Der Irankrieg hat die Erholung ausgebremst, 73 Prozent der Betriebe meldeten zuletzt steigende Einkaufspreise. Gleichzeitig ziehen Tiefbau, Wohnungsbau und Kfz-Geschäft an. Wo Handwerksbetriebe jetzt mit Rückenwind rechnen können – und wo der Gegenwind bleibt.

Großbestellungen trieben zum Ende des vergangenen Jahres die Auftragszahlen der deutschen Industrie in die Höhe. Dahinter steckten Beschaffungen für die Landesverteidigung. Ein breites Investitionsfeuerwerk war das nicht, aber die Richtung stimmte. Doch bevor der wirtschaftliche Aufschwung Fahrt aufnehmen konnte, verpasste ihm der Irankrieg einen Dämpfer. Vor dem Hintergrund der wackligen Wachstumsprognosen beleuchtet die DHZ die Erholungschancen der Handwerkskonjunktur.
Stimmungskiller Energiepreise
Mit Beginn der Kriegshandlungen rund um die Straße von Hormus sind die Preise für Öl, Gas und Kraftstoffe rasant gestiegen. Aber auch einige der wichtigen "Schmierstoffe" der Weltwirtschaft sind betroffen, z.B. Chemikalien, Düngemittel, Schwefel oder Helium. Die Lieferstätten sind teilweise beschädigt, die Lieferketten unterbrochen.
Seriöse Vorhersagen darüber, wann wieder Normalität in der Region einkehrt, sind unmöglich. Großer Schaden ist bereits entstanden. Aus den von der DHZ untersuchten Befragungen geht hervor, dass 73 Prozent der Handwerker im 1. Quartal 2026 steigende Einkaufspreise verzeichneten. Über höhere Produktions- und Transportkosten schlagen die Energiepreise auch auf Waren, Baustoffe und Dienstleistungen durch.
Erwartungen leicht aufgehellt
Der Preishammer hat die Stimmung verdorben. Die Handwerksfirmen vergaben wieder häufiger schlechte Noten für ihre Geschäftslage. Die Erwartungen hellten sich gegenüber dem schwachen Vorjahr ein wenig auf. Der Geschäftsklima-Index landete somit bei 105 Punkten, war ebenso hoch wie im 1. Quartal 2025. Nur der Ausbau hob den Daumen.
Schon zu Beginn des Jahres waren die Geschäfte witterungsbedingt unter Druck geraten, weil die kalte und schneereiche Witterung die Bautätigkeit bis in den Februar hinein stark eingeschränkt hatte. Für das 1. Quartal meldeten die Befragten durchschnittlich 75 Prozent Auslastung. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Minus von einem Punkt. Der Fünf-Jahres-Durchschnitt wurde um drei Punkte verfehlt.
Auftragslage bleibt angespannt
Drei Jahre lang sind die Auftragspolster im Handwerk geschrumpft. Nach den aktuellen Umfragen bekommen die Handwerker auch jetzt nicht mehr Planungssicherheit. Im Gegenteil, die Reichweite der Bestellungen sank binnen Jahresfrist auf 2,2 Monate. Nur 16 Prozent der Befragten meldeten steigende Auftragseingänge im Winter. Vor einem Jahr waren es 15 Prozent.
Weiter im Nachfragetief befindet sich das Handwerk für den gewerblichen Bedarf. 38 Prozent der Befragten litten unter einem Minus bei den Bestellungen. Offensichtlich sickern die Großaufträge für die metallverarbeitende Industrie noch nicht bis ins Handwerk durch. Die Autoindustrie und ihre großen Zulieferer fallen derzeit als Zugpferd ebenfalls aus. Diese Unternehmen bauen weiter Kapazitäten ab.
Laut amtlicher Statistik drehten die nominalen Umsätze im Handwerk zur Jahresmitte 2025 ins Plus. Das Gesamtjahr schloss dann mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent. Im Schlussquartal wiesen alle Branchengruppen einen Anstieg gegenüber 2024 auf. Besonders kräftig waren die Impulse im Gesundheitshandwerk und in den Kfz-Betrieben.
Dass es 2026 weiter nach oben geht, ist wegen der Kriegsturbulenzen nicht mehr ausgemacht. Dennoch gibt es Hoffnung: Nach Ansicht der Ökonomen soll die Binnenwirtschaft an Kraft gewinnen – für das Handwerk eigentlich ein guter Nährboden. Die Staatsausgaben werden in den nächsten Monaten steigen. Viel Geld wird für Verteidigung ausgegeben, aber auch für den Erhalt und die Errichtung von Schienen und Straßen, von Kommunikations- und Energienetzen, von Rechenzentren.
Talsohle noch nicht erreicht
Die Beschäftigungsentwicklung im Handwerk hat die Talsohle noch nicht erreicht. Seit 2021 ist das Vorzeichen negativ. Für 2025 vermeldete das Statistische Bundesamt ein vorläufiges Minus von 1,5 Prozent. Im Monatsmittel fielen also 6.500 Arbeitsplätze weg. Sowohl am Bau als auch bei Industriezulieferern waren die Verluste überdurchschnittlich.
Auf der anderen Seite können viele Betriebe ihre offenen Stellen nicht besetzen. Personalabbau und Fachkräftemangel treten also gleichzeitig auf – typische Anzeichen eines Strukturwandels. Sein Tempo wird von den massenhaft abtretenden Boomern forciert.
Wichtig für die Prognose der Handwerkskonjunktur ist die Einschätzung der Bautätigkeit. Unübersehbar ist, dass der Tiefbau Fahrt aufgenommen hat. Daran ändert auch der enttäuschende Jahresauftakt nichts. Der Bedarf ist riesig, wird nur durch die knappen Kassen der Kommunen gebremst. Falls das Sondervermögen für Infrastruktur und Kommunikation wirklich für zusätzliche Investitionen genutzt wird, ist ein weiterer kräftiger Impuls zu erwarten. Was aber passiert im Wohnungsbau? Die Genehmigungszahlen für Neu- und Umbauprojekte gelten als wichtiger Frühindikator. 2025 wurden rund ein Zehntel mehr Wohnungen freigegeben als im Vorjahr. Im Januar setzte sich dieser Trend fort. Außerdem wuchs das Kreditvolumen, das die KfW für Häuslebauer und energieeffiziente Sanierer vergibt, im vergangenen Jahr spürbar. Nach langer Talfahrt geht es also nach oben. Damit das so bleibt, hat die Bundesregierung u.a. den "Bauturbo" gezündet; er soll Genehmigungsprozesse verkürzen und Abweichungen vom Baurecht erleichtern. Außerdem gibt es Zuschüsse für den Umbau von Büros in Wohnungen.
Ob das neue Gebäudemodernisierungsgesetz ein weiterer Pluspunkt bei der Beurteilung der künftigen Baukonjunktur wird, ist noch nicht ganz geklärt. Mit der zum 1. Juli angepeilten Novelle dürfte dann zumindest wieder Klarheit herrschen für Bauherren, die in eine neue Heizung investieren. Generell stehen Fachleute aus dem Handwerk der Kursänderung der Bundesregierung bei der Energiewende skeptisch gegenüber. Vor allem die vom Wirtschaftsministerium geplante Abschaffung der Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen erfährt Kritik, nachdem die Nachfrage schon 2025 unter Druck geraten ist.

Förderung von E-Autos
Die Kfz-Betriebe weiteten 2025 ihre Umsätze um 2,3 Prozent aus. Ob sich dies in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres fortgesetzt hat, ist noch unklar. Hinweise auf einen lebhaften Handel gibt die Zulassungsstatistik. Danach wurden von Januar bis März 5,2 Prozent mehr neue Pkw für den Verkehr freigegeben als 2025. Vor allem elektrisch angetriebene Fahrzeuge fanden mehr Zuspruch.
Offen ist, inwieweit die neue E-Auto-Prämie dazu beigetragen hat, die 2026 zusätzlich zu den bestehenden Steuervorteilen gewährt wird. Die Bundesregierung möchte Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen zum Umstieg bewegen. In jedem Fall dürfte der hohe Spritpreis das Interesse potenzieller Autokäufer auf Elektrofahrzeuge lenken.
Konsum stottert
Das Geschäft der privaten Dienstleister und der Lebensmittelhandwerke hängt recht unmittelbar von der Kauflaune ab. Auf den ersten Blick gibt es gute Gründe, die für Zuwachsraten beim Konsum sprechen. Seit 2023 nehmen die Reallöhne zu, 2025 um knapp zwei Prozent. Gleichzeitig wurde die Mehrwertsteuer im Gastrobereich gesenkt.
Trotz dieser Spielräume steckt Deutschland auch nach dem Jahreswechsel weiter in einer Konsumflaute. Zuletzt trübte sich das GfK/NIM-Konsumklima sogar noch stärker ein. Urheber war der Iran-Krieg, der eine rasante Verteuerung von Sprit, Gas und Heizöl auslöste. Die Verbraucher sind verunsichert. Sie rechnen mit wachsenden Belastungen; neben den Energiepreisen dürften vor allem die Beiträge für die Sozialversicherungen steigen. Zudem fallen in der Industrie immer mehr Jobs weg.
Getrübter Ausblick: Aufschwung fällt erst mal aus
Das Handwerk ist enttäuscht. Enttäuscht vom konjunkturellen Fehlstart und gleichermaßen von der Bilanz der neuen Bundesregierung nach einem Jahr. An den erhofften moderaten Aufschwung glauben aktuell nur wenige. Der Irankrieg bringt nicht nur Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Energieträgern in Erinnerung, er raubt auch Kaufkraft und nimmt Sicherheit. Genau die brauchen aber Investoren und Konsumenten. Bleibt die Inflation dauerhaft höher, steigt der Druck auf die Notenbanken, die Zinsen anzuheben. Für die Bau- und Investitionstätigkeit wäre das ein herber Rückschlag.
Nichtsdestotrotz verbindet das Handwerk mit dem staatlich finanzierten Ausbau der Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsnetze berechtigte Hoffnungen. Die Auftragseingänge im Tiefbau haben 2025 ein Rekordniveau erreicht. Großaufträge bei der Bahnstreckensanierung und beim Ausbau der digitalen Infrastruktur trugen maßgeblich dazu bei. Durch diesen Startimpuls sollte der Herzschlag der deutschen Wirtschaft stabilisiert werden. Langfristige Heilung, um im Bild zu bleiben, versprechen jedoch nur Deregulierung und Strukturverbesserung. Die Kosten für Sozialversicherungen und Energie müssen runter.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks rechnete bereits im Februar nur mit einem nominalen Miniwachstum der Umsätze 2026. Zudem kalkulierte man mit einem Verlust von rund 60.000 Beschäftigten. Daraus erwächst ein neues Problem: Falls die Konjunktur im Laufe des Jahres doch noch in Gang kommt, muss das Handwerk produktiver werden, will es mehr Aufträge bewältigen. Neben der Demografie lähmt der schwierige Nachfolgeprozess den Personalaufbau. Knapp die Hälfte der Inhaber und Inhaberinnen beschäftigt sich laut Creditreform mit der Übergabe des eigenen Betriebs. In so einer Phase neigt man nicht zu Kapazitätserweiterungen.
In den kommenden Jahren stehe bei Tausenden Handwerksbetrieben ein Generationswechsel an. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer finden jedoch kaum eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Familieninterne Lösungen werden seltener, gleichzeitig fehlten externe Interessenten oder geeignete Fachkräfte, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, zeigt eine Analyse von Creditreform. Die Folge: Wirtschaftlich gesunde Betriebe verschwinden vom Markt – nicht, weil sie ökonomisch scheiterten, sondern weil niemand die unternehmerische Verantwortung übernehme. Besonders in ländlichen Regionen könne das gravierende Auswirkungen haben: vom fehlenden Installateur über geschlossene Bäckereien bis hin zum Stillstand auf Baustellen.
Das größte Hemmnis bei der Unternehmensnachfolge, so Creditreform, stelle der bürokratische Aufwand dar. Die Herausforderungen des Handwerks sind längst mehr als eine konjunkturelle Momentaufnahme. Es geht um grundlegende Fragen der wirtschaftlichen Struktur hierzulande. Denn das Handwerk ist für die Zukunftsaufgaben unverzichtbar: Energiewende, Gebäudesanierung, Digitalisierung der Infrastruktur oder der Ausbau erneuerbarer Energien sind ohne qualifizierte Handwerksbetriebe kaum zu schaffen.
