Fachkräfteeinwanderung im Handwerk "Wir können Betriebe jeder Größe versorgen"

Handwerksbetriebe, die junge Leute aus dem Ausland ausbilden oder Kräfte aus Drittstaaten beschäften möchten, stehen vor besonderen Herausforderungen. Sieben Fragen an Personalberaterin Ramona Russin, die in der Handwerkskammer Ulm Unternehmen im gesamten Prozess der Fachkräfteeinwanderung unterstützt.

Personalberaterin Ramona Russin
Personalberaterin Ramona Russin unterstützt Betriebe, die Auszubildende oder Fachkräfte aus dem Ausland suchen und beschäftigen. - © HWK Ulm

DHZ: Frau Russin, Sie unterstützen Handwerker dabei, Personal aus dem Ausland zu rekrutieren. Was sind dabei ihre Aufgaben?

Ramona Russin: Bei der "Beschäftigungsbrücke" der Handwerkskammer Ulm beginnt das mit der Auswahl geeigneter Kooperationspartner, die uns bei der Vermittlung unterstützen. Wir prüfen, ob diese seriös sind, wieviel Arbeit sie bei der Vermittlung übernehmen und auch, ob sie ethisch arbeiten. Für einzelne Betriebe wäre das ein hoher Arbeitsaufwand.

DHZ: Muss ein solcher Ausbildungsvertrag immer über eine Agentur angebahnt werden?

Ramona Russin: Nein, wir beraten auch Betriebe, die eigenständig mit einem Bewerber in Kontakt getreten sind. Wir, beziehungsweise unsere Partner, nehmen den Betrieben so viel von der Bürokratie ab, wie möglich. Und wir bereiten beide Seiten kulturell sorgfältig vor, damit sie wissen, worauf sie sich einlassen.

DHZ: Was ist alles nötig, damit ausländische Bewerber hier eine Ausbildung beginnen dürfen?

Ramona Russin: Das hängt davon ab, woher sie kommen. Für EU-Bürger gelten andere Bedingungen als für Personen aus Drittstaaten. Wer jemanden aus einem Drittstaat ausbilden will, muss wissen, dass er unter Umständen eine höhere Ausbildungsvergütung bezahlen wird, denn für ein Visum müssen die Bewerber einen Mindestverdienst von derzeit 1,048 Euro brutto nachweisen, außerdem einen Nachweis der Deutschkenntnisse auf B1-Niveau. Für den Visumsantrag brauchen sie zudem einen Ausbildungsvertrag.

DHZ: Für welche Betriebe sind solche Ausbildungen geeignet?

Ramona Russin: Wir konnten bisher praktisch Betriebe jeder Größe mit einem Azubi versorgen, von einer Vier-Mann-Metzgerei bis zu größeren Baubetrieben.

Immer noch viele Hürden bei Fachkräfteeinwanderung

DHZ: Und wie lange dauert es von der Anbahnung bis der Azubi hier ist?

Ramona Russin: Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz sind die Dinge auf dem Papier deutlich leichter geworden. In der Praxis gibt es aber immer noch viele Hürden. Wir haben jetzt gerade eine Fachkraft aus Ruanda an einen Betrieb vermittelt, da war das Erstgespräch Ende 2024! Ich hoffe, dass das noch schneller wird.

DHZ: Abgesehen von den bürokratischen Hürden: Was sind die wichtigsten Schwierigkeiten?

Ramona Russin: Anfangs hörten wir vor allem von Sprachproblemen. Auf dem Papier haben zwar alle B1-Niveau, aber in der Berufsschule treten trotzdem manchmal Schwierigkeiten auf. Es ist wichtig, dass die Azubis weiter ihr Sprachniveau verbessern, da lässt sich viel im täglichen Umgang im Betrieb üben. Außerdem empfehlen wir, dass sie weiterführende Sprachkurse besuchen.

DHZ: Viele Handwerker spüren die schwächelnde Konjunktur. Suchen sie aktuell überhaupt noch nach ausländischen Kräfte?

Ramona Russin: Es ist definitiv noch ein Thema, wenn auch das Interesse 2025 im Vergleich zu 2024 deutlich gesunken ist. Wir hatten für unseren Kammerbereich mit einem Bedarf von 80 Auszubildenden aus dem Ausland gerechnet, aber nur 22 wurden vermittelt. Die anderen Betriebe hatten den Bedarf nicht mehr. Aber ich gehe davon aus, dass das wieder zunimmt.

Hilfe und Vermittlung

Viele Handwerkskammern unterstützen so wie die Handwerkskammer Ulm Mitgliedsbetriebe, die Auszubildende oder Fachkräfte im Ausland suchen.