Vermögensschutz im Blick 13 Prozent Minus bei Gold: Korrektur oder Trendwende?

Gold hat nach seiner Rallye deutlich korrigiert. Auslöser waren höhere Realzinsen und ein stärkerer US-Dollar. Für langfristig orientierte Anleger ändert das wenig an der strategischen Rolle des Edelmetalls. Die Schwächephase kann Anlass sein, seine Positionen neu auszurichten.

Nach dem Rekordhoch über 4.000 US-Dollar hat der Goldpreis kräftig nachgegeben. - © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Gold hat eine außergewöhnliche Rallye hinter sich, gefolgt von einem ebenso deutlichen Rückschlag. Nachdem der Preis zeitweise über 4.000 US-Dollar je Feinunze gestiegen war, verlor das Edelmetall im zweiten Quartal 2026 mehr als 13 Prozent und rutschte Anfang Juli wieder unter diese Marke. Der abrupte Stimmungswechsel wurde vor allem durch eine restriktivere Auslegung der US-Geldpolitik, steigende Realzinsen und einen festeren US-Dollar ausgelöst. Für ein Asset ohne laufenden Ertrag ist diese Kombination belastend, weil kurzlaufende Staatsanleihen attraktiver werden und der Dollar Goldkäufe außerhalb der USA verteuert. Der Rückgang ist daher kein ungewöhnliches Ereignis, sondern eine klassische Korrektur nach einer sehr starken Aufwärtsbewegung.

Weiterer Absturz oder baldige Erholung?

Für Anleger stellt sich die Frage: Handelt es sich um das Ende des Aufwärtstrends oder um eine Korrektur, die den Aufbau strategischer Positionen wieder attraktiver macht?
Die langfristigen Käufer sind vorhanden. Zentralbanken haben ihre Bestände in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Das World Gold Council berichtet, dass die jährlichen Zentralbankkäufe von 2022 bis 2024 jeweils über 1.000 Tonnen lagen; 2025 blieben sie mit 863,3 Tonnen hoch. In der jüngsten Befragung des World Gold Council rechneten 45 Prozent der teilnehmenden Zentralbanken damit, die eigenen Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen.

Der fiskalische Hintergrund

Viele westliche Staaten haben hohe Schulden, während die Märkte erwarten, dass Notenbanken die Inflation kontrollieren und das Wachstum nicht abwürgen. Daraus entsteht ein Spannungsfeld, das Gold langfristig stützt. Je stärker die Tragfähigkeit öffentlicher Haushalte infrage steht, desto wichtiger wird ein Vermögenswert, der keine Verbindlichkeit eines Staates oder Unternehmens ist.

Banken beurteilen die Schwächephase unterschiedlich. Einige Häuser haben ihre kurzfristigen Prognosen gesenkt, weil der US-Dollar stärker blieb und die Zinserwartungen ungünstiger wurden. Andere sind positiver gestimmt. Die UBS erwartet auf Sicht von zwölf Monaten deutlich höhere Goldpreise und verweist auf mögliche Zinssenkungen, einen schwächeren Dollar und anhaltende Zentralbanknachfrage.

Der aktuelle Gegenwind durch höhere Realzinsen kann anhalten, beseitigt aber nicht die Gründe, aus denen Gold gehalten wird. Denn wer Gold im Portfolio hält, tut dies nicht wegen laufender Erträge, sondern wegen seiner Funktion in Phasen, in denen Geldpolitik und Staatsfinanzen an Vertrauen verlieren und geopolitische Risiken zunehmen. Gerade deshalb sollte Gold nicht nach der Stimmung eines einzelnen Quartals beurteilt werden.

Gold sollte nicht als kurzfristige Wette auf den nächsten Zinsschritt betrachtet werden. Sinnvoller ist, eine strategische Quote zu definieren, die bei Übertreibungen reduziert und nach deutlichen Korrekturen wieder aufgebaut wird. Wer den jüngsten Rückgang nutzt, kauft keine schnelle Erholung, sondern eine Versicherung gegen Risiken, die eher größer als kleiner werden: unsichere Geldpolitik, hohe Staatsschulden, geopolitische Spannungen und Zweifel an der Stabilität einzelner Währungsräume.

Zum Autor: Mirko Kohlbrecher ist Investmentstratege bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück.