Immaterielles Kulturerbe Herrenschneiderhandwerk erhält UNESCO-Anerkennung

Die Deutsche UNESCO-Kommission nimmt das Herrenschneiderhandwerk in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes auf. Was das für Herrenschneider in Deutschland bedeutet.

Herrenschneider
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Das Herrenschneiderhandwerk gehört ab sofort zum Immateriellen Kulturerbe in Deutschland. Die Kulturministerkonferenz der Länder und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien haben die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis beschlossen, wie die Bundesregierung mitteilt. Damit umfasst das Verzeichnis nun 173 kulturelle Ausdrucksformen.

Was die Anerkennung für das Handwerk bedeutet

"Die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe ist für uns eine besondere Bestätigung unserer Arbeit. Sie würdigt nicht nur handwerkliche Exzellenz, sondern auch die Verantwortung, dieses Wissen in die Zukunft zu tragen", erklärt Sandro Dühnforth, Vorsitzender der Vereinigung "Die Herrenschneider – Echte Maßarbeit. Ehrliches Handwerk e. V."

Mit der Anerkennung erhalte das Herrenschneiderhandwerk "eine bessere öffentliche Sichtbarkeit und eine starke Grundlage für die weitere Vermittlung seiner Werte, Techniken und kulturellen Bedeutung", so Dühnforth weiter.

Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hebt das Handwerk hervor: "Das Herrenschneiderhandwerk verbindet traditionelle Handwerkskunst mit zeitgenössischem Design und prägt bis heute maßgeblich die Mode- und Kreativwirtschaft. All das gilt es, zu schützen und für die Zukunft erlebbar zu halten", so Weimer.

Maßarbeit von der Vermessung bis zur Endausarbeitung

Das Herrenschneiderhandwerk umfasst den gesamten Prozess der Maßanfertigung: individuelle Vermessung, Schnittkonstruktion, handwerklicher Zuschnitt, Einlagenverarbeitung, Dressur und Endausarbeitung. Maßgefertigte Kleidung steht dabei für einen nachhaltigen Umgang mit Materialien und eine lange Lebensdauer der Stücke, wie die Vereinigung "Die Herrenschneider" mitteilt.

4 weitere Traditionen neu im Verzeichnis

Neben dem Herrenschneiderhandwerk nahmen Bund und Länder vier weitere Traditionen in das Bundesweite Verzeichnis auf: die Bolzplatzkultur, die Martinstradition im Rheinland, die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland sowie die Traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern.

Deutschland ist dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes 2013 beigetreten. Derzeit verzeichnet Deutschland zehn Einträge auf den internationalen UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes, darunter Orgelbau und Orgelmusik. fre

Was bedeutet "Immaterielles Kulturerbe"?

Als Immaterielles Kulturerbe gelten lebendige kulturelle Ausdrucksformen, die Menschen von Generation zu Generation weitergeben – etwa Handwerkstechniken, Bräuche, darstellende Künste oder mündliche Überlieferungen. Anders als beim Welterbe, das Baudenkmäler und Naturlandschaften schützt, geht es beim Immateriellen Kulturerbe um Wissen und Können, nicht um Gebäude oder Objekte.

Was ändert sich durch die Aufnahme?

Die Eintragung in das Bundesweite Verzeichnis ist eine öffentlich sichtbare Anerkennung. Eine direkte finanzielle Förderung ist damit nicht verbunden. Die Aufnahme stärkt jedoch die öffentliche Wahrnehmung und kann helfen, Ressourcen einzuwerben. Außerdem dürfen die Träger der Kulturform ein entsprechendes Logo für nicht-kommerzielle Zwecke nutzen. Die Aufnahme ist zudem Voraussetzung dafür, für eine der internationalen UNESCO-Listen nominiert zu werden.

Quelle: FAQ der Deutschen UNESCO-Kommission, Stand Februar 2025