heißt es von der Handwerkskammer. "Auszubildende und junge Fachkräfte lernen andere Arbeitsweisen, Techniken, Materialien und betriebliche Abläufe kennen und bringen neue Erfahrungen in ihre Ausbildungs- und Beschäftigungsbetriebe zurück." Davon profitierten nicht nur die Auszubildenden selbst, sondern auch die Unternehmen. dpa