Kolumne Azubi-Suche endet nicht mit der Unterschrift

Zwischen Vertragsunterschrift und erstem Arbeitstag verlieren Handwerksbetriebe immer wieder Auszubildende – manche erscheinen am Starttag gar nicht erst. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erklärt in ihrer DHZ-Kolumne, warum die Entscheidung für einen Betrieb heute mehrfach fällt – und woran Azubis schon vor dem ersten Arbeitstag merken, ob sie wirklich willkommen sind.

Ein unterschriebener Berufsausbildungsvertrag ist ein wichtiger Schritt – aber noch keine Garantie dafür, dass der Azubi am ersten Arbeitstag auch erscheint. - © Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Im Handwerk wird häufig darüber gesprochen, wie schwierig es geworden ist, Auszubildende zu finden. Betriebe investieren Zeit in Praktika, sie führen Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, und wenn am Ende ein Ausbildungsvertrag unterschrieben wird, ist die Erleichterung oft groß.

Doch zwischen Vertragsunterschrift und Ausbildungsbeginn liegen meist mehrere Monate. Und genau in dieser Zeit passiert etwas, über das im Handwerk erstaunlich selten gesprochen wird. Ein Teil dieser Ausbildungsverhältnisse beginnt gar nicht erst. 

Manche jungen Menschen entscheiden sich kurzfristig doch für einen anderen Betrieb. Andere entscheiden sich für einen anderen Ausbildungsweg. Und manchmal bleibt am ersten Ausbildungstag einfach ein Platz frei. 

Die erste Reaktion darauf ist häufig Unverständnis. Doch vielleicht lohnt sich ein anderer Blick. Denn für junge Menschen ist die Entscheidung für eine Ausbildung heute selten ein einmaliger Moment. Sie beobachten weiter, vergleichen, sprechen mit Freunden oder sammeln in anderen Betrieben neue Eindrücke.

Der Wettbewerb um Auszubildende endet also nicht mit der Unterschrift unter den Vertrag. Er geht danach weiter. 

Welche Botschaft Schweigen sendet

Während einige Unternehmen ihre zukünftigen Auszubildenden in dieser Zeit immer wieder einbinden, zum Beispiel durch Einladungen, kurze Einblicke in den Arbeitsalltag oder persönliche Kontakte, bleibt es in anderen Betrieben bis zum ersten Ausbildungstag still.

Beides sendet eine Botschaft. Nicht laut, aber deutlich. Für junge Menschen vermittelt diese Zeit oft den ersten Eindruck davon, wie ein Betrieb als Arbeitgeber agiert.

Kathrin Post-Isenberg KPI
Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg führte jahrelang ihren eigenen Handwerksbetrieb. Heute ist sie Speakerin, Host des Podcasts "Nach fest kommt ab" und treibt die Diskussion rund um Arbeitgebermarke, Führung und Fachkräftesicherung im Handwerk voran. - © Markus Zielke
  • Wer meldet sich noch einmal? 
  • Wer zeigt Interesse? 
  • Wer signalisiert: Wir freuen uns wirklich auf dich? 

Die Bindung an den Ausbildungsbetrieb beginnt nicht erst am ersten Arbeitstag. Sie beginnt in dem Moment, in dem ein junger Mensch entscheidet, einem Betrieb zu vertrauen. 

3 Fragen an Ihren Betrieb 

  1. Wie halten Sie den Kontakt zu zukünftigen Auszubildenden zwischen Vertragsunterschrift und Ausbildungsbeginn? 
  2. Welche Einblicke in Ihren Betrieb bekommen junge Menschen in dieser Zeit? 
  3. Und woran merkt ein zukünftiger Azubi schon vor dem ersten Arbeitstag, dass er bei Ihnen wirklich willkommen ist? 

Fazit 

Ein unterschriebener Ausbildungsvertrag ist ein wichtiger Schritt. Doch er ist nicht das Ende des Weges, sondern eher der Anfang. Denn die Entscheidung für einen Ausbildungsbetrieb fällt heute nicht nur einmal. Sie wird bis zum ersten Arbeitstag immer wieder neu getroffen.

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.