Der Goldpreis hat deutlich korrigiert, Goldminenaktien sogar noch stärker. Doch genau das könnte Anlegern nun Chancen eröffnen: Die Unternehmen sind profitabler, solider finanziert und deutlich günstiger bewertet als viele andere Aktiensegmente.

Der Goldpreis hat seit seinem Allzeithoch Ende Januar 2026 bei rund 5.600 US-Dollar je Unze um knapp 25 Prozent korrigiert und Goldminenaktien mit nach unten gezogen. Newmont (ISIN US6516391066), der weltweit größte Goldproduzent, gab von seinem Allzeithoch aus um rund 30 Prozent nach. Viele Anleger trennten sich von ihren Positionen, obwohl sich die Fundamentaldaten der Branche in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben.
Warum der Hebel-Effekt funktionieren könnte
Goldminenunternehmen gelten als gehebeltes Investment auf den Goldpreis. Der Grund: Die Förderkosten einer Mine sind kurzfristig weitgehend fix. Steigt der Goldpreis, fließt ein großer Teil der Zusatzerlöse direkt in die Gewinnmarge. Umgekehrt wirkt dieser Effekt bei fallenden Preisen. Dieser operative Hebel macht Minenaktien chancenreicher als das Edelmetall selbst – und deutlich schwankungsanfälliger.
Was dieses Mal für Minenaktien spricht, ist die verbesserte Ausgangslage der Unternehmen. In den vergangenen Jahren wurden Schulden abgebaut, Kosten gesenkt und Bilanzen gestärkt. Die Förderkosten einschließlich der notwendigen Erhaltungsinvestitionen lagen laut World Gold Council zuletzt bei rund 1.700 Dollar je Unze. Bei einem Goldpreis von etwa 4.050 Dollar ergibt sich daraus eine operative Marge von mehr als 2.300 Dollar je Unze. Die starke Cashflow-Generierung eröffnet Spielräume für Aktienrückkäufe und höhere Dividenden.
Die Bewertung spricht ebenfalls für einen genaueren Blick. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis großer Produzenten wie Newmont oder Barrick Mining (ISIN CA06849F1080) liegt aktuell knapp unter 10. Im Vergleich zum MSCI World mit einem KGV von rund 27 ergibt sich damit ein deutlicher Abschlag.
Zudem wächst das globale Goldangebot nur langsam. Die Erschließung neuer Lagerstätten wird zunehmend aufwendiger und kostenintensiver. Das begrenzte Angebot dürfte den Goldpreis langfristig stützen.
Gleichzeitig sollten Anleger die Risiken klar im Blick behalten. Fällt der Goldpreis weiter, trifft das Minenaktien in der Regel überproportional. Steigende Förderkosten, politische Risiken in den Förderländern oder eine schwache Entwicklung an den Aktienmärkten können die Erträge belasten. Goldminenaktien eignen sich daher eher als Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio.
ETFs für den Einstieg
Für den Einstieg bieten sich neben Einzelwerten ETFs an, die das Einzelwertrisiko streuen. Beispielhaft seien hier zwei ETFs genannt: der iShares Gold Producers UCITS ETF (ISIN IE00B6R52036) und der VanEck Gold Miners UCITS ETF (ISIN IE00BQQP9F84).
Zur Autorin: Stefanie Dyballa ist Portfoliomanagerin bei der KSW Vermögensverwaltung AG, Nürnberg.