Die Baugenehmigungen im Wohnungsbau verzeichnen im 1. Halbjahr 2026 ein Plus von über 15 Prozent – der stärkste Anstieg seit zehn Jahren. Doch steigende Stornierungsquoten und hohe Baukosten dämpfen die Aussichten im Bauhauptgewerbe.

Das Statistische Bundesamt hat die aktuellen Zahlen zu den Baugenehmigungen für Juni sowie für das gesamte erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Gleichzeitig kommentiert der Zentralverband Deutsches Baugewerbe die Entwicklung mit deutlicher Zurückhaltung. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, bringt die Lage auf den Punkt: "Der Wohnungsbau zeigt erste Anzeichen einer leichten Erholung. Von einer Trendwende sind wir aber noch weit entfernt."
Die Entwicklung im Juni 2026 im Detail
Im Juni 2026 wurde in Deutschland der Bau von 21.600 Wohnungen genehmigt, was einem Zuwachs von 13,8 Prozent oder 2.600 Baugenehmigungen gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Der Großteil davon entfiel auf den Neubau, in dem die Zahl der genehmigten Wohnungen um 14,1 Prozent beziehungsweise 2.200 auf insgesamt 17.800 stieg. Die Zahl der Wohnungen, die durch Baumaßnahmen und Umbau an bestehenden Gebäuden entstehen, legte im Juni 2026 im Vergleich zum Juni 2025 um 12,1 Prozent oder 400 auf 3.900 Einheiten zu.
Erstes Halbjahr 2026 zeigt stärksten Anstieg seit zehn Jahren
In der Bilanz des gesamten ersten Halbjahres 2026 wurden Baugenehmigungen für 126.300 Wohnungen erteilt. Das sind 15,1 Prozent beziehungsweise 16.600 Wohnungen mehr als im ersten Halbjahr 2025 (im Bauhauptgewerbe für Betriebe ab 20 Beschäftigten liegt das Plus laut ZDB bei 15,6 Prozent). Stärker war die Zahl der Baugenehmigungen in den ersten sechs Monaten zuletzt im Jahr 2016 gestiegen, als ein Plus von 30,4 Prozent verzeichnet wurde. Allerdings erfolgt die aktuelle Zunahme von einem sehr niedrigen Niveau aus den Vergleichszeiträumen der Jahre 2024 mit 106.700 und 2025 mit 109.800 Wohnungen. Einen ähnlich niedrigen Wert wie in den Vorjahren gab es zuvor nur im ersten Halbjahr 2011 mit 108.600 Wohnungen.
Aufschlüsselung nach Bautypen im Neubau und Bestand
Bei den neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden im ersten Halbjahr insgesamt 103.100 Wohnungen genehmigt, was ein Plus von 15,8 Prozent oder 14.100 Neubauwohnungen bedeutet. Den stärksten Anteil halten Mehrfamilienhäuser mit 67.000 Einheiten, was einem Anstieg um 16,9 Prozent entspricht. Die Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser stiegen um 12,7 Prozent auf 24.000 Wohnungen, während Zweifamilienhäuser prozentual am stärksten um 27,3 Prozent auf 7.700 Wohnungen zulegten. Die Wohnheime verzeichneten einen leichten Anstieg um 0,9 Prozent auf 4.400 Einheiten. Ergänzend wurden in neuen Nichtwohngebäuden, wie etwa Hausmeisterwohnungen oder Wohnungen über Gewerbeflächen, 2.400 Einheiten genehmigt (+42,7 Prozent). Umbaumaßnahmen im Bestand machten im Halbjahr 20.800 genehmigte Wohnungen aus (+9,2 Prozent).
Steigende Stornierungsquoten belasten die Baupraxis
Trotz der positiven Statistiken schlägt die Realität auf den Baustellen oft anders aus. Pakleppa warnt davor, Genehmigungen mit tatsächlichen Bauten gleichzusetzen: "Das ist ein Hoffnungsschimmer, aber noch kein Durchbruch. Denn während die Genehmigungszahlen steigen, werden gleichzeitig wieder mehr Projekte storniert. Eine Baugenehmigung ist noch keine gebaute Wohnung. Sie ist erst der Startschuss." Wie aktuelle Daten des ifo-Instituts belegen, berichten mittlerweile 13,1 Prozent der Bauunternehmen von stornierten Vorhaben, nachdem es im Vormonat 11,4 Prozent waren. Geht die Finanzierung im Nachgang nicht auf, fällt der reale Bauauftrag weg und der Wohnungsmangel bleibt bestehen.
Politische Hebel für verlässliche Rahmenbedingungen
Damit genehmigte Bauten schlussendlich realisiert werden, verlangt das Baugewerbe sofortige Weichenstellungen bei Kosten und Förderung. „Was für Häuslebauer und Investoren zählt, damit am Ende tatsächlich gebaut wird, ist Verlässlichkeit“, betont Pakleppa. Konkret fordert die Branche die rasche rechtliche Etablierung des Gebäudetyps E zur Absenkung der Baukosten sowie eine verlässliche und auskömmliche Ausstattung der KfW-Förderprogramme. Nach Einschätzung des Verbandes ist jetzt der letzte Zeitpunkt, dem Wohnungsbau in der laufenden Legislaturperiode den nötigen Schwung zu verleihen und die Bauwirtschaft nachhaltig zu stützen. avs