Ausbildungsserie Mehr als Fachwissen: Was Azubis in der Gruppe lernen

Zeiteinteilung, Eigenverantwortung, Kritikfähigkeit: Gruppenarbeit trainiert genau die Schlüsselqualifikationen, die in der Ausbildung zählen. Ausbildungsberater Peter Braune stellt in seiner Ausbildungsserie fünf Arbeitsformen vor – und erklärt, wie Ausbilder die Methode strukturiert aufsetzen.

Ob Rollenspiel, Think-Pair-Share oder Expertenteam: Auszubildende können gemeinsame Lernziele auf sehr unterschiedliche Weise angehen. - © goodluz - stock.adobe.com

Die Gruppenarbeit ist eine partnerschaftliche Lernform, bei der eine Arbeitsgruppe in der Regel aus drei bis fünf Personen besteht. Die Zusammensetzung ist flexibel: Eine Gruppe kann Auszubildende verschiedener Lehrjahre oder eine Mischung aus Auszubildenden und Fachkräften umfassen. Gemeinsam arbeiten sie an Lernzielen aus dem betrieblichen Ausbildungsplan.

Methodik und Umsetzung

Die Auszubildenden können ihre Aufgaben auf unterschiedliche Weise angehen:

  • Gemeinsame Verantwortung: Tätigkeiten und Verantwortungen werden gleichmäßig im Team geteilt.
  • Expertenteams: Kleingruppen erarbeiten jeweils ein Spezialgebiet und vermitteln ihr Wissen anschließend den anderen, um ein umfassendes Gesamtverständnis zu schaffen.
  • Rollenspiele: Durch die Übernahme spezifischer Mitarbeiterrollen werden komplexe Arbeitsabläufe realitätsnah nachgestellt.
  • Think-Pair-Share: Ein Lernziel wird erst einzeln reflektiert, dann paarweise besprochen und schließlich in der Gruppe präsentiert.
  • Peer-Teaching: Die Gruppenmitglieder unterrichten sich gegenseitig und teilen ihre individuellen Kenntnisse.

Vorteile für die Ausbildung

In der Gruppenarbeit entfaltet sich die Kreativität aller Beteiligten. Vielfältige Ideen und gegenseitige Unterstützung führen zielgerichtet zu guten Ergebnissen. Dabei erfahren die Teilnehmer, was direkte Zusammenarbeit bedeutet, und erhalten wertvolles persönliches Feedback. Unterschiedliche Sichtweisen stärken den Zusammenhalt und machen anspruchsvolle Lernziele greifbarer.

Zudem fördert diese Methode das Interesse und sorgt für Abwechslung. Im Vergleich zur Einzelunterweisung werden persönliche Stärken und Schwächen der Auszubildenden für die Ausbilder im sozialen Miteinander deutlicher sichtbar. Neben dem fachlichen Wissen werden wichtige Schlüsselqualifikationen trainiert:

  • Zeiteinteilung und Organisationsfähigkeit
  • Zuverlässigkeit und Eigenverantwortung
  • Verständigung und Kritikfähigkeit

Organisation und Begleitung

Damit die Gruppenarbeit strukturiert abläuft, ist eine sorgfältige Vorbereitung inklusive Gliederung und Materialplanung notwendig. Ein gewählter Sprecher oder eine Sprecherin koordiniert die Arbeit, optimiert Abläufe und hält den Prozess in Gang. Konflikte sollen möglichst innerhalb der Gruppe gemeinsam gelöst werden; bei Bedarf unterstützen die Ausbilder.

Die Ausbilder geben zu Beginn das Lernziel vor und legen klare Regeln fest – dazu zählen gegenseitiges Zuhören, Unterstützung und ein höflicher Umgangston. Während der Arbeitsphase wirken sie lernbegleitend mit und stehen bei Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Herausforderungen im Blick

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Gruppendynamik. Es gilt sicherzustellen, dass die Arbeitslast fair verteilt bleibt und engagierte Teilnehmer nicht die Aufgaben für passivere Mitglieder übernehmen. Zudem sollte vermieden werden, dass einzelne Personen die Gruppe zu stark dominieren oder Gegenargumente der Minderheit ungehört bleiben.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.