Für das Handwerk bahnt sich die nächste demografische Welle an. Erstmals sinkt auch in Westdeutschland die Zahl der unter Dreijährigen in Kitas, ab 2027/28 erwartet der Nationale Bildungsbericht zudem rückläufige Grundschüler-Zahlen. Schon heute meldet der Bericht bei den Ausbildungsverträgen einen Tiefststand.

Das deutsche Bildungssystem steht vor großen Herausforderungen. "Gute Bildung bleibt die Schicksalsfrage für unser Land", sagte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) bei der Vorstellung des Nationalen Bildungsberichts. Dies zeige sich schon in der frühkindlichen Bildung. "Die Bildungsschere geht ab Geburt auf, öffnet sich weiter bis zur Einschulung und wird dann im Verlauf der Schulzeit nicht mehr kleiner", sagte sie. Sie sprach sich für verbindliche Sprachtests und frühe Sprachförderung aus. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf will sie noch vor der Sommerpause vorlegen.
Jetzt auch weniger Kita-Kinder in Westdeutschland
Der Bericht macht zudem die Folgen des Geburtenknicks seit 2022 deutlich. So sinkt die Zahl der in Kitas betreuten Kinder unter drei Jahren erstmals auch in Westdeutschland. In Ostdeutschland gibt es den Trend schon länger. Ab dem Schuljahr 2027/28 seien zudem abnehmende Schülerzahlen an den Grundschulen zu erwarten, auch weil weniger Menschen zuwandern als zuletzt. Gleichwohl gebe es noch weiteren Bedarf an Kita- und Ganztagsbetreuung in Schulen.
Längst nicht jeder schafft einen Schulabschluss
Der Nationale Bildungsbericht wird seit 20 Jahren alle zwei Jahre als umfassende Bestandsaufnahme des Bildungsbereichs in Deutschland vorgelegt. Wie Mitautor Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation betonte, hätten sich in den ersten zehn Jahren die Kompetenzen durchaus verbessert und die Ungleichheiten abbauen lassen. In der zweiten Dekade sei dies nicht weiter gelungen. Insgesamt ist der Anteil derjenigen, die keinen Schulabschluss erworben haben, auf acht Prozent der entsprechenden Altersgruppe gestiegen.
Maaz: Bildungsübergänge müssen gelingen
Dabei entscheidet sich die Leistungsfähigkeit nach seinen Worten zunehmend an den Schnittstellen des Bildungssystems. "Es geht darum, dass Bildungsübergänge gelingen", sagte Maaz. Er betonte, dass 2024 ein Viertel der Schüler der 9. Klasse, die den mittleren Bildungsabschluss anstrebten, nicht die Mindestkompetenzen in Mathematik vorweisen konnten. Dies verweise auf längerfristige strukturelle Probleme bei der Sicherung dieser Kompetenzen.
Passungsprobleme in der beruflichen Bildung
Mit Blick auf die Berufsbildung verweist der Bericht auf die sinkende Zahl von abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Betriebe und Bewerber fänden schlecht zueinander. Auch würden Lehren abgebrochen und Prüfungen nicht bestanden. Mit rund 492.000 neuen Ausbildungsabschlüssen sei zuletzt ein Tiefststand erreicht worden. Die Zahl der Studienanfänger werde dem Bericht zufolge in den nächsten Jahren noch steigen, dann aber demographiebedingt sinken.
Mit Inhalten der dpa