Gastbeitrag E-Transporter im Handwerk: Wann sich der Umstieg lohnt

Regionale Einsätze, 80 bis 150 Kilometer täglich, Laden über Nacht am Betrieb – wer dieses Profil erfüllt, kann mit einem E-Transporter Energie- und Wartungskosten sparen und zahlt keine Kfz-Steuer. Doch nicht jeder Betrieb passt ins Schema. Welche Kriterien den Ausschlag geben.

Fiat E-Ducato
Vor dem Umstieg auf Elektro-Mobilität gibt es einige Fragen zu klären. - © Auto-Medienportal.Net/FCA

Der Umstieg auf Elektroantrieb ist für viele Unternehmen längst fester Bestandteil ihrer Mobilitätsstrategie. Dabei geht es um nachhaltige, aber auch regulatorische und wirtschaftliche Aspekte. Denn im Fuhrparkmanagement zählt auch der nüchterne Blick auf Daten und Fakten. Entscheidend ist die Frage: "Passt ein E‑Nutzfahrzeug zum Einsatzprofil und -zweck?"

Nicht für alle, aber für viele

Für viele Handwerksbetriebe lässt sich diese Frage mittlerweile mit "Ja!" beantworten. Wer überwiegend regional unterwegs ist, täglich zwischen 80 und 150 Kilometer zurücklegt und die Fahrzeuge über Nacht im eigenen Betrieb lädt, hat in E-Transportern (E-LCV) eine interessante Alternative zum Verbrenner, die sich auch wirtschaftlich rechnet. Die Vorteile: niedrigere Energie- und Wartungskosten und keine Kfz-Steuer. Wird eigener Solarstrom zum Laden genutzt, verbessern sich die Gesamtkosten zusätzlich.

Ingmar Zaschenbrecher
Ingmar Zaschenbrecher, Leiter der ­Alphabet-
Geschäftsstelle Düsseldorf. - © privat

Dennoch wäre es vorschnell, zu pauschalisieren. Denn bei Handwerksbetrieben, deren Fahrzeuge täglich mit schweren Anhängern unterwegs sind oder regelmäßig mit maximaler Zuladung weite Strecken fahren, muss genau beleuchtet werden, in welchem Umfang die Integration von E-Mobilität sinnvoll ist. Eines ist klar: Hohe Lasten erhöhen den Stromverbrauch und verkürzen die Reichweite.

In der Praxis relativiert sich das oft, denn viele Handwerker legen im urbanen Raum ohnehin keine 300 Kilometer pro Tag zurück. Entscheidend sind – wie im Fußball – Anforderungen und Leistung auf dem Platz, also der reale Arbeitsalltag.

Erst Status quo analysieren

Aber wie genau findet man heraus, ob es sich lohnt, vom Diesel auf einen E-Transporter umzusteigen? Wir bei Alphabet empfehlen immer eine umfassende Beratung inklusive der Bestimmung des Status quo: Dazu gehören das Erfassen der Fahrprofile, der Standzeiten, der Zuladung und der konkreten Einsatzzwecke. Aus den Ergebnissen dieser Analysen lässt sich ableiten, welcher Modellmix im Fuhrpark sinnvoll und vor welchem Zeithorizont ein Umstieg möglich ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ladeinfrastruktur. Wer dauerhaft öffentlich lädt, verschenkt bares Geld. Idealerweise laden die Fahrzeuge über Nacht am Unternehmensstandort. Damit der Einstieg in die E-Mobilität leichter fällt, gibt es in vielen Bundesländern Förderprogramme für die betriebliche Ladeinfrastruktur.

Vom Diesel- zum Elektrofan

Trotz diverser Vorteile gibt es teilweise noch Vorbehalte, auf E-Mobilität umzusteigen. Ich erinnere mich an einen Kunden aus dem Handwerk, der sich nicht vorstellen konnte, den Schritt zu gehen. Als dann sein Diesel kurzfristig ausfiel, musste er übergangsweise E‑Transporter fahren ... und wollte ihn anschließend gar nicht mehr zurückgeben. Er war so begeistert davon, dass sein Transporter morgens vor dem Start bereits angenehm gekühlt war, leise fuhr und die Reichweite für seine täglichen Touren völlig ausreichte. Sein Fazit fiel eindeutig aus: Die größte Hürde war nicht die Technik – sondern seine eigene Skepsis.

Zum Autor: Ingmar Zaschenbrecher leitet die Geschäftsstelle Düsseldorf der Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH, einem Anbieter für Unternehmensmobilität und Teil der BMW Group. Er verfügt über 30 Jahre Erfahrung im Leasing-Bereich.