Kolumne "Führung ist kein Zusatzjob – Führung ist der Job"

Anweisungen von oben, Zahlen im Blick, Menschliches nebenbei – so funktionieren viele Handwerksbetriebe bis heute. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg beschreibt in ihrer DHZ-Kolumne, warum genau dieses Muster Betriebe Fachkräfte kostet. Und was Chefs stattdessen tun müssen.

Kurzer Austausch in der Pause: Regelmäßige Gespräche zwischen Chef und Team gehören für Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg zum Kern guter Führung im Handwerk.

Was bedeutet Führung im Handwerk – und wie muss sie heute sein? Es geht nicht darum, nur Befehle zu erteilen, sondern als Rahmengeber und Begleiter das Team mit seiner gesamten Persönlichkeit zu unterstützen. In Gesprächen mit Führungskräften und in meinen Workshops habe ich immer wieder festgestellt, dass es vor allem um drei Dinge geht: Authentizität, Vertrauen und Selbstorganisation. 

Viele von uns sind in einer Arbeitswelt aktiv, in der sich Anforderungen ständig wandeln. Ein guter Führungsstil bedeutet, flexibel zu bleiben, stets ein offenes Ohr für die Anliegen des Teams zu haben und den Mut aufzubringen, eigene Schwächen zu zeigen. Dabei ist es wichtig, nicht nur auf Zahlen und Fakten zu schauen, sondern das Menschliche nicht zu vernachlässigen. 

Dem Team Raum geben

Für die Arbeitgeber kleiner Teams bedeutet das viel Arbeit, die häufig als Zusatzaufgabe gesehen wird. Führung ist jedoch kein Zusatzjob. Führung ist der Job. Dessen müssen wir uns im Handwerk unbedingt bewusstwerden. 

Das bedeutet, Verantwortung als Privileg zu sehen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Freiräume zu geben, in denen sie sich selbst organisieren können. Diese Art zu führen bewirkt, dass Menschen sich öffnen, ihre Kreativität einbringen und gemeinsam Lösungen entwickeln, statt sich in starren Hierarchien zu verlieren.

Kathrin Post-Isenberg KPI
Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg führte jahrelang ihren eigenen Handwerksbetrieb. Heute ist sie Speakerin, Host des Podcasts "Nach fest kommt ab" und treibt die Diskussion rund um Arbeitgebermarke, Führung und Fachkräftesicherung im Handwerk voran. - © Markus Zielke

Gute Führung im Handwerk heißt auch, den Mut zu haben, von traditionellen Mustern abzuweichen. Früher war es oft ausreichend, einfach Anweisungen zu geben – heute aber fordert die Realität ein Gespür für die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter. Sei es, dass Sie einem Teammitglied in stressigen Zeiten mehr Rückhalt geben oder den Blick für das große Ganze bewahren: Wenn Sie authentisch und menschlich führen, fühlen sich Ihre Mitarbeiter verstanden und bleiben Ihrem Unternehmen treu. 

Darauf kommt es an

  1. Seien Sie authentisch: 
    Zeigen Sie, wer Sie wirklich sind – mit all Ihren Stärken und auch Ihren Schwächen. Authentizität schafft Vertrauen und ermöglicht es Ihren Mitarbeitern, sich ebenfalls zu öffnen. 
  2. Fördern Sie Selbstorganisation: 
    Geben Sie Ihrem Team die Freiheit, Aufgaben eigenständig zu bearbeiten. Setzen Sie auf regelmäßige Abstimmungen, in denen alle miteinander sprechen und gemeinsam Lösungen finden – so wird Ihr Team nicht nur effizienter, sondern auch motivierter. 
  3. Bauen Sie auf offene Kommunikation: 
    Schaffen Sie eine Atmosphäre, in der es in Ordnung ist, über Probleme und Stress zu sprechen. Regelmäßige Runden und persönliche Gespräche helfen, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam anzugehen. 

Fazit

Führung im Handwerk ist mehr als nur ein organisatorischer Auftrag – sie ist eine Frage des Miteinanders. Wenn Sie als Führungskraft den Mut haben, authentisch und flexibel zu sein, legen Sie den Grundstein für ein Arbeitsumfeld, in dem sich jeder geschätzt fühlt. Und genau das bringt nicht nur bessere Ergebnisse, sondern auch Freude an der Arbeit – Tag für Tag. 
 
Eine Sache gibt es dabei fast gratis dazu: Gute Führung spricht sich herum. Menschen wollen gut geführt werden. Im Zusammenhang mit der Suche nach passenden Fachkräften kann das für viele Betriebe eine große Hebelwirkung entfalten.

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.