Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, welche Baustoffe sich binnen eines Jahres am stärksten verteuert haben. Hintergrund ist vor allem der durch den Iran-Konflikt getriebene Ölpreis. Wie sich Handwerksbetriebe gegen Preissprünge wappnen.

Bitumen kostet im Mai 31,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das meldet das Statistische Bundesamt. Der auf Erdölbasis hergestellte Baustoff führt damit die Liste der Preistreiber an. Auch andere energieintensiv produzierte Materialien sind teurer geworden: Flachglas verteuerte sich um 15,4 Prozent, Dachlatten um 11,8 Prozent und Bauschnittholz um 11,4 Prozent.
Hintergrund der Preissprünge ist laut Statistischem Bundesamt vor allem der gestiegene Ölpreis, den der Iran-Konflikt ausgelöst hat. Metalle legten im gleichen Zeitraum um 11,1 Prozent zu. Mineralische Baustoffe wie Kalk und Gips wurden um 4,3 Prozent teurer.
Preise weit über Vorkrisenniveau
Mittelfristig zeigt sich ein deutliches Bild: Nahezu alle Baumaterialien kosteten 2025 deutlich mehr als vor der Energiekrise, die im Frühjahr 2022 mit dem russischen Angriff auf die Ukraine begann.
Mineralische Baustoffe wie Zement liegen 57,7 Prozent über dem Niveau von 2021. Dachziegel kosten 42,4 Prozent mehr, Flachglas 20,5 Prozent. Eine Ausnahme bilden Holzprodukte: Dachlatten sind heute 14,1 Prozent günstiger als 2021.
Wohnungsbau auf Tiefstand
Die hohen Baukosten gelten als wichtiger Faktor für den Einbruch im Wohnungsbau. 2025 wurden in Deutschland nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt – ein langjähriger Tiefstand, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. fre/dpa
So wappnen sich Betriebe gegen steigende Preise
- Angebote befristen: nur kurze Bindungsfrist und dies klar kennzeichnen. Nach Fristablauf sind Sie rechtlich nicht mehr an den ursprünglichen Preis gebunden
- Preisanpassung sauber vereinbaren: Bei größeren, länger laufenden Projekten individuelle Stoffpreisgleitklauseln bzw. Energiepauschalen direkt im Vertrag aufnehmen – nicht pauschal in die AGB schreiben
- Einkaufspreise absichern: Wenn möglich, Lieferantenangebote mit Preisbindung einholen oder sich schriftliche Preiszusagen geben lassen. Bei unsicheren Märkten besser kleinere Lose bestellen, um nicht auf Spitzenpreisen sitzenzubleiben
- Mit Kunden sprechen: Steigende Einstandspreise frühzeitig ansprechen, Nachkalkulationen transparent begründen und Nachverhandlung versuchen, bevor der Auftrag zum Verlustgeschäft wird
- Eigenen Energieverbrauch senken: Die betriebliche Energieeffizienz prüfen (Fahrzeugflotte, Werkstatt, Büro), Förderprogramme nutzen und Strom-/Gasverträge regelmäßig neu verhandeln
- Beratungsangebote der Handwerkskammer in Anspruch nehmen