Die Zahl der Beschäftigten im Handwerk sinkt – die der Migranten steigt deutlich. Besonders das Lebensmittelhandwerk wirbt gezielt Azubis aus Vietnam, Marokko oder den Philippinen an. Welche Hürden Betriebe nehmen müssen und wo sie Unterstützung finden.

Die Zahl der Migranten im Handwerk steigt, während dort gleichzeitig die Gesamtzahl der Beschäftigten sinkt. 2015 arbeiteten in Handwerksberufen noch 3,5 Millionen Menschen, rund zehn Jahre später waren es laut Bundesagentur für Arbeit (BA) 100.000 weniger. Parallel stieg die Zahl der Ausländer in Handwerksberufen von 320.000 auf 560.000.
Ähnlich die Entwicklung bei den Auszubildenden. 2015 zählte die BA 420.000 Azubis in Handwerksberufen, zehn Jahre später nur noch 402.000. Der Anteil an Azubis mit ausländischem Pass stieg im selben Zeitraum von knapp 30.000 auf über 50.000.
In den Regionen ist das mitunter der sehr deutlich. Für das aktuelle Ausbildungsjahr 2025/26 meldet die Handwerkskammer Freiburg 27,3 Prozent Anfänger mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit aus insgesamt 75 Ländern, bisheriger Höchststand. "Und die Betriebe rekrutieren auch weiterhin aus dem Ausland", beobachtet Nora Gäng, Abteilungsleiterin für Fachkräftesicherung und Mobilität. Allerdings gebe es deutliche Unterschiede nach Branchen. Das Lebensmittelhandwerk sei hier sehr aktiv.
Lebensmittelhandwerk sehr aktiv
Dazu passen die Daten des Backgewerbes im "Bäckerei-Monitor Deutschland 2025". Hier ist der Anteil an Azubis mit Migrationshintergrund auf fast ein Viertel gestiegen. Neun von zehn der Lehrlinge kommen aus Drittstaaten, also nicht aus der EU. Den hohen Anteil an Migranten erklärt der Bäckerei-Monitor mit einem gezielten Anwerben von Azubis beispielsweise aus Vietnam, Marokko, Tunesien, Indonesien, Malaysia oder den Philippinen, eine Reaktion auf die Auszubildendenzahlen. In den vergangenen zehn Jahren hat diese sich in der Backbranche fast halbiert.
Ähnliche Herausforderungen bei Geflüchteten wie bei gezielt angeworbenen Migranten
Die Statistiken unterscheiden nicht danach, ob die Person mit ausländischem Pass vor Ausbildungsbeginn bereits in Deutschland gelebt hat, ob sie Fluchthintergrund hat oder ob sie gezielt für die Ausbildung aus dem Ausland angeworben wurde. Für ausbildende Betriebe scheint das inzwischen auch keinen großen Unterschied mehr zu machen.
Das "Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge" (Nuif) hat in seiner Mitgliederbefragung 2025 differenziert gefragt nach den größten Schwierigkeiten in der Ausbildung von Geflüchteten einerseits und Azubis aus Drittstaaten ohne Fluchthintergrund andererseits.
Wohnungsnot größte Hürde bei Beschäftigung von Migranten
Die größte Hürde für alle ist es, Wohnraum für die Azubis zu finden. Komplizierte Verfahren und Vorschriften zum Aufenthaltsstatus, Arbeitsmarktzugang sowie zur Anerkennung von Abschlüssen erschweren ebenfalls beiden Gruppen die Beschäftigung der Migranten. Auch Sprachprobleme kennen beide Gruppen, wobei dies jeweils erst an vierter Stelle der am häufigsten genannten Schwierigkeiten auftaucht. Befragt wurden 415 Betrieben, davon zwei Drittel kleine und mittlere Unternehmen mit maximal 500 Beschäftigten.
Fast alle befragten Betriebe bieten ihren Mitarbeitern mit fremdem Pass Unterstützung an, zum Beispiel Schulungen, Weiterbildungen, Hilfe bei Behördengängen oder zusätzliche Sprachkurse.
Hilfen für Ausbilder von Migranten
Die erste Hürde für Betriebe, die einen Azubi aus dem Ausland finden wollen, ist es, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Hierbei unterstützen viele Handwerkskammern, Innungen sowie private Vermittler. Auch die Bundesagentur für Arbeit selbst hat eine zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). 2025 hat diese insgesamt 923 Auszubildende aus dem Ausland eine Ausbildung in Deutschland vermittelt, davon 139 im Bereich Technik/Handwerk. Hauptherkunftsländer (für alle Berufsgruppen) sind Marokko, Tunesien, Indien, Vietnam und El Salvador.
Zwei verschiedene Projekte können Handwerker hier unterstützen. Infos zu den Projekten THAMM Plus (Azubis und Fachkräfte aus Nordafrika) und APAL (Ausbildungspartnerschaften mit Asien und Lateinamerika) hier.
Auch, wenn Betriebe nicht über die Vermittlung der BA den Kontakt hergestellt haben, gelten die übrigen Förder- und Unterstützungsangebote:
- Auf www.make-it-in-germany.com/de/unternehmen kommt man über einige sortierende Eingangsfragen sehr schnell an die für den Einzelfall relevanten Informationen. Die BA selbst empfiehlt, den Arbeitgeberservice vor Ort zu nutzen.
- Einen Überblick darüber, welche Voraussetzungen ein Bewerber und sein Betrieb erfüllen müssen, damit einer Ausbildung zugestimmt wird, steht in diesem pdf von make-it-in-germany.
- Eine zentrale Frage bei der Visumsvergabe sind die Deutschkenntnisse der Kandidaten. Im pdf-Dokument von make-it-in-germany stehen Details, was gefordert wird.
- Ebenfalls müssen Azubis wie Arbeitskräfte für ihr Visum nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Wieviel genau nötig ist, listet dieses pdf auf make-it-in-germany auf.
Wer eine bereits im Ausland fertig ausgebildete Fachkraft in Deutschland beschäftigen will, findet unter www.anerkennung-in-deutschland.de alle Informationen darüber, was zur Anerkennung des ausländischen Abschlusses nötig ist.


