Konflikt vor Verhandlung Gebäudereiniger: Harter Tarifstreit zeichnet sich ab

Am 9. September 2026 startet die erste Verhandlungsrunde im Gebäudereiniger-Handwerk – die Positionen liegen weit auseinander. Die IG BAU fordert zwei Euro mehr pro Stunde, der Bundesinnungsverband spricht von "Symbolpolitik" angesichts der schwächsten Branchenstimmung seit Jahren. Im größten Handwerk Deutschlands mit 700.000 Beschäftigten bahnt sich ein zäher Konflikt an.

Glas- und Fassadenreiniger arbeiten in Lohngruppe 6 – die IG BAU fordert für sie künftig 20,40 statt 18,40 Euro pro Stunde. - © Aleksandr Fedosov - stock.adobe.com

13,3 Prozent mehr für die unterste Lohngruppe: Die IG BAU geht mit einer Forderung von zwei Euro mehr pro Stunde in die nächste Tarifrunde des Gebäudereiniger-Handwerks. Die Bundestarifkommission beschloss den Festbetrag bei zwölf Monaten Laufzeit – für alle Beschäftigten.

Konkret würde der Stundenlohn in der Einstiegslohngruppe LG 1, die zugleich Branchenmindestlohn ist, von 15 auf 17 Euro steigen. Glas- und Fassadenreiniger:innen (LG 6) kämen statt auf 18,40 Euro künftig auf 20,40 Euro. Der derzeitige Tarifvertrag läuft Ende 2026 aus.

Gewerkschaft verweist auf Inflation und niedrige Stundensätze

"Bewusst fordern wir einen Festbetrag, damit vor allem die unteren Lohngruppen angehoben werden", sagt Ulrike Laux, im Vorstand der IG BAU zuständig für die Gebäudereinigung. Lebensmittelpreise, Energiekosten und Mieten seien stark gestiegen und belasteten die Haushaltskassen der Beschäftigten.

Laux kritisiert zudem die aus ihrer Sicht zu niedrigen Stundensätze, die Kunden für Reinigungsleistungen zahlen. "In anderen Handwerksbranchen sind mindestens 45 oder sogar über 60 Euro pro Stunde der Preis für die Ausführung der Leistung. In der Gebäudereinigung weniger als die Hälfte." Die Firmen müssten die Beschäftigten an den Gewinnen beteiligen.

Das Gebäudereiniger-Handwerk ist mit einem Jahresumsatz von über 29,5 Milliarden Euro und rund 700.000 Beschäftigten das größte Handwerk in Deutschland. Etwa 500.000 davon arbeiten zum Branchenmindestlohn, ein Großteil Frauen. In den Betrieben des Bundesinnungsverbandes sind rund 80 Prozent aller Beschäftigten angestellt.

BIV: "Je schlechter die Lage, desto lauter die Forderungen"

Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) lehnt die Forderung entschieden ab. "Nach Jahren der Stagnation und Rezession befindet sich die deutsche Wirtschaft weiterhin in einer Schwächephase", sagt Christian Kloevekorn, Vorsitzender der BIV-Tarifkommission. Die hohen Inflationsjahre seien vorbei, die Belastungen der Betriebe nicht. Debatten über höhere Sozialversicherungsbeiträge und zusätzliche Abgaben ließen weiter steigende Lohnnebenkosten erwarten.

Die aktuelle Konjunkturumfrage des Verbands zeige das schlechteste Stimmungsbild in der Gebäudereinigung seit Beginn der Erhebungen. Kunden aus Industrie, Büro und Verwaltung kürzten Aufträge, schöben Investitionen auf, und es werde weniger eingestellt.

"Vor diesem Hintergrund ist der Tarifvorstoß der IG BAU kein verantwortungsvoller Beitrag für die Branche, sondern Symbolpolitik ohne Bezug zur ökonomischen Realität", so Kloevekorn. "Offenbar gilt: Je schlechter die Lage, desto lauter die Forderungen." Für die Betriebe und das personalintensive Handwerk sei die Forderung "kein Lösungsvorschlag, sondern Teil des Problems".

Vorangegangener Abschluss brachte 11 Prozent über zwei Jahre

Für die Kalkulation der Betriebe wäre die Forderung ein deutlicher Sprung: Allein in LG 1 läge das Plus mit 13,3 Prozent über zwölf Monate höher als der gesamte vorangegangene Abschluss – und der war über zwei Jahre gestreckt. Der aktuell geltende Tarifvertrag stammt vom November 2024. Damals einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft nach vier Verhandlungsrunden auf einen Stufenplan: Der Branchenmindestlohn in der Lohngruppe 1 stieg um 11,1 Prozent, die Löhne in der Lohngruppe 6 um knapp 10,2 Prozent – verteilt auf zwei Jahre. Seit Februar 2025 ist der Vertrag allgemeinverbindlich und gilt damit für alle gewerblich Beschäftigten in der Gebäudereinigung. Auch die Ausbildungsvergütungen stiegen zum 1. Januar 2025, je nach Lehrjahr auf 1.000, 1.150 und 1.300 Euro.

Die IG BAU stellt ihre neue Forderung passend zum internationalen Tag der Gebäudereinigung am 15. Juni vor. Seit 36 Jahren machen Beschäftigte aus Reinigung und Sicherheitsdiensten an diesem Tag weltweit auf ihre Arbeitsbedingungen aufmerksam. Der Aktionstag erinnert an eine Demonstration von Reinigungskräften 1990 in Los Angeles, die trotz polizeilicher Gewalt mit einer Lohnerhöhung von 25 Prozent endete.